Fahnen hissen im Schulhof

23. Juni 2009, 10:37
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Alltagserfahrungen in einer Privatschule in Kairo

Kairo - "Als Touristin habe ich mir ein Leben hier nicht vorstellen können. Aber jetzt habe ich dieses Land sehr in mein Herz geschlossen, aber mein Heimatland dabei nicht vergessen", sagt Amina Alam El Din. Die 17-Jährige ist in Österreich geboren und aufgewachsen, vor zwei Jahren entschieden sie und ihre Familie sich jedoch, nach Ägypten zu ziehen. "Meine Eltern wollten, dass wir eine neue Kultur kennenlernen, in einer anderen Umgebung aufwachsen, neue Erfahrungen sammeln und Arabisch, die Sprache des Korans, lernen", sagt Amina. "Sie wollten mir damit auch mehr Zukunftsmöglichkeiten bieten."

Gemeinsam mit ihren Geschwistern Sarah und Yasin besucht sie seitdem die Privatschule Beverly Hills in Kairo - eine Einrichtung, die erst seit 2003 existiert und sich noch im Aufbau befindet.
Multiethnische Vielfalt

Schon um 6.30 Uhr morgens werden die Schüler von einem Bus abgeholt. "Wir stellen uns in einer Reihe auf und singen gemeinsam täglich die ägyptische Bundeshymne, während die Flagge hochgezogen wird." Die Schüler dürfen im Laufe des Tages das Schulgelände nicht verlassen. "Die Tore werden um zehn vor acht geschlossen, wer zu spät kommt, hat keine Chance reinzukommen." Eines haben all die Schüler mit unterschiedlichem nationalen Hintergrund gemein - das relativ hohe Einkommensniveau ihrer Eltern.

Privatschulen genießen in Ägypten einen wesentlich besseren Ruf als öffentliche. Die Unterschiede liegen in den verpflichtenden Uniformen und der dichten Belegung der Klassen in öffentlichen Schulen, aufgrund der steigenden Bevölkerungsanzahl der Millionenstadt. "Deswegen sind Schüler auf Nachhilfestunden angewiesen", schildert Amina.

Dass Kairo eine solche Megastadt ist, hat auch negative Kehrseiten, ein Beispiel ist für Amina der Verkehr. "Ägypten ist bekannt für lange Staus und die fehlende Disziplin der Fahrer. Dieses Verkehrchaos als Tourist zu erleben mag ja lustig sein, aber als eine, die in Ägypten lebt, ist es schwieriger." (Nermin Ismail, DER STANDARD-Printausgabe, 23. Juni 2009)

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