"Pyramide der Wertschätzung"

23. Juni 2009, 10:26
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"Ab nach Kairo" hieß es für vier österreichische Schulklassen, deren Projekte im Wettbewerb "Österreich entdeckt Ägypten" überzeugten - Der SchülerStandard begleitete sie

Kairo - "Was ist das? Hört ihr das?", fragt eine Schülerin im Bus. Es ist der Gebetsruf des Muezzin, der fünfmal am Tag Kairos Straßen durchdringt. Die Luft draußen ist heiß und vom Lärm der Autohupen erfüllt - für vier Schulklassen aus Österreich beginnt eine einwöchige Reise quer durchs Land, ihr Preis beim Wettbewerb "Österreich entdeckt Ägypten" (siehe Wissen).

Dass ihre Projektidee sie je so weit führen würde, ahnten die Schüler des BRG neu, Leoben in der Steiermark nicht. In ihrem Projekt Protect Egyptian Nature haben sie mit ihrem Kunstlehrer "Ideen gesammelt, wie man der Umweltverschmutzung entgegenwirken kann", schildern sie.

Für eine Woche sind die Gymnasiasten nach Ägypten gekommen, um das Land kennenzulernen, aber auch ihr Projekt zu präsentieren - unter anderem vor Gleichaltrigen der deutsch-evangelischen Oberschule in Kairo (DEO). "In einem solchen Sack", illustrieren sie vor der Klasse ihre Ideen "sollen die Touristen ihren Müll schmeißen und an der Hotelrezeption oder an gekennzeichneten Stellen abgeben". Sie wollen sowohl Einheimische als auch Touristen auf die Natur ihres Landes aufmerksam machen. "Bauen wir eine Pyramide der Wertschätzung", lautet ein Satz, den die Klasse gemeinsam entwickelt hat. Er sagt für sie sehr viel aus. "Unser Projekt ist eine Vision, die weitergeführt werden soll", betont der Kunstprofessor.

Geteilter Religionsunterricht

Die DEO legt einen Schwerpunkt auf Religion - das auch konfessionsübergreifend. "Es unterrichten ein muslimischer und ein christlicher Lehrer gemeinsam", schildert ein Lehrer.

Die Schüler tauschen sich derweil aus - der Unterschied zwischen den Gleichaltrigen, die aufeinandertreffen, ist nicht groß, meinen die Teilnehmer. Das Einzige, das auch vom Reiseführer betont wird, ist der im Vergleich sehr hohe Stellenwert der Familie. Von ihrem Elternhaus werden diese Jugendlichen nicht einfach ausziehen, sobald sie 18 sind - normalerweise bleibt man bei seiner Familie und unterstützt sie finanziell, sobald dies möglich ist.

Die Reise geht weiter über das Kloster Markarius, das das gute Zusammenleben von Christen und Muslimen in Ägypten untermalen soll, nach Alexandria.

Der Aufenthalt nähert sich seinem Höhepunkt und Ende. Im Azhar-Park treffen sich die vier Siegerklassen. Der Tourismusminister und andere Prominente werden erwartet - auch das ägyptische Fernsehen ist präsent. Doch mit dieser Reise ist das Projekt nicht vorbei. Die Teilnehmer haben in Wien bereits den österreichischen Umweltminister getroffen, um ihm ihre Ideen zu vergegenwärtigen. Eine Partnerschaft mit einer Schule in Ägypten und die Weiterarbeit am Projekt ist das nächste Ziel.
Eine ägyptische Schulklasse vor der Kulisse der Pyramiden. (Nermin Ismail/derStandard.at, 23. Juni 2009)

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    Eine ägyptische Schulklasse vor der Kulisse der Pyramiden.
    Die andere, moderne Seite des Landes am Nil entdeckten die Schüler aus Österreich im Gespräch mit Jugendlichen vor Ort.

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