Wie Facebook das Internet dominieren und dabei Google ausbooten will

23. Juni 2009, 10:50
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    grafik: luc legay / flickr

    Facebook: Informationen aus dem eigenen Freundeskreis statt aus der breiten Masse

Soziales Netzwerk hat Ambitionen - Personalisierte Suche soll Durchforsten des Webs ersetzen

Die Geschichte der Menschheit besteht nicht zuletzt aus einer Fülle von definierenden Momenten, historische Weggabelung, die oft noch Jahre später zu "Was-wäre-wenn"-Spekulationen anregen. Auf das Internet bezogen war wohl der Herbst 2007 ein solcher Zeitpunkt. Denn da befanden sich Google und das damals noch relativ junge soziale Netzwerk Facebook in Verhandlungen über ein Partnerschaft, eine Kooperation mit deren Zustandekommen die Zukunft des Internets wohl anders ausgesehen hätte.

Abwehr

Doch daraus wurde nichts: Statt Google holte Facebook Microsoft ins Boot - und auch das nur in einem klar begrenzten Rahmen. Eine Entscheidung, die von Google-Gründer Larry Page beinahe schockiert aufgenommen wurde, wie das US-Magazin Wired berichtet. Hatte man doch ursprünglich sogar auf eine vollständige Übernahme von Facebook gehofft.

Interessenslage

Das Interesse von Google war klar: Millionen von persönlichen Datensätzen, mit denen man die eigenen Angebote erheblich verfeinern hätte können. Doch das vom 2004 gerade 19-jährigen Harvard-Studenten Mark Zuckerberg ins Leben gerufen soziale Netzwerk hatte längst ganz andere Pläne. Statt sich von Google kaufen zu lassen, wollte man lieber selbst das "nächste Google" werden.

Ablenkung

Entsprechend hatte man auch nie ernsthaft an einen Deal gedacht, wie InsiderInnen berichten, viel mehr sollte Google lediglich den Preis für Microsoft nach oben treiben. Von Anfang an hatte man sich intern immer an Google orientiert, für den direkten Mitbewerb wie MySpace interessierte man sich hingegen nur begrenzt.

Umfassend

Was auf den ersten Blick verwegen wirken mag, ergibt bei einer genaueren Analyse durchaus Sinn: Mehr als 200 Millionen Personen sind bereits auf Facebook registriert - und damit nicht weniger als ein Fünftel der gesamten Netz-Community. Und auch wenn viele dieser Accounts nur begrenzt genutzt werden mögen, so resultiert daraus doch ein riesiger Datenpool.

Vorteile

Daten, die durchaus die Online-Suche revolutionieren könnten: Findet man dort doch nicht von Computern auf einen fiktiven Durchschnitt getrimmte Ergebnisse, sondern solche, die durch das eigene soziale Umfeld geprägt werden. Wer über das Staffelfinale einer aktuellen Serie diskutieren will, kann entweder bei Google generische Kommentare zusammentragen, oder über Facebook herausfinden, was die eignen Kontakte dazu meinen.

Kolonie

Dass all dies in eine eigene Facebook-Suche münden wird, ist kein Geheimnis mehr, bei dem sozialen Netzwerk arbeitet man momentan eifrig an einem solchen Service. Doch das ist nur ein Teil der Strategie, ein weiterer Kernpunkt ist das, was Wired das "Web kolonisieren" nennt. Mittels Facebook Connect können sich die BenutzerInnen auch auf anderen Webseiten austauschen, das Open Stream API erlaubt hingegen externen EntwicklerInnen eigene Mashups auf Basis des Infostreams von Facebook zu bauen - eine Offenheit, die auch massiv zum Erfolg von Twitter beiträgt.

Money, Money...

Auf diese Weise soll Facebook nach und nach das Zentrum der Aktivitäten der Internet-Community werden, eine Rolle die derzeit meist Google übernimmt. Der letzte Schritt des Plans ist dann beinahe schon selbstverständlich: Über speziell an die Interessen der BenutzerInnen angepasste Werbung soll endlich Geld in die Kassen des sozialen Netzwerks gespült werden. (red)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 42
1 2
schnurri (so heisst mein auto)
00
26.6.2009, 11:40
google personalisieren, wenn ueberhaupt

sinnvoll ist es doch wohl eher sich fuer google mehrere profile bewusst zuzulegen.
also mich wuerd es stoeren, wenn ich was ueber den apache server brauche, und aufgrund meiner internet statistik und meiner facebook kontakte schickt mich google dauernd auf eine sadomasochistische kinderpornoseite. ganz abgesehen davon, was die leute dann so denken.

Analog-Käse
00
25.6.2009, 17:14
herdentiertreiben wie bei den lemmingen

nur weil facebook, von studenten gestürmt wird, bedeutet es lange noch nicht das es super ist und von dominieren kann überhaupt keine rede sein.
jeder hinterläßt eine kaputte seite mit müll-infos.
das ist keine dominanz.

ich hab mir probe-account max mustermann zugelegt, weil ich sehen wollte was facebook sein soll, kein profil ausgefüllt und trotzdem wollen am tag mindestens 5 unbekannte meine freunderl sein....häää !

Krisengeschüttelter
00
27.6.2009, 10:53
Profil

Haben Sie sich in Ihrem Testprofil als vollbusige nymphomane Blondine ausgegeben?

Ich bin mit meinem echten Namen im Facebook, habe ca. 120 Kontakte ("Freunde" ist zugegebenermaßen etwas unglücklich formulier), die ich auch im Real Life schon kannte und habe in 1/2 Jahr EINE EINZIGE Freundschaftsanfrage von einer unbekannten Person erhalten.

so go
00
25.6.2009, 15:49
Ein ausgezeichnet sachlicher Artikel.

Ich bin beeindruckt und danke der Redaktion.

Gestern hatte ich schon ein "politisches outing" in meinem facebook Eingabefeld - zum Glück konnte ich es noch rechtzeitig durch blabla ersetzen.

Grundsätzlich ist es möglich, dass wir in 10 Jahren "Probleme" (welcher Art auch immer) erhalten wegen dem, was wir heute freiwillig preis geben.

mkx
00
28.6.2009, 17:42
In 10 Jahren...

...wirst du nicht der einzige mit einer Vergangenheit im Internet sein.
Ich denke, dass sich das mit der Zeit einspielen wird. Klar, man sollte nachdenken, bevor man etwas möglicherweise für die Ewigkeit ins Netz stellt.
Auf der anderen Seite ist übertriebene Paranoia mMn unangebracht: Wenn du vor Unzeiten was unangebrachtes auf Twitter geschrieben hast, bist damit in 10 Jahren wohl in guter Gesellschaft, dessen sind sich auch Freunde, Arbeitgeber, etc. bewusst (bzw. haben selbst ähnliches gemacht). Ich prophezeie: Da wird kein Hahn danach krähen, solange es sich nicht um wirklich krasse Dinge handelt (und wenn, dann muss man halt dazu stehen...).

il cervello
11
24.6.2009, 09:29
Ich bin nach wie vor Facebookverweigerer...

und langsam erklärt sich auch warum.
Ich sehe tatsächlich einen Nutzen darin, mit Freunden verbunden zu sein, denn das erleichtert die Freizeitplanung. Man muss nicht mehr herumtelefonieren und weiß, wer wann wo ist... So weit so gut, wers braucht und bereit ist dafür so viel Information von sich preis zu geben...
Absurd wird das Thema aber dann, wenn die Leute ohne gross darüber nachzudenken Kontaktanfragen akzeptieren. Ich habe Freunde, die haben 500 und mehr Facebookfreunde, tatsächlich kennen sie von denen aber höchstens 100-150, besser vielleicht 50-60... Wenn man dann ausgehen will, antworten am Ende "Freunde" die man gar nicht sehen will...
Ein Teil sind mE auch Fakes, die gezielt Gruppenmitglieder kontakten um Infos zu sammeln.

derunbestechliche
00
24.6.2009, 10:13
@il cervello

Ich gehöre auch zu den Facebookverweigerern - und ich stehe dazu. Es sind unter anderem die Gründe die Du beschrieben hast. Ebenso sind es Meldungen über den Mißbrauch von prominenten Namen für gefälschte Facebookaccounts. Außerdem stört mich das wie von pete17 (siehe weiter unten) bereits erwähnte: "Wenn ich mein Konto lösche dann erwarte ich mir, dass es auch wirklich gelöscht ist." Bei mir kommen noch einige Gründe hinzu, aber diese beschriebenen Gründe sind für mich schon ausreichend genug. Es gibt genügend alternative Möglichkeiten, um mit Freunden verbunden zu sein und seine Freizeitplanung entsprechend zu organisieren.

Der Profichiller
 
01
24.6.2009, 09:54

also wer facebook (nur) nutzt, um seine abendgestaltung zu planen, hat das potential nicht ganz erfasst.

Gunslinger
00
24.6.2009, 10:12

wie wahr, wie wahr

LL MM
00
23.6.2009, 23:31

Man sollte die einmal wegen der Abzockangebote, die es mittlerweile auf Facebook gibt, zur Rede stellen.

Wenn das so weiter geht, dann landet Facebook in absehbarer Zeit im Internet-Museum.

Am Boden der Badewanne ist ein tiefes, dunkles Loch
00
23.6.2009, 20:48

Facebook ist auch nur ein Hype. Heute hot, morgen tot.

the JJ
00

200 Millionen Nutzer weltweit sprechen da wohl eine etwas andere Sprache...

csm2611
30
23.6.2009, 19:33
Schaden für die Wirtschaft

Interessant wäre es zu wissen wieviel Zeit mit bspw. Facebook draufgeht. Für Firmen ist das sicher nicht zu unterschätzen, wenn Mitarbeiter, wenn auch nur kurz, den Facebook-Account überprüfen.

Gunslinger
00
24.6.2009, 11:30

Gottseidank ist das Posten im Standard ja erlaubt während der Arbeitszeit.

sterngucker
 
01
24.6.2009, 08:12
Ja, Wahnsinn!

Stellen Sie sich vor, gestern hat mir jemand erzählt, daß er Leute kennt, die *während der Arbeitszeit* aufs Klo gehen!!!

csm2611
00
24.6.2009, 08:53
Thema verfehlt

Was hat den das eine mit dem anderen zu tun. Dieses Posting hätten Sie sich sparen können. Aber das ist wahrscheinlich die typische Facebook-Generation - fest tippen ohne nachzudenken!

Gunslinger
00
24.6.2009, 10:13

bzgl. "Dieses Posting hätten Sie sich sparen können"

Ihres ist auch nicht das Gelbe vom Ei....

rizzla
00
23.6.2009, 16:39

Was tut sich auf Myspace, die letztes Jahr Google ausgebootet haben...?

t 3
 
00
23.6.2009, 23:30
... sie meinen myspace,

das von google eine menge kohle für werbung kassiert?

ray cas
01
23.6.2009, 14:47
informatik und gesellschaft

die entwicklungen die diese services durchlaufen sind sehr spannend zu beobachten, vor allem in hinblick auf ihre auswirkungen auf alle, und zwar technologisch, sozial, wirtschaftlich und ethisch.

infos sollen schnell gefunden werden. dazu gibts firmen die alles im web erfassen. aber wo information gesammelt wird, besteht auch missbrauchsgefahr. wie wollen wir aber sonst unseren informationshunger stillen? irgendwo ist es ein trade-off.

das mit den freunden in facebook ist wieder eine andere geschichte. wie sehr wirken sich diese phänomene auf unser soziales gefüge aus? deren auswirkungen sind schon sehr faszinierend.

wirtschaftlich stellt sich die frage wie man mit all dem wirklich geld macht. reicht werbung allein?

spannendes thema

pete17
04
23.6.2009, 14:25

Ich bin ja durchaus sehr offen für Neues aber leider habe ich den Nutzen von Facebook einfach nicht verstanden. Ja wahrscheinlich bin ich einfach zu däh.... dafür. Trotzdem habe ich mein Konto wieder gelöscht.

Allerdings dürfte es nicht wirklich gelöscht werden, weil ich nach 1 Monat mich nochmals mit den gleichen Daten angemeldet habe und alle meine zuvor eingegebenen Informationen nach wie vor vorhanden waren. Aus dem Grund werde ich dieses Ding nie wieder benutzen. Wenn ich mein Konto lösche dann erwarte ich mir, dass es auch wirklich gelöscht ist. :-(

ausgestiegen.com
00
24.6.2009, 09:52
Endlich wirklich aussteigen

Die komplette Anleitung zum (endgültigen) Ausstieg aus Facebook gibts unter http://www.ausgestiegen.com/anleitung... s-facebook

zensur passiert
00
23.6.2009, 16:21
detto,

mich hat gestört, dass meine Kontakte ohne mich vorher zu fragen gleich per email angeschrieben worden sind. Da mir die täglichen Einladungen die ich erhalte sehr zuwider sind und ich nun als unfreiwilliger Verursacher selbst da stand wollte ich sofort meinen account annulieren - geht nicht!!!! stand in der Stilllegungsbestätigungsemail!

Macho04
00
23.6.2009, 13:23
Etwas sehr weltfremd, das Facebook

Es gibt andere Netzwerke, die Sinn haben, wie zB XING oder groops, aber Facebook?

neferaton
01
23.6.2009, 16:34

xing is was für wichtigtuer.

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