Höchste Unwetterwarnstufe

24. Juni 2009, 09:11
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Betroffen ist vor allem Niederösterreich und Oberösterreich - An die 50 Straßen gesperrt - Erstes Todesopfer in Steyer

Die Hochwasser-Gefahr in Österreich dürfte aufgrund der anhaltenden Regenfälle weiter steigen. Betroffen ist vor allem Niederösterreich - Melk, Scheibbs und Amstetten. In westlichen Niederösterreich gibt es in 13 von 21 Bezirken Überflutungen. Durch den Dauerregen auch in der Nacht steigen die Pegel der Erlauf, der Pielach und der Ybbs weiter. Auch in vielen Teilen Oberösterreichs hat es die ganze Nacht geregnet. Die Pegelstände der Krems sind stark angewachsen.

Mit einem Ansteigen der Pegelstände der Donau, des Inn und zahlreichen anderen Flüssen wird gerechnet. Die Donau könnte sogar auf über 9 Meter ansteigen. Derzeit liegt der Pegelstand kanpp über acht Meter
Ein Ende der Niederschläge wird erst für Donnerstag prognostiziert.

Die Niederschläge führten in der Nacht auf Mittwoch zu weiteren Straßensperren. An die 50 Straßenverbindungen sind gesperrt. In Oberösterreich sind seit Dienstag in Steyr der Enns- und der Ortskai gesperrt. Die Salzkammergut Straße (B145) steht zwischen Traunkirchen und Altmünster unter Wasser. In Niederösterreich wurden in der Nacht auf Mittwoch die Donau- und die Aggsteiner Straße (B3, B33) zwischen Melk und Krems sowie die Pielachtal Straße (B39) zwischen Frankenfels und Hofstetten gesperrt.

Voraussichtlich gibt es in Steyer ein erstes Todesopfer, wie der orf.teletext berichtet. Eine Leiche soll durch eine Kraftwerk geschwemmt worden. Näheres ist noch nicht bekannt.

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Wien - Feuerwehr-Uniform statt Abendkleidung - das war am Dienstagabend der Dresscode für VP-Sympathisanten in ganz Niederösterreich. Viele jener Personen, die die blau-gelben Schwarzen zu ihrem Sommernachtsfest in Laxenburg eingeladen hatte, seien angesichts der Regenmengen im Einsatz, etwa als Feuerwehrleute. Und aus "Rücksicht gegenüber diesen vielen Freiwilligen" sagte VP-Landesgeschäftsführer Gerhard Karner das Fest am Dienstagvormittag ab.

Hotspot Niedeösterreich

Tatsächlich wurde Niederösterreich im Laufe des Tages zum Hochwasser-Hotspot. 13 von 21 Bezirken waren am frühen Abend vom Hochwasser betroffen, vor allem im Mostviertel, entlang der Donau, im Voralpenland und im Wienerwald. Rund 900 Feuerwehrmänner im Einsatz, sie pumpten Keller und Garagen aus. Aus dem Katastrophenschutzlager in Tulln wurden mobile Hochwasserschutzelemente in die Einsatzgebiete transportiert.

Tulln: Innerhalb von 24 Stunden 88 Liter Regen

Sogar im sonst eher trockenen Tullner Becken fielen innerhalb von 24 Stunden 88 Liter Regen pro Quadratmeter. "Eine Menge, wie sie nur alle 50 Jahre vorkommt", erklärt der Klimatologe Gerhard Hohenwarter von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (Zamg). Normalerweise regnet es in dieser Region im gesamten Monat Juni durchschnittlich 76 Liter pro Quadratmeter. Der andauernde Niederschlag ist also "durchaus etwas sehr Ungewöhnliches", sagt Hohenwarter.

Situation wird sich weiter verschärfen

Die Situation im Osten und Norden Österreichs wird sich laut Zamg bis Donnerstag weiter verschärfen. Bereits jetzt seien "die Flüsse angefüllt und die Böden gesättigt" , sagt Hohenwarter. Der Regen, der jetzt noch falle, könne nicht mehr ablaufen oder versickern. Das Bundesheer wurde in Alarmbereitschaft gesetzt, 10.000 Soldaten stehen österreichweit für mögliche Hilfseinsätze bereit.

In Steyr waren der Ennskai und der Ortskai überflutet. Hauptproblem ist die starke Wasserführung der Enns. Deshalb stand Dienstagabend bei Mauthausen, wo die Enns in die Donau mündet, Hochwasser-Alarm an.

Wasser in der Albertina

Ungewöhnlichen Hochwasserschutz musste die Wiener Feuerwehr leisten. Sie deckte die Oberfläche des Depots der Albertina ab, dort war es zu einem Wasserschaden gekommen. "Sämtliche Maßnahmen wurden getroffen, um die Sicherheit der Kunstwerke zu gewährleisten" , bemühte sich das Museum umgehend mitzuteilen. Als Vorsichtsmaßnahme wurden die bedeutendsten Werke der Sammlung, etwa von Dürer, Michaelangelo, Rembrandt, Schiele und Klimt, evakuiert.

Wienfluss ein reißender Strom

Der Dauerregen verwandelte den Wienfluss in einen reißenden Strom. Zehn Zentimeter beträgt der durchschnittliche Pegelstand des Wienflusses. Nicht so am Dienstag: "Wir haben derzeit bei der Kennedybrücke 1,35 Meter und bei der Nevillebrücke 1,83 Meter" , sagte ein Sprecher der Hochwasserzentrale der MA 45. Es bestehe nicht die Gefahr, dass das steinerne Flussbett ob der Wassermengen überlaufe. "Derzeit ist es ein 30-jähriges Hochwasser - die Auffang-Becken in Auhof werden erst bei einem 100-jährigen Hochwasser geöffnet" , so der Sprecher.

Aufbauarbeiten Donauinselfest

Auch die Aufbauarbeiten für das Donauinselfest, das am Wochenende statt findet, gerieten angesichts der Regenfälle zur Wasserschlacht. An eine Absage werde keinesfalls gedacht, versicherten die Organisatoren. Es seien aber zahlreiche Zusatzarbeiten zu erledigen, wenn etwa die Lkw im Schlamm hängen blieben.

Verantwortlich für die Wettermisere ist Tief "Quinton". "Es kommt von Süditalien, zieht über das Schwarze Meer von Osten zu uns herein", erläutert Hohenwarter von der Zamg. Am Wochenende dürfte sich über dem mitteleuropäischen Raum aber ein Hoch aufbauen, erklärt er. (hei, ker, APA, DER STANDARD Print-Ausgabe, 24.06.2009)

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    Der Zusammenfluss der beiden Flüsse Enns und Steyr.

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    Der Dauerregen lässt die Donau steigen: Hier die Situation bei der Rollfähre Klosterneuburg - Korneuburg am Dienstag.

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