Steinbach warnt vor "Showdown gegen die Demokratie"

22. Juni 2009, 23:30
1 Posting

Islamexperte: "Islamische Diktatur kann zum Problem für gesamte Umwelt werden" - EU muss sich einschalten, um "gewaltige Eskalation" zu verhindern

Wien - Vor einem "Showdown gegen die Demokratie" hat der Islamwissenschaftler Udo Steinbach am Montag in Wien gewarnt. Entweder die Opposition im Iran setze sich durch und die iranische Republik werde in "anderer Form" weiterexistieren oder die islamische Diktatur werde zum Problem für die gesamte Umwelt und dies könne auch zum Krieg führen, erklärte Steinbach im Rahmen eines Symposiums. Europa habe allen Grund, sich in der Region einzuschalten, um eine gewaltige Eskalation zu verhindern.

Hierbei müsse man allerdings die "unterschiedlichen Qualitäten" der Beziehungen der europäischen Mächte zum Iran beachten, betonte Steinbach weiter. Es gebe keine "bestimmte europäische Politik" gegenüber dem Iran. "Ich schäme mich, dass die Rede von Obama in Kairo nicht von einem Europäer gehalten worden ist", meinte Steinbach. US-Präsident Barack Obama habe das Wort "Respekt" geprägt. Nun sei es an Europa, konstruktiv vorzugehen. In jedem Fall werde ein "veränderter Iran" aus der Krise hervorgehen, meinte der Islamwissenschaftler.

Demokratisierung beste Medizin

Zum Thema Iran und Nuklearenergie zitierte Steinbach die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi und sagte, die Demokratisierung des Iran sei die beste Medizin dafür, dass aus der zivilen Nutzung von Nuklearenergie keine militärische werde. Bei einem "Showdown gegen die Demokratie" werde das Atomprogramm jedenfalls weiterlaufen, konstatierte Steinbach. Der Iran wolle mit aller Kraft im "21. Jahrhundert ankommen" und dies schaffe er nur mit dem Nuklearprogramm.

Der Politikwissenschaftler Heinz Gärtner erklärte in seinem Vortrag zum Thema "Obama, Iran und die Bombe", dass Indien in Bezug auf Atomtechnologie technisch gefährlicher zu beurteilen sei als der Iran. Zudem wisse US-Präsident Barack Obama, dass die USA ohne gute Beziehungen zum Iran auch die Konflikte rund um die Region nicht lösen könnten. Umgekehrt würde der Iran allerdings auch ein positives Verhältnis zu den USA benötigen, da dieser ansonsten in der Region isoliert bliebe. Wenn sich der politische Kontext zwischen den USA und dem Iran ändere, dann sei es auch kein Problem, einen Kompromiss beim Nuklearprogramm zu finden, konstatierte Gärtner.

Die Veranstaltung unter dem Motto "Der Iran in der internationalen Politik - Internationale Krisen als Blockade regionaler Entwicklung" fand in der Diplomatischen Akademie in Wien statt und wurde vom Österreichischen Institut für Internationale Politik (OIIP) und der Österreichischen Orient-Gesellschaft Hammer Purgstall (ÖOG/HP) organisiert. (APA)

Share if you care.