Tante quälte Vierjährige zu Tode

22. Juni 2009, 21:28
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Österreichischer Vater versuchte seit Jahren seine Tochter aus Brasilien zurückzuholen

Wien/Rio de Janeiro - Die vierjährige Sophie Z. ist tot. Wie brasilianische Medien berichten, wurde die Tochter einer Brasilianerin und eines Österreichers auf 14 Kilogramm abgemagert mit Knochenbrüchen, Hämatomen und einer Wunde am Kopf in ein Krankenhaus in Rio de Janeiro eingeliefert. Dort lag sie sechs Tage lang im Koma. Vergangenen Freitag starb das Mädchen. Sie soll von ihrer Tante und ihrer Cousine zu Tode gequält worden sein.

"Seit eineinhalb Jahren versucht mein Sohn, seine Kinder aus Brasilien nach Österreich zurückzuholen, aber jetzt kann er seine Tochter nur noch tot heimbringen" , sagt Vera Z., die Großmutter des verstorbenen Mädchens dem STANDARD. Ihr Sohn Sascha und die Brasilianerin Maristela M. haben in Wien geheiratet und einen heute zwölf Jahre alten Sohn und Sophie bekommen. 2006 aber kam die Scheidung.

Maristela M. habe psychische Probleme gehabt und sei plötzlich verschwunden, habe die beiden Kinder "einfach nach Brasilien mitgenommen", sagt Vera Z. In Rio de Janeiro habe die Tante die Kinder ihrer psychisch kranken Schwester weggenommen.

"Die ist sehr arm, lebt in einer Favela und hat gehofft, Geld aus Österreich zu bekommen", sagt Vera Z. "Wahrscheinlich hat die Schwester gewusst, wie viel Alimente Maristela von Sascha bekommen hat."

Von Polizei festgenommen

Irgendwann, so glaubt Vera Z., dürfte Sophies Tante aber gemerkt haben, dass ihr Kampf um Geld aussichtslos ist. Ihre Wut darüber soll sie an den Kindern ausgelassen haben, inzwischen wurde sie von der brasilianischen Polizei festgenommen. Sophies leibliche Mutter gilt seit Längerem als vermisst.

Der Tod ihrer Enkelin hätte verhindert werden können, ist Vera Z. überzeugt. Sie erhebt Vorwürfe gegen Behörden, die ihrer Meinung nach untätig geblieben sind. Seit eineinhalb Jahren sei Sascha Z. mehrmals beim Konsul in Rio gewesen und habe versucht, Sophie und ihren Bruder Raphael nachhause mitnehmen zu dürfen. In Österreich hat der Wiener bereits das alleinige Sorgerecht erhalten. "Der Konsul hat ihm immer nur gesagt, es sei eh alles in bester Ordnung." Ihr Sohn habe in Brasilien drei Anwälte mit der Sache betraut, "da ist aber nichts weitergegangen" .

"Ich verstehe das nicht: Es geht um Kinder in einem Land, das internationale Abkommen unterschrieben hat und die werden von dem Staat einfach ignoriert" , sagt Z. dem Standard. Aber auch in Österreich, sagt sie, habe ihr Sohn nicht den erwarteten Rückhalt erhalten. Anfangs habe man mit dem Justizministerium noch sehr intensiv zusammengearbeitet. Vor einem Monat habe man nochmals darum ersucht, Druck auf die brasilianischen Behörden auszuüben - aber nichts Näheres aus dem Ministerium erfahren.

Nun will Sascha Z. seinen Sohn Raphael so rasch wie möglich aus Brasilien zurückholen. Der Zwölfjährige ist derzeit bei der Familie seiner leiblichen Mutter und sieht seinen Vater täglich. (Gudrun Springer/DER STANDARD, Printausgabe, 23.6.2009)

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