Blitze, Stürme, Schädlinge - Unbegründete Ängste bei der Dachbegrünung

22. Juni 2009, 20:50
1 Posting

Muss man bei einer höheren Pflanze Angst haben, dass der Blitz einschlägt?

Nein. Es werden immer Blitzableiter in die Begrünung eingebunden, diese ähneln kleinen Sendern. Sie werden über der Begrünung verlegt und stehen über die Attikahaube hinaus. Erdungsdrähte führen die Blitze ab in die Erde.

Muss man bei extensiv begrünten Dächern Angst haben, dass sie bei stärkeren Stürmen abgetragen werden und durch die Luft fliegen?

Nein. Meistens entstehen Sturmschäden bei Blechdächern, wenn die Fassade nicht geschlossen ist, oder wenn der Wind unter die Dachkonstruktion bläst und so die ganze Konstruktion aufheben kann. Bei der Dachbegrünung sind die Abdichtungen aber vollflächig verklebt oder mechanisch befestigt. Die Dachbegrünung kann aber auch allein durch die Auflast, also quasi durch ihr Eigengewicht, halten. Die Dachbegrünungsschichten haben, voll mit Wasser gesättigt, etwa ein Gewicht von 1200-1400 kg pro Kubikmeter. Bei einer zehn Zentimeter dicken Begrünungsschicht wären das 120-140 Kilo.

Wichtig für den Wind- und Erosionsschutz ist, dass die Bepflanzung geschlossen ist. Genauso wie bei der Böschung oder beim Schutzwald, wo es gilt, einen Standort zu sichern, sichern die geschlossene Pflanzendecke und die Durchwurzelung eine Dachbegrünung vor dem Wegfliegen.

Gilt das auch für kleine Sedum-Kistchen bei Sturm?

Ja, auch kleine Sedum-Kistchen fliegen bei Sturm nicht weg. Auch sie sind mit etwa mit 8 Zentimeter Substrat verfüllt, das sind etwa 15 bis 20 Kilo. Auf einem Quadratmeter hängen aber vier oder fünf Kistchen zusammen, also rund 90 Kilo auf einem Quadratmeter. Die Kistchen haben außerdem Überlaufstege, damit das Regenwasser abfließen kann.

Zieht eine Dachbegrünung Ratten oder Marder an?

Nein. Ratten sind auf der Dachbegrünung kein Thema, Marder leben lieber unter etwas.

Mit welchen Schädlingen muss man in der Dachbegrünung rechnen?

Bei Monokultur können Blattläuse auftreten, oder wenn gewisse Nützlinge ausfallen. Sobald sich aber ein Gleichgewicht einstellt, gibt es einen Kreislauf von Marienkäfern, Ohrenschläfern, Florfliegen usw. Die Nützlinge fressen dann die Blattläuse, die von den Ameisen gemolken werden. Rüsselkäfer gibt es durch die Substrate zum Beispiel gar nicht.

Gibt es Bepflanzungen, mit denen man Tauben abschrecken kann?

Begrünte Dächer sind für Tauben kein bevorzugter Ansiedlungsort. Tauben sind Kulturfolger, sie bewohnen Nischen und Gesimse.

Brauche ich bei der Pflanzenwahl einen Dachgärtner oder Begrüner?

Nicht unbedingt. Wichtig ist, dass man sich gut informiert. Der Verband der Dachbegrüner hält  Checklisten bereit. Für eine optimale Begrünung an einem bestimmten Standort empfiehlt sich ein Spezialist, der bei der Pflanzenwahl die Wind-, Wasser- und Besonnungssituation entsprechend berücksichtigt.

Share if you care.