Kennzeichnungspflicht für Klonfleisch

22. Juni 2009, 20:02
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Die EU-Agrarminister haben sich Montag darauf geeinigt, dass Klonfleisch - sollte es je in den Handel kommen - gekennzeichnet werden muss

Zwar sind keine Anträge in Sicht, besorgte Reaktionen aus Österreich kamen dennoch.

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Luxemburg - Schaf "Dolly" war 1996 erst der Anfang. Mittlerweile werden auf der ganzen Welt Säugetiere geklont. In Japan beispielsweise werden identische Rinder seit 1998 produziert - für Forschungszwecke. Über 550 Tiere kamen so zustande, aber nicht in den Handel. Das könnte sich mittelfristig ändern. Denn in dem asiatischen Land laufen ebenso wie in den USA Test und Studien über die gesundheitlichen Risiken.

In der EU baut man für etwaige Markteinführungen schon vor. Das Fleisch geklonter Tiere und deren Nachkommen muss künftig gekennzeichnet werden, haben die Landwirtschaftsminister der EU am Montag in Luxemburg im Rahmen einer "Novel Food"-Verordnung beschlossen. Darin wird auch der Marktzugang für exotische Früchte geregelt, die bisher noch nicht in der EU gehandelt werden, und der Umgang mit Lebensmitteln, die mit Nano-Technologie verändert wurden.

Die Kennzeichnungspflicht bedeutet aber noch nicht, dass damit Klonfleisch in die Supermärkte darf. Wie auch bei gentechnisch veränderten Pflanzen müssen Produzenten ein eigenes Zulassungsverfahren beantragen. Erst dann startet die EU-Lebensmittelbehörde Efsa wissenschaftliche Testreihen und gibt aufgrund der Ergebnisse der EU-Kommission eine Empfehlung. Über die Entscheidung der EU-Kommission müssen schließlich noch die Landwirtschaftsminister abstimmen.

Berlakovich: "Es muss draufstehen, was drin ist"

Das stehe aber nicht bevor, beruhigt man im Umweltministerium. Ressortchef Nikolaus Berlakovich (ÖVP) verteidigt die neue Verordnung. "Um eine bewusste Entscheidung beim Einkauf treffen zu können, muss auf der Packung auch draufstehen, was drin ist." Trotzdem löste der Vorstoß in Österreich Besorgnis aus: Die Grünen befürchten eine "Erosion genetischer Vielfalt" durch das Klonen, FPÖ-Vizebundesparteiobmann Norbert Hofer rief die Konsumenten zum Fleischverzicht auf.

Ebenfalls auf der Tagesordnung standen Schlachtvorschriften. Obwohl künftig Schutzvorschriften für Tiere zum Zeitpunkt des Tötens harmonisiert werden sollen und sich daraus eine Verbesserung in einigen EU-Staaten ergibt, wird das für Österreich keine Auswirkungen haben. Ein generelles Verbot der Schächtung - also des Ausblutens von Tieren ohne vorherige Betäubung - gibt es nicht, allerdings wird es jedem EU-Staat freigestellt, ein Verbot zu erlassen.

Auch über den Milchmarkt wurde in Luxemburg diskutiert. Knapp 4000 Bauern haben mit 400 Traktoren gegen den zuletzt deutlich gesunkenen Erzeugermilchpreis demonstriert. (mimo, spri, moe/DER STANDARD-Printausgabe, 23.6.2009)

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    Das Fleisch geklonter Tiere und deren Nachkommen muss künftig gekennzeichnet werden, haben die Landwirtschaftsminister der EU am Montag in Luxemburg im Rahmen einer "Novel Food"-Verordnung beschlossen.

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