Armin Wolf warnt vor "Prostitution mit journalistischen Mitteln"

22. Juni 2009, 20:00
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"ZiB 2"-Star vor FH-Absolventen über Kommerz-Journalismus, Kampagnen-Journalismus und Krawall-Journalismus - Die Rede im Wortlaut

Drei Formen von "K-Journalismus" identifizierte "ZiB"-Star Armin Wolf Montagabend beim Sponsionsfest der FH für Journalismus und Medienmanagement: "Kommerz-Journalismus ist als Journalismus verkleidete Anzeigen-Keilerei. Kampagnen-Journalismus ist als Journalismus verkleidete Politik."

Kampagne und Krawall

Kampagnen-Journalismus habe sich im EU-Wahlkampf "eindrucksvoll" gezeigt. Der „findet üblicherweise in Boulevard-Blättern statt und funktioniert ganz klassisch über den Appell an Ressentiments. Mit politischer Aufklärung hat Kampagnen-Journalismus nichts zu tun - es ist geradezu das Gegenteil davon." 

Der "ZiB 2"-Anchor identifiziert noch eine Sonderform von K-Journalismus: "Krawall-Journalismus": "Auch Boulevard, auch Ressentiment - aber da geht es nicht um Politik sondern um Auflagen-Maximierung mittels Marktschreierei. Leicht zu identifizieren übrigens durch die hochfrequente Verwendung der Wörter 'exklusiv' und 'Skandal'."

Prostitution mit journalistischen Mitteln

Kommerz-Journalismus definiert Wolf "höflich als verlängerte PR, weniger höflich als Prostitution mit journalistischen Mitteln. Das ist etwas, das sich als Journalismus ausgibt, dass aber in Wahrheit nur Inserenten oder Interessensgruppen befriedigen soll. Wenn ich zum Beispiel. den Wirtschaftsteil einer Tageszeitung aufschlage, die so heißt, wie ein Land, das wir alle gut kennen - und ich finde dort Riesenartikel darüber, dass eine Elektrokette ab sechs Uhr früh irgendwelche Sonderangebote verklopft - natürlich redaktionelle Artikel. Und zwei Seiten weiter finde ich, ganz zufällig, das Inserat der Elektrokette. Oder wenn in Lifestyle-Magazinen oder Beilagen vor allem über jene Produkte geschrieben wird, deren Hersteller auch inserieren. Oder wenn sich Ministerien mit großen Inseraten oder ganzen Zeitungsbeilagen wohlwollende Berichterstattung erkaufen können." Wolf findet auch: "In vielen Magazinen ist der Unterschied zwischen Journalismus und PR nicht mehr erkennbar."

Ethikdebatten nur in der Kantine

Kommerz-Journalismus sei ein echter Wachstumsbereich - "Verleger wollen und müssen ja Geld verdienen". Deshalb gebe es in diesem Bereich auch noch immer Jobs. Wolf warnt die FH-Absolventen: "Ich glaube aber, Sie sollten sich bevor Sie hauptberuflich im Journalismus loslegen, ganz grundsätzlich überlegen, ob Sie das wollen. 

Und wenn, dann sollten Sie sich bewusst dazu entschließen. Weil es Ihnen Spaß macht, weil es gut bezahlt ist, weil Sie ein interessantes Angebot haben. Aber es sollte Ihnen auch bewusst sein, dass Sie dann zwar etwas machen, was an der Oberfläche wie Journalismus aussieht, aber kein Journalismus ist, sondern redaktionelle PR. 

Da werden Sie ihr Handwerkszeug, das sie die letzten vier Jahre gelernt haben, gut einsetzen können - aber Debatten über hehre Ideale journalistischer Ethik werden Sie in der Kantine führen und nicht in der Redaktionskonferenz."

Wolfs einzige Bitte an jene Absolventen, die sich klar für einen Job in PR und Marketing entscheiden: "Bitte lügen sie nicht!".

  • Armin Wolf.
    foto: orf/schafler

    Armin Wolf.

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