Minderjährige Flüchtlinge als "Jugendliche zweiter Klasse"

22. Juni 2009, 19:52

Grüne fordern Erhöhung des Betreuungsbeitrages

Wien - Es könne nicht angehen, dass unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Wien wie "Jugendliche zweiter Klasse" behandelt würden, finden die Wiener Grünen und fordern erneut die Anhebung des Bundesbetreuungsrichtsatzes - derzeit maximal 75 Euro - auf den Tagsatz der Jugendwohlfahrt, der 135 Euro beträgt.

"Ich erwarte mir, dass Stadtrat Oxonitsch endlich diesen Differenzbetrag ausgleicht", sagt Grünen-Gemeinderätin Susanne Jerusalem, die im März im Gemeinderat einen diesbezüglichen Beschlussantrag gestellt hat. Bisher, so Jerusalem, habe es stets geheißen, dass eine Gesamtanhebung die Stadt 1,5 Millionen Euro kosten würde und dies derzeit im Budget nicht drinnen sei.

Laut Asylkoordination leben derzeit 102 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Wien, in ganz Österreich sind es per Stichtag 18. Mai 2009 insgesamt 710. Die Richtsätze aus der 15a-Vereinbarung zwischen dem Bund und den Ländern sind nach dem jeweiligen Betreuungsbedarf gestaffelt: von 37 bis maximal 75 Euro. Die Wiener Jugendwohlfahrt hat die Obsorge für unbegleitete Kinder und Jugendliche vor acht Jahren erst nach einem entsprechenden Urteil des Obersten Gerichtshofes übernommen.

Erhöhter Tagsatz

Wenn die Grundversorgung nicht ausreicht, um das Kindeswohl zu gewährleisten - etwa wenn psychiatrische oder pädagogische Unterstützung notwendig sind, werden die Tagsätze in diesen Fällen erhöht. "Drei unserer Jugendlichen erhalten von der MagElf einen Tagsatz von 101,56 Euro", sagt Otto Hollerwöger, der im Integrationshaus das Projekt "Caravan" leitet, eine Klientin habe das Geld sogar über das 18. Lebensjahr hinaus bewilligt bekommen. Ein Problem, so Hollerwöger, sei, dass die Tagsätze der Bundesbetreuung seit dem Jahr 2004 nicht mehr erhöht worden seien. Dies ginge vor allem zu Lasten der NGOs.

Aus dem Büro des zuständigen Stadtrates Christian Oxonitsch (SP) hieß es, man sei gerade dabei, ein bedarfsorientiertes Angebot für besonders traumatisierte jugendliche Flüchtlinge zu schaffen. Eine allgemeine Anhebung der Tagsätze sei derzeit nicht geplant.

Das Problem existiert nicht nur in Wien: Auch in Niederösterreich und im Burgenland kämpfe man mit dem aktuellen Tagsatz für die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, sagte Robert Öllinger, Leiter der Caritas-Ausländerhilfe, zum Standard: "Der Beitrag wurde seit 2004 nicht valorisiert und ist daher nicht mehr kostendeckend." Schließlich würden die Gehälter laufend steigen. Der maximale Kostenersatz liegt derzeit bei 60 Euro pro Betreutem. (Bettina Fernsebner-Kokert, Andrea Heigl/DER STANDARD-Printausgabe, 23.6.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 32
1 2
mstislav raskachlovitsch
00
1.800 Euro monatlich erscheinen....

mir auf jeden Fall viel zu heftig für einen einzigen (vermutlich) minderjährigen Flüchtling......das werden Mehrkind-Familien mit Sozialhilfe-Einkommen ganz bestimmt als puren Hohn betrachten, wenn sie demgegenüber ihre eigene Sozialhilfe betrachten!

haudi
04
27.6.2009, 12:21
jugendliche zweiter klasse

was soll da ein österreichischer lehrling (mit arbeitenden, aber armen eltern) im gemeindebau sagen, wenn er die kinder der grünpolitiker im nagelneuen mini (maturageschenk) vorbeifahren sieht?

neville
00
25.6.2009, 14:28

bin leider kein experte und die beträge sind auch nicht einheitlich, aber ich weiß grob, dass ein tag schubhaft (je nach bundesland) zwischen 50 und 150 euro kostet. bitte um bestätigung bzw korrektur von leuten, die es genauer wissen.

otobago
00
25.6.2009, 16:03
Ich kenne die genauen Zahlen leider auch nicht

habe aber in Erinnerung, dass wir da von einem Vielfachen der hier diskutierten Summen ausgehen können. Das Wachpersonal im Radldienst ist wesentlich teurer als das pädagogische unter denselben Bedingungen. Und der Personalschlüssel ist - die gesamte Verwaltung mit eingerechnet - im Häfen ein wesentlich besserer als in der sozialpädagogischen Betreuung.

Otto Hollerwöger
02
25.6.2009, 09:57
Klarstellung!

Das Projekt Caravan hat eine Bewilligung der Wiener Landesregierung zur Durchführung der "vollen Erziehung" als Jugendwohlfahrtsmaßnahme. Die Standards dafür sind um einiges höher als die der Grundversorgung für unbegleitete minderjährige AsylwerberInnen.
Das Projekt Caravan bietet diesen Standard allen untergebrachten Burschen und Mädchen. Dafür erhalten wir vom Fonds Soziales Wien im Rahmen der Grundversorgung die vorgesehenen 75,00.
Für einige, besonders betreuungsbedürftige Fälle bekommen wir vom Jugendamt (MAG ELF) eine Ergänzung auf den beinahe kostendeckenden Tagsatz von 101,56 (wie im Beitrag erwähnt).
Alle Aufwendungen, die durch diese Tagsätze nicht abgedeckt sind (ca. 25% unseres Budgets) deckt der Verein Integrationshaus.

Otto Hollerwöger
00
25.6.2009, 09:36
Klar- und Richtigstellung

Das Projekt Caravan hat eine Bewilligung der Wiener Landesregierung zur Durchführung der „vollen Erziehung“ als Jugendwohlfahrtsmaßnahme. Die Standards dafür sind um einiges höher als die der Grundversorgung für unbegleitete minderjährige AsylwerberInnen.

Das Projekt Caravan bietet diesen Standard allen untergebrachten Burschen und Mädchen. Dafür erhalten wir vom Fonds Soziales Wien im Rahmen der Grundversorgung die vorgesehenen 75,00.

Für einige, besonders betreuungsbedürftige Fälle bekommen wir vom Jugendamt (MAG ELF) eine Ergänzung auf den beinahe kostendeckenden Tagsatz von 101,56 (wie im Beitrag erwähnt).
Alle Aufwendungen, die durch diese Tagsätze nicht abgedeckt sind (ca. 25% unseres Budgets) deckt der Verein Integrationshaus.

RoGo
31
25.6.2009, 08:37
Und bevor ein obergescheiter Poster feststellt

dass das Schuljahr keine 12 Monate hat. Das stimmt, aber die Fixkosten für die Infrastruktur und das Personal inklusive die Lehrer fällt trotzdem an. Also ist der Vergleich zulässig, da ja auch bei der Flüchtlingsbetreuung nur von Durchschnittswerten ausgegangen wird.

RoGo
10
25.6.2009, 08:30
Noch ein Zusatz zum letzten Posting

Und für @otobago als Antwort zumidest zu 1),2),3) und 6):
Eliteschule St. Gilgen 33 Schüler 21(!!!!) Lehrer
Schulgeld pro Tag <110.- €

neville
01
25.6.2009, 14:09

...was wohl damit zu tun hat, dass man für ein wesentlich einfacheres klientel viel mehr geld bekommt. für UMFs brauchen sie fremdsparchenkenntnisse, wissen über die verschiedenen kulturen, sie haben oft mit erheblichen anreinerprotesten und mit schwerwiegend traumatisierten kindern und jugendlichen zu tun. im fall von selbst- oder fremdgefährdung ist es fast unmöglich die leute in ein krankenhaus einzuweisen, weil sie niemand haben möchte, wenn es also blöd hergeht, dann finden in ihrer einrichtung unter ihrer verantwortung auch demenstprechen häufig suizide oder suizidversuche statt. die arbeit ist generell belastend, oft perspektivenlos, nicht sehr angesehen und die teamfluktuation ist hoch. viel glück!

neville
01
25.6.2009, 14:00

was hat das eine mit dem anderen zu tun? es hat wohl keine schule die verantwortung der obsorge für ihre schüler, keine schule muss ihre schüler einkleiden und durchfüttern, etc.
klar, ich finde es auch fragwürdig, dass es solche tagsätze braucht, damit sich in unserer gesellschaft jemand der menschen annimmt. es steht ihnen jederzeit frei ein konzept mit von ihnen als angemessen erachteten tagsätzen einzureichen und 8 oder 16 unbegleitete minderjährige fremde bei sich oder auf einem angemieteten grundstück adäquat unterzubringen und die verantwortung zu übernehmen, die mit der vollmacht über pflege und erziehung einhergeht. die jugendwohlfarth wäre vor entzückung ganz aus dem häuschen. komischerweiße reisst sich nämlich niemand darum...

otobago
00
25.6.2009, 12:06
...und wieviele Nachtdienste machen diese Lehrer pro Monat?

Wie gesagt: keine Ahnung!

RoGo
33
25.6.2009, 08:25
Eigentlich haben alle Postings gegen meine Meinung meine Aussagen nur noch mehr bestätigt

Sobald auf die Töpfe der öffentlichen Hand zugegriffen werden kann darf es kosten was es will. Für die die mich nicht verstehen können ein plakatives Beispiel.
Die teuerste Privatschule (siehe http://derstandard.at/124567004... lfgangsee) in Österreich verlangt 40.000 € pro Schuljahr Schulgeld pro Kind und finanziert sich damit selbst. Und damit meine ich wirklich alles selbst, inklusive teurem Lehrpersonal. Und eigentlich müssten mir alle Recht geben, dass wir hier von ablsolutem Luxus sprechen. Dennoch sind die zu bezahlenden Tagsätze pro Schüler unter 110 € pro Tag. Lesen sie einmal nach was dort an Leistungen geboten wird, ist im Umfang (Pädagogen, Sprachen, Betreuungsangebot usw.) durchaus vergleichbar!!!!

otobago
02
25.6.2009, 10:04
Natürlich sind Äpfel und Birnen

"durchaus vergleichbar". Wenn man von dem einen UND dem anderen keine Ahnung hat, dann geht das sogar besonders gut.

otobago
21
24.6.2009, 23:10
Für alle, die sich über diese Tagsätze wundern

und sie mit dem Geld vergleichen, das sie für ihre Kinder zur Verfühung haben:
1) Niemand von diesen Leuten kümmert sich um 20 Jugendliche gleichzeitig!
2) Niemand stellt 9 Vollzeit-SozialpädagogInnen an, um diese 20 Jugendlichen runf um die Uhr betreuen zu können.
3) Neben der Qualifikation als SozialpädagogInnen (SozialarbeiterInnen, PsychologInnen...) werden in den Teams für unbegleitete minderjährige AsylwerberInnen oft bis zu 5 und mehr Sprachen - pro person! - gesprochen, meist ohne Lohnzuschlag.
3) Neben der häufig erwähnten Tatsache der psychischen Traumatisierung als Quelle für erhöhten Betreuungsbedarf sind schwere, oft lebensbedrohliche Krankheiten eine "normale" Begleiterscheinung.

otobago
30
24.6.2009, 23:14
jetzt komme cih zu

5) Wer kann mir erklären, wie man einen 17-jährigen Afghanen erklärt, wie man mit "familiärem Mittelmeerfieber" alt werden und Kinder kriegen kann?
6) Für 20 Leute muss neben der Betreuung, Miete, Heizung, Strom, Essen, Kleidung, Schulbedarf, Dolmetschleistungen, Freizeitgestaltung etc finanziert werden...
7) Wer weiß, wieviel ein Tag in der Schubhaft kostet?

politint
23
24.6.2009, 21:17
Betreuungskosten

Kann mit bitte jemand vorrechnen wie sich diese geforderten aber auch beanspruchten Kosten für die Volkswirtschaft je amortisieren sollen. Ich bin als Steuerzahlen eigentlich nicht daran interessiert ein Fall ohne Boden zu finanzieren.

otobago
21
24.6.2009, 23:35
Minderjährige Flüchtlinge

sind in der Regel hochmotiviert, extrem leistungsbereit, bildungshungrig, äußerst flexibel und häufig sehr begabt.
Wenn in ihre psychische Stabilität investiert und ihr Bildungshunger gestillt wird, sind sie ein enormes Humankapital. das zurzeit in aller Regel vom österreichischen "Sicherheitswahn" in den "sozialen Mülleimer" befördert wird...

RoGo
28
24.6.2009, 14:48
Ich wäre schon froh wenn mir jemand für meine zwei Kinder

im Monat 2200 bis 4500 Euro netto für Essen, Gewand, Schulgeld usw. zukommen lassen würde. Aber natürlich wären 8.100(!!!!) Euro im Monat noch viel besser.

Ich verdiene glaublich nicht so schlecht, aber mir stehen inkl. Familienbeihilfe für meine Frau, meine beiden Kinder und mich "nur" 3.000 Euro netto zur Verfügung. Damit muss ich (und kann ich auch problemlos!) sämtliche Kosten abdecken. Wenn ich umgerechnet mit 25 Euro pro Person und Tag ein nicht schlechtes Leben führen kann, warum zum Teufel fordern die Grünen dann das 5,4-fache für die Betreuung von jugendlichen Flüchtlingen????? So gesehen müssten sich meine Kinder ja fünftklassig fühlen!!!

otobago
01
24.6.2009, 23:40
Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

haben definitionsgemäß KEINE ELTERN, die sich um sie kümmern würden. Sollten Sie jedoch eine/n davon adoptieren wollen, würden sich bei dieser/m die Kosten für die öffentliche Hand drastisch senken lassen.

noxund klachl
12
24.6.2009, 19:00
Oje,

Sie haben das Prinzip der Jugendwohlfahrt nicht verstanden! "Warum zum Teufel" lesen Sie es nicht irgendwo nach

neville
11
24.6.2009, 15:47

man muss die forderung der grünen unter dem aspekt sehen, dass sie lediglich eine gleichstellung wünschen und es wird wohl auch die weisheit "viel fordern um zumindest ein bischen zu erreichen" befolgt.

nebenbei bemerkt: vergleichen sie mal einrichtungen, welche mit tagsätzen von 35, 70, 120 und 180 Euro arbeiten (letztere 2 gibt es ohnehin nur für österreichische minderjährige). dann beantworten sie sich die frage, welches heim sie ihren kindern wünschen würden, falls ihrer frau und ihnen etwas zustoßen würde (gott bewahre!). wie gesagt, der größte kostenfaktor (bis zu 80 %) sind personalkosten, wie soll man die einsparen? ihrem posting entnehme ich, dass sie wesentlich mehr verdienen als jeder sozialpädagoge.

Rasputins Witwe
46
23.6.2009, 22:21
Es geht um viel Geld

Es ist daher verständlich, dass die in diesem Bereich Tätigen für besonders grosszügige Alterschätzungen plädieren.
Jeder angeblich minderjährige Asylwerber, der nach festgestellter Volljährigkeit in das sichere Drittland zurückgeschoben wird, aus dem er nach Österreich eingereist ist, kostet 1-1,5 Vollzeitarbeitsplätze im Asylbereich.

otobago
00
24.6.2009, 23:43
Werden sie einer von "den in diesem Bereich Tätigen"!

Ich teile meinen Reichtum gerne mit Ihnen!

noxund klachl
23
24.6.2009, 00:55
wo soll hier der Zusammenhang sein?

Abgesehen davon, dass Sie wahrscheinlich phantasieren (oder können Sie irgendwie Ihre "1 - 1,5 Vollzeitsarbeitsplätze" belegen?):
Hier geht's nirgends um "angebliche" Minderjährige, sondern um die Tatsache, dass in Österreich die (menschen)rechtliche Verpflichtung zum Schutz von Kindern (ungeachtet von Herkunft und Religion, also "rassismusfrei") besteht. Was im Artikel kritisiert wird - die Behandlung von jugendlichen Asylwerbern als Menschen 2.Klasse- ist erstens eine "alte" Forderung und eine von vielen, die Sie z.B. hier nachlesen können (bes. Punkt 8):
http://www.kinderhabenrechte.at/fileadmin... ericht.pdf

georgum
215
23.6.2009, 13:47
Nochmal da es zuerst länger als 40 minuten gedauert hat und noch immer kein Post.

Ein betreuter jugendl. Flüchtling soll bis zu € 135.- kosten?
Kann das bitte jemand aufschlüsseln der Ahnung von der Materie hat?
Bei dem angepeilten maximalen Tagsatz wären das im M. € 4050.- für die Betreuung EINES Menschen.
Auch wenn der oder diejenige Zuwendung braucht ist das doch viel zu viel Geld.
Alleine in A gibt es viele FAMILIEN, und keine einzelnen Personen, die mit weit weniger pro Monat auskommen müssen. Diese Beträge implizieren meiner Meinung nach nur eines, da bereichern sich verschiedenste Organisationen auf Kosten der Steuerzahler.
Bei 102 betreuten Judendlichen wäre das ein maximaler Betrag von € 413.000.- per Monat.
Wie wäre es, den jugendlichen einen Aufenthalt in einem Magic Life Club zu zahlen ?
Kommt billiger.

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