Nobelpreisträger im Interview

"Klimawandel schlimmer als Krise"

22. Juni 2009, 18:44
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    foto: christian fischer

    Weniger Fleisch zu essen kann helfen, den Klimawandel zu entschleunigen: der Vorsitzende des UN-Klimarats Rajendra Pachauri.

Der Vorsitzende des UN-Klimarates, Rajendra Pachauri, plädiert für eine Änderung des Lebensstils

Der Vorsitzende des UN-Klimarates, Nobelpreisträger Rajendra Pachauri, plädiert für eine Änderung des Lebensstils. Nur so könne dem drohenden Klimakollaps vorgebeugt werden. Die Fragen stellte Günther Strobl.

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STANDARD: Es ist regnerisch, kalt - und das mitten im Sommer. Viele fragen, wo ist die Klimaerwärmung?

Pachauri: Klimawandel heißt nicht, dass wir es immer und überall wärmer haben. Das System ist gestört, Extremsituationen häufen sich. Es gibt mehr Dürren, mehr Überschwemmungen, in hohen Lagen viel mehr Schnee. Der langfristige Trend zeigt, dass die Stabilität des Klimasystems angegriffen ist.

STANDARD: Es gibt Wissenschafter, die behaupten, alles sei normal, alles schon dagewesen. Handeln diese Personen verantwortungslos?

Pachauri: Die haben ihre eigenen Meinungen, Ansichten, Einschätzungen. Das ist legitim. Allerdings nimmt die Zahl der Skeptiker rapid ab. Der Großteil der Wissenschafter ist inzwischen überzeugt, dass es den Klimawandel gibt.

STANDARD: Wann haben Sie erkannt, dass sich das Klima ändert?

Pachauri: 1988. Da wusste ich, der Klimawandel wird ein großes Problem. Nehmen wir die Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre: Vor der Industrialisierung waren es 280 ppm (pars pro million, Anm.). Jetzt sind es 386 ppm. Der Zusammenhang mit der Klimaveränderung ist evident.

STANDARD: Ist die Wirtschaftskrise ein Glücksfall für das Klima?

Pachauri: Es gibt einen leichten Rückgang bei den Emissionen, das stimmt, heißt aber nichts. Die Wirtschaft fährt seit etwa einem Jahr im Rückwärtsgang, der ökologische Abschwung aber geht jetzt schon über Jahrzehnte. Wir müssen akzeptieren, dass wir den Klimawandel beeinflussen.

STANDARD: Die Krise schadet dem sozialen Frieden?

Pachauri: Ja. Aber der Klimawandel ist schlimmer und gefährlicher als die derzeitige Wirtschaftskrise. Jede Region auf der Welt ist davon betroffen. Wenn sich nichts ändert, sind Stabilität und Frieden in höchstem Maße gefährdet.

STANDARD: Mehr als 1,6 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu Strom. Könnte grüne Energie die Lösung sein?

Pachauri: Vorausgesetzt, sie wird von den entwickelten Ländern finanziert. Kopenhagen wird die Nagelprobe werden. Wenn man haben will, dass die in den Entwicklungsländern benötigte Energie aus sauberen Quellen kommt, braucht es Finanzierungszusagen.

STANDARD: Was, wenn im Dezember in Kopenhagen kein neues Klimaabkommen zustande kommt?

Pachauri: Dann wird es ein paar Monate später einen neuen Anlauf geben, ja geben müssen. Ohne neuen Klimavertrag geht es nicht. Das ist inzwischen common sense.

STANDARD: E-Mobilität - ist das der richtige Weg?

Pachauri: Das ist eine der Lösungen, nicht die einzige. Menschen werden auf Mobilität nicht verzichten wollen. Es wird folglich mehr und bessere Angebote beim öffentlichen Verkehr geben müssen, mehr effiziente Autos, auch ein nachhaltiges Angebot von Energie, um Menschen und Güter zu bewegen.

STANDARD: Müssen die Menschen auch ihren Lebensstil ändern?

Pachauri: Ganz gewiss. Die heutige Art zu leben ist alles andere als umweltverträglich. Das heißt aber nicht, alle wir alle schönen Sachen aufgeben müssen. Kleinere Änderungen im Alltagsablauf genügen schon.

STANDARD: Zum Beispiel?

Pachauri: Wir sollten weniger Fleisch essen, weil der Fleischzyklus sehr intensiv ist. Man produziert Fleisch etwa in Brasilien, exportiert es nach Europa, Japan und anderswohin. All das braucht enorme Mengen an Kühlung, an Land, an Tierfutter. Mit einer kleinen Veränderung im Lebensstil, der nicht schmerzen muss, kann man schon viel bewirken. (DER STANDARD, Printausgabe, 23.6.2009)

Zur Person

Rajendra Pachauri (68) iat seit 2002 Vorsitzender des UN-Weltklimarats (IPCC). Nach dem Studium in den USA kehrte der in Norden Indiens geborene Pachauri auf den Subkontinent zurück und übernahm 1981 den Vorsitz des renommierten Instituts für Energie und Ressourcen (Teri) in Neu-Dheli. 2006 erhielt Pachauri zusammen mit Al Gore dne Friedensnobelpreis. Pachauri nahm an einer Energiekonferenz in Wien teil.

Klaus Ermecke
 
11
30.6.2009, 15:52
Nobelpreisträger und CO2

Nicht Pachauri hat einen Nobelpreis bekommen, sondern das IPCC.

Pachauri behauptet einen "vorindustriellen" CO2-Anteil der Atmosphäre von 280 ppmv. Das ist eine plumpe Lüge, gestützt auf CO2-Messungen an Eiskernen, von denen man weiß, daß sie methodisch fragwürdig sind. Zugleich werden Hunderte ältere Meßstudien, die viel höhere Werte ergeben hatten, unter dem Teppich gehalten, weil ihre Ergebnisse das ideologisch gewünschte Denkschema zum Einsturz bringen würden. (s. Aufsätze von Ernst Beck, Segalstadt, Jaworowski).

Am Ende der letzen Eiszeit (vor 10.000 Jahren) stieg lt. IPCC der CO2-Gehalt von 180 auf 265 ppmv. Die Analyse fossiler Blätter aus dieser Epoche ergab dagegen einen Anstieg von 260 auf 348 ppmv. (F. Wagner et al.)

wahrheiten
20
29.6.2009, 09:38
Umdenken und Verhalten ändern

Der Mann hat recht, wir müssen unsere Lebensweise dramatisch ändern, der Kampf um Land hat ja schon begonnen. China pachtet Land in Afrika auf 100 Jahre um dort Rohstoffe für die Nahrungsmittelindustrie zu bekommen. Es ist eine gute Frage, ob sie das überhaupt mal dürfen, aber leider ist in Afrika die Korruptionsrate sehr hoch, aber der Westen unterstützt ja solche Regime auch nur nicht offiziell.

Ich finde, wenn man sich um das Klima und die Natur Gedanken macht, sollte man die soziale Gerechtigkeit ins Zentrum der Diskussion stellen. Kann man einem Bauern in einem dritten Welt Land einen Vorwurf machen, wenn er Wald rodet um zu überleben? Oder wenn Sie die Umwelt verschmutzen. Ich denke nicht!

ela vie
20
24.6.2009, 11:29
was nützt der schönste klimavertrag

wenn ihn keiner einhält bzw. die menschheit immer hinten nach hängt ? und dann bricht mal wieder ein vulkan aus und das ganze errechnete gefüge ist auf jahre völlig zerstört und daneben...

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