Warum Khamenei Ahmadi-Nejad so sehr schätzt

22. Juni 2009, 18:50
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Erste systematische Untersuchung über das Büro Khameneis wird veröffentlicht

Alle Experten warten gespannt auf das neue Buch von Mehdi Khalaji (The Washington Institute) - denn es wird die erste systematische Untersuchung des Büros des religiösen Führers (Rahbar, so der Name des Führers in Farsi) sein und der Strukturen seiner Organisation: mit einem Wort, der Zelle der Macht im Iran. Man wisse nicht viel mehr, stellten internationale Iran-Experten bei einer Konferenz in Wien fest, als dass es ein riesiger Apparat sei, mit Ablegern in allen iranischen Institutionen, von den Ministerien bis in die Universitäten und in alle Provinzen. Das Büro des Rahbar hat aber auch Repräsentationen im Ausland, übrigens auch in Wien.

Es ist eine sehr hermetische Organisation, wer dort welche Rolle spielt, weiß niemand so recht. Auch physisch kommen nur wenige heran: Lediglich ausgewählte Personen dürfen das Beit-e Rahbar betreten, als Journalist etwa, der nicht der iranischen gelenkten Medienwelt angehört, hätte man nie eine Chance.

Ungeklärt ist auch, was Khamenei - der die Position nach dem Tod Khomeinis im Jahr 1989 übernommen hat - so eng an Präsident Ahmadi-Nejad bindet. In seiner Rede am Freitag tadelte er diesen zwar für seine Angriffe auf Expräsident Ali Akbar Hashemi Rafsanjani und Exparlamentspräsident Ali Akbar Nategh-Nuri, er sagte aber auch ausdrücklich, dass Ahmadi-Nejads Positionen den eigenen näher stünden.

Schwierige zwanzig Jahre

Ein Experte bei der Iran-Konferenz der Landesverteidigungsakademie und des Kreisky-Forums (die nach Chatham-House-Regeln ablief, weswegen nicht namentlich zitiert werden darf) suchte Gründe für Khameneis Begeisterung für Ahmadi-Nejad in dessen eigener Geschichte als Rahbar. Als Khamenei 1989 übernahm, hatte er mit einer Krise der eigenen Legitimität zu kämpfen (die ja im Grunde bis heute nicht abgeschlossen ist), weil er die Kriterien als "oberster Rechtsgelehrter" des Landes nicht erfüllte. Einige im Klerus wollten ihm ja nicht einmal den Titel "Großayatollah" zugestehen.

Daneben hatte er sich mit dem mächtigen Präsidenten Rafsanjani auseinanderzusetzen, und als er 1997 auf einen "netten" Präsidenten setzte, kam mit Mohammed Khatami die herausfordernde Reformbewegung zum Vorschein. Ahmadi-Nejad mag für uns "schwierig" sein, so der Experte, für Khamenei sei er bisher sein einfachster Präsident. (guha/DER STANDARD, Printausgabe, 23.6.2009)

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