Urprimatenhirn stellt Wissenschaft vor ein Rätsel

22. Juni 2009, 23:00
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Ignacius graybullianus hatte etwa die Größe eines Hamsters - und ein Fingerhut-großes Gehirn

Washington - Es ist vor allem die Größe unseres Hirns, die uns von anderen Primaten - und die Proimaten wiederum von anderen Säugetieren - unterscheidet. Das war allerdings nicht immer so, wie die Analyse eines 54 Millionen Jahre alten Urprimaten zeigt, die heute im US-Fachblatt "PNAS" vorgestellt wird.

Der Urprimat namens Ignacius graybullianus hat mit unserer geläufigen Vorstellung von Affen wenig zu tun: Er hatte etwa die Größe eines Hamsters und wog rund 150 Gramm. Das Vorläuferäffchen ist auch kein direkter Vorfahr des Menschen, sondern gehört im Primatenstammbaum eher einem frühen Seitentrieb an.

Das Rätselhafte am rund vier Zentimeter langen Schädel mit dem Fingerhut-großen Gehirn: Dessen Größe unterschreitet die der heutigen kleinsten Primaten bei weitem, obwohl er ein Baumbewohner war und sich hauptsächlich von Obst ernährte - was man bisher als wichtige Faktoren der Hirnevolution ansah.

Zudem zeigt die Analyse, dass sich der Urprimat hauptsächlich auf seine Nase verließ. Die Augen spielten noch keine dominante Rolle. Möglicherweise, so vermuten die US-Paläontologen, wuchs das Gehirn im Rahmen jener Entwicklung, bei der das Sehvermögen den Geruchssinn als wichtigste Wahrnehmungsquelle verdrängte. (DER STANDARD, Printausgabe, 23. 6. 2009)

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