Unabwendbare Sintfluten

22. Juni 2009, 23:00
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Drei neue Klimawandel-Studien verheißen gar nichts Gutes für unsere ferne Zukunft

Washington/London - Betroffen vom "Land unter" wären praktisch die gesamten Niederlande. Und die Adria würde sich rund 150 Kilometer die Po-Ebene hinauf ausbreiten - wenn der Meeresspiegel um 25 Meter steigen würde. Wann dieses apokalyptische Szenario genau eintreten wird, kann niemand sagen. Doch es dürfte langfristig unabwendbar sein, behauptet nun ein deutsch-britisches Forscherteam in der Fachzeitschrift "Nature Geoscience" (online vorab).

Für ihre Untersuchung haben die Klimaforscher die Veränderungen der Meeresspiegel der vergangenen 520.000 Jahre analysiert und diese in Beziehung zum Kohlendioxid-Gehalt der Luft gesetzt. Bei der Analyse der letzten fünf Eiszeiten und den dazwischen liegenden Warmphasen zeigte sich, dass es zu extremen Änderungen des Meeresspiegels kam.

Diese Veränderungen folgten jeweils mit einer Verspätung von mehreren Jahrhunderten bzw. Jahrtausenden auf die hohen Treibhausgaskonzentrationen in der Luft. Mit anderen Worten: Selbst wenn die Menschen es schaffen sollten, ihren CO2-Ausstoß zu stabilisieren, scheint ein langfristiger Anstieg des Meeresspiegels um bis zu 25 Metern unabwendbar. Ein schwacher Trost: Bis 2100 soll sich der Anstieg nach kürzlich veröffentlichten Studien "nur" zwischen 1,3 und 2 Metern bewegen.

Wie dramatisch hoch der C02-Gehalt in der Atmosphäre heute schon ist, zeigen Klimaforscher in aktuellen Ausgabe des US-Wissenschaftmagazins "Science": Die Wissenschafter um Bärbel Hönisch rekonstruierten den atmosphärischen Anteil des Treibhausgases für die letzten 2,1 Millionen Jahre und fanden heraus, dass er heute mit 385 ppm um 38 Prozent höher ist als im Durchschnitt für den gesamten Untersuchungszeitraum .

Es ist freilich nicht allein das Kohlendioxid, das die Erde aufheizt, wie US-Forscher heute im Wissenschaftsmagazin "PNAS" berichten: Sie lenken die Aufmerksamkeit auf die Auswirkungen teilhalogenierter Fluorchlorkohlenwasserstoffe (H-FCKWs), die heute als umweltfreundlichere Alternative zu den FCKWs eingesetzt werden, da sie die Ozonschicht weniger in Mitleidenschaft ziehen.

Was man allerdings nicht bedachte: Als Treibhausgase sind H-FCKWs besonders wirksam. Bis 2050 könnte ihr Anteil an der Erderwärmung 7 bis 12 Prozent des CO2 -Anteils betragen. (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Printausgabe, 23. 6. 2009)

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    Schlechte Aussichten nicht nur für Eisbären: Langfristig droht ein Anstieg des Meeresspiegels um bis zu 25 Meter.

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