Lkw-Fahrer "ausgepresst wiedie Zitronen"

22. Juni 2009, 17:40
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Salzburg - Norbert van Holt hat genug von der Speditionsbranche: Bei seinem letzten Arbeitgeber, der Salzburger Firma Transconti, habe er für zwei Monate Lkw-Fahren gerade einmal 450 Euro gesehen, berichtete der deutsche Kraftfahrer am Montag in einer Pressekonferenz der Verkehrsgewerkschaft Vida. Er sei über eine tschechische Tochterfirma angestellt gewesen, deren Unternehmenssitz sich als Firmenschild auf einem Abbruchhaus in Brünn herausgestellt habe - van Holt war in Tschechien nie angemeldet oder versichert.

Dabei habe er in seinen besten Zeiten als Lkw-Fahrer bis zu 3300 Euro netto monatlich verdient - indem er auf Druck der Firma gegen sämtliche Arbeitszeitregeln verstieß und bis zu 100 Stunden am Stück hinter dem Steuer saß.

Solche Transporte mit übermüdeten Lenkern seien "rollende Bomben", sagt Salzburgs Vida-Vorsitzender Walter Androschin, die Fahrer würden "ausgepresst wie die Zitronen". Bei Transconti selbst war niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Das Unternehmen sei ein "Extrembeispiel" und schon in mehrere arbeitsrechtliche Prozesse verwickelt, sagt Androschin. Allerdings würden "80 Prozent der Firmen auf die eine oder andere Art tricksen", etwa mit Manipulationen an den digitalen Fahrtenschreibern oder mit falschen Urlaubsscheinen.

Diese Aussage empört wiederum die Salzburger Wirtschaftskammer. "Rundumschläge nach Art der Sippenhaftung" seien jenen Unternehmen gegenüber unfair, die sich an die Spielregeln hielten, sagte Robert Soder, Spartengeschäftsführer für Transport und Verkehr, zum Standard.

Man bekenne sich aber dazu, Verstöße von "schwarzen Schafen" zu ahnden. (pehe, DER STANDARD, Printausgabe, 23.6.2009)

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