"Unbeugsam": Der Geheimagent in den Wäldern

23. Juni 2009, 12:20
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Hollywood-Geschichtskino mit thesenhaften Helden: "Unbeugsam" von Edward Zwick, jetzt im Kino

Wien - Das "neue Jerusalem" , von dem in der jüdischen Prophetie die Rede ist, wird auf einem Berg liegen, weithin sichtbar, ein Zeichen des Triumphes nach den Wechselfällen der Geschichte. In den Zeiten der Not muss das neue Jerusalem sich aber auch manchmal verstecken. In dem Film Unbeugsam - Defiance von Edward Zwick liegt es im tiefen Wald zwischen hohen Bäumen, unauffindbar für die Spürhunde der deutschen Besatzer weit im Osten Polens.

In einer Zeit während des Zweiten Weltkriegs, in der die deutsche und die sowjetische Armee um dieses Territorium kämpften, flüchteten Juden in den Wald und errichteten unter notdürftigsten Bedingungen doch nichts weniger als eine kleine Siedlung. Man teilte das Essen, es gab Unterricht für die Kinder, Gottesdienste für alle Religiösen, man diskutierte, wie man sich gegenüber den sowjetischen Partisanen und den polnischen Kollaborateuren zu verhalten habe, und die Antwort auf jede dieser Fragen hatte eine praktische und eine prinzipielle Dimension.

Defiance erzählt auf recht altmodische Weise in getönten Bildern von den Brüdern Bielski, die aus einem jüdischen Ghetto ausbrachen und sich und ihre Bundesgenossenschaft nicht "wie Schafe" zur Schlachtbank führen ließen.

Held eines neuen Exodus

Alles, was sie tun, bezieht sich auch auf das "big picture" einer Tradition, die nicht nur beim Versteck im Wald an die Stadtmauern von Jerusalem denken, sondern auch einen Anführer wie Tuvia Bielksi als Moses-Figur erscheinen lässt, als Held eines neuen Exodus. Moses Bielski (gespielt von Daniel Craig, bekannt als aktueller Darsteller von James Bond), Geheimagent seiner Majestät, des Gottes Abrahams und Jakobs. Dass es sich bei Tuvia Bielski um eine in der polnischen nationalen Geschichtsschreibung sehr kontroverse Figur handelt, liegt auf der nächstspezifischeren Ebene und wird einen Hollywood-Film nicht mehr im Detail kümmern. Edward Zwick setzt nämlich ganz deutlich dort an, wo Spielberg mit Schindlers Liste die Norm für ein bestimmtes Geschichtskino gesetzt hat.

Die Konkretheit, mit der sich dieses Kino manch physisches Detail ausmalt, ist nur die Kehrseite der Thesenhaftigkeit, mit der hier Heldentum und Schwäche, Gewalt und Klugheit gegeneinandergehalten werden. Liev Schreiber, der den draufgängerischen Bruder von Tuvia Bielski spielt, vertritt die niederen Instinkte eines Publikums, von dem auch Zwick annimmt, dass es sich nur deswegen zivilisierter verhalten mag, weil letztendlich dann doch der größere Star die größere Autorität ist. (Bert Rebhandl, DER STANDARD/Printausgabe 23.6.2009)

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    Daniel Craig ist als Tuvia Bielski "Unbeugsam".

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