450 Euro Lohn für zwei Monate Lkw-Fahren

22. Juni 2009, 19:09
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Mit dem Schicksal zweier Lkw-Lenker versucht die Gewerkschaft auf den "Wahnsinn in der Straßentransportwirtschaft" aufmerksam zu machen

Salzburg - Mit dem Schicksal zweier Lkw-Lenker versuchte die Gewerkschaft vida am Montag in Salzburg auf den "Wahnsinn in der Straßentransportwirtschaft" aufmerksam zu machen. Ein Fahrer war beim tschechischen Tochterunternehmen der Salzburger Spedition "Transconti" beschäftigt. Er hat laut eigenen Angaben für die zwei Monate Arbeit 450 Euro erhalten, ein anderer Lenker bei Transconti hat seit Februar überhaupt kein Geld mehr gesehen.

Norbert Jürgen van Holt hatte sich beim Unternehmen beworben, aus Kostenersparnis habe man ihm einen Vertrag mit dem tschechischen Tochterunternehmen TIR angeboten, berichtete er bei einem Pressegespräch. Das böse Erwachen kam, als er in eine Kontrolle geriet: Sein Fahrzeug war nicht versichert. Die 300 Euro Strafe musste er selbst zahlen. Da es immer wieder Probleme gab, beendete er die Tätigkeit nach zwei Monaten, 450 Euro hat er bisher dafür bekommen, und auch das nur, nachdem er angedroht hatte, den Lkw auf dem Weg von Spanien nach Deutschland einfach abzustellen.

Türschild als Firmensitz

Van Holts Anwalt bemüht sich seither, das ausstehende Geld einzufordern. Doch der Firmensitz in Brünn besteht nur aus einem Türschild auf einem Abbruchhaus. "Es ist schwierig, irgendwas rauszufinden." Er sei im Monat 21.000 Kilometer gefahren. Auf seine Frage nach Bezahlung habe es geheißen, es werde noch etwas dauern, weil die Kunden wegen der Krise verspätet zahlen.

Zivomir Mijailovic war sechs Jahre bei Transconti. Er habe sein Geld immer pünktlich bekommen, erst ab Februar gab es Probleme. Er bekam noch einmal 900 Euro Vorschuss und seither nie wieder einen Cent, berichtete vida-Landesvorsitzender Walter Androschin. Am vergangenen Samstag stellte der Lenker sein Fahrzeug ab und trat vorzeitig aus der Firma aus. Die Überprüfungen der Gewerkschaft ergaben, dass der Mann die ganze Zeit nur für die reine Fahrzeit bezahlt worden war, für Lade- und Stehzeiten aber nichts bekam.

Schwarze Schafe

"Wir fordern die Wirtschaftskammer auf, endlich dafür zu sorgen, dass diese Schwarzen Schafe beseitigt werden", sagte Androschin. Denn die heute aufgezeigten Schicksale seien keine Einzelfälle. Es würden aber auch einige Transportbetriebe zeigen, dass es durchaus möglich ist, seine Fahrer nach gültigem Kollektivvertrag zu bezahlen.

Der Obmann des Fachverbandes Güterbeförderung in der Wirtschaftskammer, Wolfgang Herzer, zeigte sich empört über das Vorgehen dieses "Schwarzen Schafes" in der Branche. "Wir wurden über den Fall informiert und finden das Verhalten gegenüber den beiden Lkw-Lenkern gelinde gesagt eine Sauerei. Wer so handelt, schadet nicht nur den betroffenen Personen, sondern beschädigt auch das Image der gesamten Branche", so Herzer in einer Aussendung.

Der Obmann kündigte an, die Angelegenheit gemeinsam mit der Gewerkschaft aufzuklären und "alle notwendigen Schritte zu setzen". Er erinnerte in diesem Zusammenhang an das mit der Gewerkschaft ausgearbeitete Papier "Wege aus der Wirtschaftskrise", das eine ausdrückliche Verurteilung unlauterer Maßnahmen enthält. "Die Transporteure stehen unter großen wirtschaftlichen Druck. Wir sind aber gerade deshalb sehr darum bemüht, dass der großen Mehrheit unserer Mitglieder, die sich an die bestehenden Vorschriften halten, keine ruinöse Schmutzkonkurrenz erwächst, die mit unsauberen Mitteln arbeitet". (APA)

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