Über den Wolken fern der Realität

22. Juni 2009, 15:36
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SkyEurope will nach eigenem Bekunden noch billiger werden. Ob das die Fluglinie retten kann, ist mehr als fraglich - Von Regina Bruckner

Die Billigfluglinie SkyEurope hat am Montag in der Slowakei Insolvenz für ihre operativ tätige Tochter angemeldet. Die Pleite kam nicht überraschend. Seit Monaten ist die Airline mit Basis Bratislava auf der Suche nach frischem Geld und erwirkt einen Zahlungsaufschub nach dem anderen für fällige Darlehen von Großaktionär York. In Turbulenzen geriet der Carrier schon vor der zweiten großen Krisenwelle im Herbst. An ihrem Geschäftsmodell scheinen die Kapitäne des Unternehmens, das seit seiner Gründung 2001 noch nie Gewinne geschrieben hat, dennoch nicht zu zweifeln.

Selbst die Tatsache, dass Wirtschaftsprüfer KPMG das Plazet für den Jahresabschluss des vergangenen Geschäftsjahres "aufgrund der vom Vorstand ungerechtfertigt angenommenen Unternehmensfortführung" verweigerte, lässt die Chefetage unbeirrt. Man wolle unter dem Gläubigerschutz weiterfliegen und dabei alle Destinationen unverändert bedienen, sagt Finanzvorstand Nick Manoudakis. Das Geschäftsmodell eines Billigfliegers bleibe, SkyEurope werde eher "noch billiger".

Ob das die Airline retten kann, scheint mehr als fraglich. Für manch Experten stand das Geschäftsmodell von Anfang an auf wackeligen Beinen. Denn während ein Netzwerk-Carrier versucht, den Heimatmarkt gut zu bedienen und mit Hilfe von Allianzen je nach Bedarf viele Flüge für die Wirtschaft und für den Tourismus anzubieten, baut ein Low-Cost-Carrier seine Strecken ohne dieses Drehscheiben-System auf. Er nutzt Nebenflughäfen, weil sie billiger sind, fliegt nur einen Flugzeugtyp wegen der vereinfachten Wartung - und spart am Service.

Damit reduziert er die Kosten gegenüber einem Netzwerk-Carrier um bis zu 50 Prozent, braucht allerdings eine Durchschnittsauslastung von 85 Prozent. Davon hat sich SkyEurope zuletzt einigermaßen entfernt. Vor allem aber deckt der „Billigflieger" nur ein eingeschränktes Streckennetz ab und braucht dazu einen großen Quellmarkt, den eine Basis Bratislava kaum abdecken kann. Nicht umsonst startet eine irische Airline wie Ryanair in London. Mit billigeren Flugtickets wird SkyEurope dem Problem nicht beikommen. (Regina Bruckner)

 

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