Längst vergangenes Vorstadtleben

25. Juni 2009, 09:20
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Die Künstlerin Inés Lombardi hat eine permanente Installation am Zimmermannplatz entworfen

Wien - Mit der Installation eines aus Bronze gegossenen Ziehbrunnenobjekts inmitten eines scheinbar privaten Gartens im öffentlichen Raum setzt die Künstlerin Inés Lombardi den Zimmermannplatz in Relation zu seinem längst vergangenen Vorstadtleben. "Kunst kann einen Beitrag zur Identität eines Ortes schaffen und zu einer Identifikation mit diesem Ort führen", sagt Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny und fügt hinzu: "Mit dem Garten mit Brunnen erfährt der Zimmermannplatz und auch der nahegelegene Gürtel eine neue Perspektive und Aufwertung".

Vor den historistischen Häuserfassaden des Zimmermannplatzes setzt sich die florale Anarchie durch. Üppig wuchern Lavendel, wilder Wein, Efeu, Rosenstöcke, Königskerzen, Sonnenblumen, unterschiedlichste Bäumen und Sträucher - die liebevoll gezogenen Pflanzen eines privaten Ziergartens, würde man meinen, nicht eines urban-öffentlichen Ortes.

Widersprüchliche Elemente

Das Ordnungssystem von öffentlichen Platzgestaltungen erscheint hiermit konterkariert. Offensichtlich widersprüchliche Elemente treffen in der Intervention von Inés Lombardi aufeinander, sowohl in Hinblick auf die gewohnten stadtgestalterischen Strategien als auch in der genreunspezifischen Festlegung der Materialität des skulpturalen Bronzeobjekts.

Das Konzept für Lombardis gleichermaßen pflanzliche wie auch skulpturale Arbeit ging als Siegerprojekt aus einem geladenen Wettbewerb der Initiative Kunst im öffentlichen Raum Wien hervor, der im Rahmen der Neugestaltung des Zimmermannplatzes ausgeschrieben worden war.

Inés Lombardis Garten mit Brunnen ist ein Objekt, das in enger Verknüpfung mit der Geschichte des 9. Bezirks entstand: Die Errichtung eines Brunnens an dieser Stelle liegt nahe und verweist auf den Alserbach, der im 19. Jahrhundert noch frei fließenden, nun unter der Lazarettgasse und Alserbachstraße liegt. Die in der Struktur des Bronzeobjektes angedeutete Ziegelumrandung verweist auf die zahlreichen Ziegelgruben die sich im 18. Jahrhundert in dieser Gegend befanden.

Auch die Idee für eine bronzene Elster am Brunnenrand, die als Wasserspenderin dient, entstammt dem Netz lokaler Bedeutungssysteme, da der Alserbach - im Volksmund "Alsterbach" - die Elster im Namen trägt, die auch im Wappen des neunten Bezirks eine zentrale Position einnimmt. (red)

Zur Person

Inés Lombardi, geboren 1958 in Sao Paulo/Brasilien, lebt und arbeitet in Wien.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein Brunnen mit Garten inmitten der Stadt

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