Neuer Literaturpreis: Migrationserfahrungen und Fragen der Identität

22. Juni 2009, 13:38
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"Hohenemser Literaturpreis für deutschsprachige AutorInnen nichtdeutscher Muttersprache" wurde zum ersten Mal vergeben

Bregenz - Am vergangenen Wochenende hat die Stadt Hohenems zum ersten Mal den "Hohenemser Literaturpreis für deutschsprachige AutorInnen nichtdeutscher Muttersprache" vergeben. Bei einer feierlichen Übergabe im Salomon-Sulzer-Saal, der einstigen Synagoge von Hohenems, wurden Michael Stavaric und Agnieszka Piwowarska ausgezeichnet - sie teilen sich den Hauptpreis in Höhe von 10.000 Euro. Der mit 3.000 Euro dotierte Anerkennungspreis der Jury wurde Susanne Gregor zugesprochen, teilte die Stadt in einer Aussendung mit.

Migrationserfahrungen

Die fünfköpfige Jury - bestehend aus Ideengeber und Gremienleiter Michael Köhlmeier, Zsuzsanna Gahse, Anna Mitgutsch, Doron Rabinovici und Zafer Senocak - musste sich zwischen knapp 200 Prosa-Texten entscheiden. Die maximal zehnseitigen Texte sollten bei freier Themenwahl Migrationserfahrungen, Fragen der Identität und das Ineinandergreifen verschiedener Kulturen verarbeiten.

Platzierung nicht beliebig

Stavaric und Piwowarska wurden für ihre Beiträge "Geister" beziehungsweise "Oktober" geehrt. Gregor reichte ihre Arbeit "Schwarzer Zucker" ein. Der 1972 in Brno geborene Stavaric machte in seinem Werk aus der Perspektive eines Burschen Beobachtungen in einem Flüchtlingslager, während Piwowarsaka (1978 in Gdansk auf die Welt gekommen) in "Oktober" die Geschichte einer von Schleppern organisierten Flucht nach Deutschland schilderte. Susanne Gregor (geboren 1981), die aus der Slowakei stammt, erzählte in ihrem Text über die Herausforderungen des gemeinsamen Zusammenlebens in einer interkulturellen Beziehung.

Kultur-Stadtrat Günter Linder, der die Preise überreichte, gab zu bedenken, dass die Platzierung des Wettbewerbs in Hohenems nicht beliebig sei. Mit Blick auf die jüdische Geschichte der Stadt und angesichts eines migrantischen Bevölkerungsanteils von rund 16 Prozent sei es wichtig und fruchtbar, gerade in Hohenems Fragen der Kultur, der Identität und der Sprache zu thematisieren. (APA)

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