Wien: Obdachlose sollen nicht in Container

19. März 2003, 20:57
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Kein Grazer "Vinzidorf" für Wien -Stadtverwaltung will kein Dorf aus Blech - neues Angebot ein Konzept für psychisch Kranke

Wien - In Wien wird kein Containerdorf für Obdachlose errichtet. Damit dürften Pläne von Pfarrer Wolfgang Pucher, ein "Vinzidorf" nach Grazer Vorbild zu errichten, nicht umsetzbar sein. Wie DER STANDARD berichtete, versucht Pucher seit längerem ein passendes Grundstück zu finden, um dort Schlafcontainer für Menschen ohne Bleibe errichten zu können.

Ungeklärte finanzielle Fragen

In der Stadtverwaltung will man allerdings "sicher kein Containerdorf". Auch bei der Caritas, die ebenfalls Obdachlosenhilfe betreibt, steht man der Idee "zurückhaltend" gegenüber. Es gebe viele ungeklärte finanzielle Fragen, etwa für Infrastruktur und Heizung, meint Caritas-Sprecher Peter Wesely. Auch könne das Grazer Konzept "nicht 1:1 nach Wien verpflanzt" werden. Es gebe in Wien bereits eine gut funktionierende Wohnungslosenhilfe.

Menschen erreichen

Beim Sozialamt (MA 12) wird stattdessen an einem anderen Konzept gearbeitet, in das Pfarrer Pucher einbezogen werden könnte. Es soll ein spezielles Angebot für obdachlose psychisch Schwerkranke aufgebaut werden. Christian Neumayr, Bereichsleiter im Sozialamt, schätzt, dass damit rund 500 Betroffenen geholfen werden könnte. Er berichtet, wie schwierig es sei, diese Menschen zu erreichen, die meist "auf Bankerln oder in Verschlägen schlafen". Man brauche extrem leicht erreichbare Angebote, daher setze man verstärkt auf Streetwork. Über die "untereinander gut vernetzten Streetworker" könnten Betroffene bewogen werden, Hilfe anzunehmen. Obdachlose, von denen man annimmt, dass sie integriert werden können, werden künftig in der Clearingstelle in der Leopoldstädter Pazmanitengasse betreut, die seit Mittwoch, geöffnet hat. Am Westbahnhof betreibt die Caritas eine Notstelle während der Nacht.

"VinziTel"

Ungeachtet von Wiener Plänen erhält Pfarrer Pucher sein "VinziTel"(sic originalschreibweise!), das Hotel für Obdachlose in Graz. Im ersten Jahr wurden fast 6000 Übernachtungen gezählt. Durcsschnittlich blieben in Not geratene Frauen und Männer 16 Tage. Anfangs sei man kritisch beäugt worden, berichtet die Vinzenzgemeinde Eggenberg, es habe sich aber gezeigt, wie wichtig das "VinziTel" sei, in dem man um einen Euro pro Tag wohnen kann. (Andrea Waldbrunner/DER STANDARD, Printausgabe, 20.3.2003)

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