Streit um EU-Ranking

19. März 2003, 18:10
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Regierung sieht Österreich bei Wettbewerbsfähigkeit auf Platz fünf, Industrie nur auf Platz sieben - mit Infografik

Brüssel - Um die Bewertung von Österreichs Position im Rahmen eines umfassenden EU-Rankings zur Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Länder ist im Vorfeld des Regierungsgipfels ein Streit zwischen Vertretern der Regierung und der Industriellenvereinigung ausgebrochen. Nach vorläufigen österreichischen Berechnungen soll sich Österreich bei diesem Ranking von Platz acht auf Platz fünf verbessert haben, was Wirtschaftsminister Martin Bartenstein als großen Erfolg bezeichnet. Stimmt nicht, widerspricht hingegen die Industriellenvereinigung: Ihren Berechnungen zufolge soll Österreich insgesamt nur auf Platz sieben liegen.

Das Ranking setzt sich aus unterschiedlichen Aspekten zusammen und wird schließlich zu einer Gesamtnote verdichtet. Österreich ist dabei unter den "Klassenbesten" bei der Arbeitslosenrate und dem Einsatz von alternativen Energiequellen, erhält aber dafür ein schlechtes Zeugnis für Telefongebühren, Forschung und Beschäftigung älterer Arbeitnehmer.

Berechnungsmethode mangelhaft

Anders als die Regierung hat die Industriellenvereinigung (IV) aus den Einzelpositionen - die im wesentlichen von beiden Seiten akzeptiert werden - eine andere Gesamtziffer errechnet, die Österreich nur auf Platz sieben statt auf Platz fünf sieht. Dies ergebe sich aus Mängeln der Berechnungsmethode. Denn bei vielen Indikatoren würden Daten für einzelne Länder fehlen, womit es eine "Ermessenssache" wäre, welche Indikatoren für einzelne Länder ausgeschieden werden.

Ein besonders krasses Beispiel dafür sieht die IV im wichtigen Faktor Beschäftigungswachstum. So sei Luxemburg mangels aktueller Zahlen in den österreichischen Berechnungen nicht berücksichtigt worden. Luxemburg liege jedoch dabei seit vielen Jahren an Platz eins, womit sich das Nichtberücksichtigen dieses Landes automatisch positiv auf die Platzierung Österreichs auswirke. (red, DER STANDARD, Printausgabe 20.3.2003)

  • Österreichs Stellung in der EU hat sich nur leicht verbessert.
    foto: derstandard/semotan

    Österreichs Stellung in der EU hat sich nur leicht verbessert.

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    Österreich bei Sozial- und Wirtschaftsreformen im EU-Mittelfeld - Grafik zum Vergrößern anklicken

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