Verdacht auf "Hitlergruß" bei Burschenschafter-Kommers

22. Juni 2009, 19:08
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Zeitungsbild zeigt Mann in verdächtiger Pose - Erhebungen wegen Verbrechen gegen das Verbotsgesetz

Innsbruck - Ein Zeitungsbild könnte einem Teilnehmer am Kommers der schlagenden Burschenschafter, der am Samstag in Innsbruck stattgefunden hatte, nachträglich zum Verhängnis werden. Das Bild zeigt einen älteren Herren, der die rechte Hand mutmaßlich zum "Hitlergruß" erhoben hat.

Verstoß gegen Verbotsgesetz

Die Tiroler Sicherheitsdirektion wurde jedenfalls mit Ermittlungen wegen Verbrechen gegen das Verbotsgesetz beauftragt, gab der zuständige Staatsanwalt Hans-Jörg Mayr am Montag gegenüber der APA an.

Zu dem Vorfall soll es kurz vor dem Ende der Veranstaltung gekommen sein, als die Burschenschafter gegen 0.30 Uhr nachts ein letztes Lied anstimmten. Abgedruckt wurde die Aufnahme in der Montagsausgabe der "Tiroler Tageszeitung". Auf der Fotografie ist das Gesicht des Mannes nicht zu erkennen, da er von hinten aufgenommen wurde.

Keine Ausschreitungen

Der Festkommers der Burschenschafter hatte in Innsbruck im Vorfeld für Spannungen gesorgt. Ein Großaufgebot der Polizei sollte mögliche Ausschreitungen zu verhindern. Die beiden Gegenkundgebungen mit rund 2.000 Teilnehmern verliefen aber friedlich und ohne gröbere Zwischenfälle.

Graf als Festredner

Martin Graf, umstrittener Dritter Nationalratspräsident und selbst Mitglied der schlagenden Wiener Burschenschaft Olympia, hielt eine Festrede, in der er mit den Medien hart ins Gericht ging. Er forderte "echte Pressefreiheit" und "unabhängige Medien".

Burschenschafter weisen Kritik an "Hitlergruß" zurück

Die Arbeitsgruppe jener schlagenden Burschenschaften, die am vergangenen Samstag in Innsbruck den umstrittenen Festkommers organisiert hat, hat am Montagabend Vorwürfe zurückgewiesen, Mitglieder hätten bei der Veranstaltung den "Hitler-Gruß" verwendet. Es habe sich um einen "antifaschistischen Treueschwur" gehandelt, hieß es in einer Aussendung.

Handle sich um "antifaschistischen Treueschwur"

Bei der mit einem "Dokumentarfoto" unterlegten "Sensationsmeldung" der "Tiroler Tageszeitung" handle es sich "um eine üble Unterstellung". In Wahrheit sei es "die erhobene Schwurhand zu der letzten Strophe des "Südtiroler Trutzliedes" gewesen. Darin heiße es "Erhebt nun eure Hände zum Schwure hoch und hehr ..." Das zu Beginn der 1920-iger Jahre gedichtete "Trutzlied" sei "die heimliche Kampfhymne des antifaschistischen Untergrundes gegen die faschistische Gewaltherrschaft in Südtirol" gewesen und "auf heimlichen Versammlungen gesungen" worden.

In Nordtirol und im übrigen Österreich habe man bei der dritten Strophe die Schwurfinger erhoben, um so dem Land Tirol und seiner Freiheitsbestrebung die Treue zu schwören. Im Gedenken an diese Zeit sei auch auf dem Festkommers dieses Lied gesungen worden und eine Reihe von Festgästen habe dazu - der Aufforderung im Lied folgend - die Schwurhand erhoben, hieß es in der Aussendung. (APA)

  • Zum Abschluss: Während des "Südtiroler" Lieds grüßte ein Teilnehmer per Handzeichen - und beschäftigt nun den Staatsanwalt.
    foto: tiroler tageszeitung
    Foto: Tiroler Tageszeitung

    Zum Abschluss: Während des "Südtiroler" Lieds grüßte ein Teilnehmer per Handzeichen - und beschäftigt nun den Staatsanwalt.

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