Glazvoller Abschiedsabend für Jörg Koßdorff

22. Juni 2009, 13:23
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Intendant Jörg Koßdorff bekam Ausschnitte aus seinen Lieblingswerken - Franz Voves überreichte Koßdorff das Goldene Ehrenzeichen

Graz - Die Grazer Oper verabschiedete sich mit einem Galaabend am Sonntag vom scheidenden Intendanten Jörg Koßdorff. Der gebürtige Grazer war nicht nur die letzten sechs Jahre Intendant, er war insgesamt seit mehr als 50 Jahren in diesem Haus tätig. Ausschnitte aus Werken, an denen er selbst als Bühnenbildner mitgearbeitet hat oder die ihm besonders gefallen hatten, bildeten das abwechslungsreiche Programm, bei dem ihm auch gleich noch das Große Goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark verliehen wurde.

Zahlreiche Ausschnitte aus Opern verwiesen auf Werke, für die Jörg Koßdorff das Bühnenbild erstellt hatte. So auch jene Beispiele der Zusammenarbeit mit Peter Konwitschny, die der Regisseur selbst neu einstudiert hatte. Neben einem humoristischen Ausschnitt aus der "Verkauften Braut" gab es eine sehr gekonnte Aneinanderreihung der "Aida"-Arien "Celeste Aida" und "Ritonar vincitor" mit Jean-Pierre Furlan und Mlada Khudoley sowie eine Szene "Falstaff". Konwitschny würdigte Koßdorff als Arbeitspartner und Mensch, während Stefan Herheim dem Intendanten sogar ein Ständchen brachte. Zwei Ausschnitte aus seiner "Carmen"-Inszenierung trugen dem Umstand Rechnung, dass Koßdorff diese Inszenierung als eine seiner liebsten bezeichnet hatte. Aus diesem Grund wurde auch noch einmal der letzten Premiere, "Cosi fan tutte", mit einer Arie (Maria Bengtsson) gedacht.

"Metaphorische Bühnenräume"

Nicht persönlich anwesend war Regisseur Christian Pöppelreiter, der 23 Produktionen mit Koßdorff verwirklicht hatte, die in Graz zu großen Erfolgen wurden. Allen voran die Inszenierung des "Ring des Nibelungen", an die mit dem "Rheingold-Vorspiel" und Siegfrieds "Nothung, Nothung" (John Treleaven) erinnert wurde. Je eine Arie aus "L'Orfeo" (Margareta Klobucar) und "Pique Dame" (Sonia Zlatkova) ergänzten die Rückschau. Pöppelreiter lobte in einem Brief Koßdorffs "metaphorische Bühnenräume", in denen "immer ein Geheimnis vibriert". Trotzdem "hat nie einer Deiner magischen Bühnenräume die Darsteller geschrumpft oder gar erdrückt. Immer bleiben sie darin das Zentrum und können sich in Deinem Bild ganz entfalten."

Landeshauptmann Franz Voves überreichte Jörg Koßdorff das Goldene Ehrenzeichen und würdigte ihn als "wunderbaren Intendanten und wunderbaren, großartigen Menschen." Der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl nannte ihn die "ruhige Kraft im Zentrum des Hauses".

Ein kurzer Ausschnitt aus Aribert Reimanns "Lear" verwies auf ein Werk, das Koßdorff immer gern gespielt hätte, letztlich aber dann doch nicht verwirklicht hat. Den Abschluss bildete das Ballett, das eine "Bolero"-Version von Darrel Toulon zeigte. Der geehrte, nunmehrige Ex-Intendant zeigte sich über den Abend sehr erfreut und mitunter auch gerührt. (APA)

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