Es wird ruhiger auf Twitter - 22-Jähriger soll nach Allahu-Akbar-Ruf auf Dach erschossen worden sein - Thinktank stellt Google Map mit Zusammenstößen ins Netz
Auf der Internetseite der englischen Zeitung "The Guardian" wurden Profile und Fotos von Verschwundenen oder Getöteten während der Demonstrationen im Iran veröffentlicht. Dabei beruft man sich auf Quellen wie "Human Rights Watch" und "Reporter ohne Grenzen".
Während in den vergangenen zwei Wochen täglich Zehntausende von Nachrichten über die Lage in Teheran bei Twitter verbreitet wurden, gibt es seit einigen Tagen kaum noch Informationen aus der iranischen Hauptstadt. Stattdessen formulieren europäische und amerikanische Twitterer Durchhalteparolen, meldet die FAZ in ihrer Freitagsausgabe. Die Regierung wolle ihre Gegner ruhigstellen, den Augenzeugen werd es immer schwerer gemacht, bei Twitter Nachrichten zu verschicken. Am Mittwochnachmittag sei es in Teheran schon vor Beginn der Proteste unmöglich gewesen, SMS zu versenden, schreiben sie.
Das Internet funktioniere in vielen Teilen der Stadt nicht mehr, die Telefonleitung seien gekappt worden, twittert persiankiwi am Mittwochnachmittag. Außerdem gebe es "Gerüchte, dass sie Telefonanschlüsse ausfindig machen, über die besonders viele Daten laufen, um Internetnutzer zu finden - wir müssen jetzt weg von hier."
rumour they are tracking high use of phone lines to find internet users - must move from here now - #Iranelection
we must go - dont know when we can get internet - they take 1 of us, they will torture and get names - now we must move fast - #Iranelection
we must go - dont know when we can get internet - they take 1 of us, they will torture and get names - now we must move fast - #Iranelection
Am Mittwoch nachmittag schrieb persiankiwi seine bislang letzten Nachrichten: Das V-Zeichen oder die Hupkonzert der Autos sind ebenso zum Alltag
in Teheran geworden wie die abendliche „Allahu akbar"-Rufe von den
Dächern als Zeichen des Protests und der Solidarität. "Persiankiwi" erinnert auf Twitter daran:
Allah - you are the creator of all and all must return to you - Allah Akbar - #Iranelection Sea of Green
Change-for-Iran
Ein anderer vielgelesener Twitterer, change-for-iran, meldet sich am Donnerstagmorgen nach viertägigem Schweigen. Er gibt an, von Basidschi schwer verletzt worden zu sein und sich jetzt außerhalb Teherans zu befinden.
I'm only posting this to say I'm still alive & not in Tehran, I had a bad incident with Basij and couldn't use computer
Setrakian twittert weiter
Die ABC-Journalistin Lara Setrakian berichtet auf Twitter von einem Interview mit einem Analytiker, der behaupte, die iranischen Behörden selbst würden zu den neuen Protesten aufrufen, um so gezielter gegen die Demonstranten vorgehen zu können.
just intvwd analyst who thinks Iran authorities are calling the new protests, bringing out front line of protesters so they pick them off
Vor allem reiche Familien würden derweil ihre Kinder vom Demonstrieren abhalten wollen.
rich kids mostly absent from #iranelection protests - parents won't
let them risk it. it's educated middle class. this isn't a class divide
Nedas Professor über den Tod der getöteten Studentin:
Neda's Professor to BBC: 'I've never seen such a thing..the bullets seemed to have blasted inside her chest. She died in less than 1 minute'
Außerdem auf ihrem Blog zu lesen:
girl protesters would hand out flowers to riot police to try to win them over, keep them from attacking #iranelection
from trusted source, eyewitness at #iranelection protests: the acid attacks were real, dumped on protesters from above.
Iran state tv says Saudi govt also behind #iranelection protests
Stinkefinger für Ahmadi-Nejad
Montage oder nicht, auf der Internetplattform Twitter kursiert ein Foto einer Demonstrantin, die vor dem Auto Ahmadi-Nejads steht und dem Präsidenten den Mittelfinger zeigt.
Youtube startet eigene Website
Das Videoportal YouTube hat angesichts der großen Interesses an Videos über die Proteste im Iran die Webseite "Citizentube" gestartet, wo aktuielle Beiträge gesammelt werden.
22-Jähriger nach Allahu-Akbar-Ruf auf Dach erschossen
Laut der Twitter-Meldung der ABC-Journalistin Lara Setrakian wurde in Mashad ein junger Mann erschossen, während er am Dach eines Hauses stehend den unter Moussavi-Anhängern als Code geltenden Ruf "Gott ist groß" gerufen hat:
just heard
disturbing news of 22-yr-old in Mashad shot dead while chanting allahu
akbar on roof. unconf, tho from trusted srce #iranelection
Website übersetzt Farsi-Texte:
http://tehranbroadcast.com/
Nota bene: Nicht immer lassen sich Nachrichten, die die Redaktion via Internetmedien wie Twitter und Facebook erreichen, nach den ansonsten üblichen journalistischen Kriterien überprüfen. Dies gilt natürlich mindestens ebenso sehr für Verlautbarungen der Regimepresse. derStandard.at bittet seine UserInnen um Verständnis und um besonders kritisches Lesen.
Link:
+ New York Times-Video: A Young Woman's Fate Resonates
+ Wikipedia über Neda Agha-Soltani