Pragmatikerin auf Johanna Dohnals Spuren

22. Juni 2009, 12:42
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SP-Frauenchefin Gabriele Heinisch-Hosek versucht es mit Konsens statt Konflikt

Gabi ist traditionell aufgewachsen. Als große Schwester hat sie natürlich die Hausübungen ihres Bruders beaufsichtigt und sich natürlich auch um den Haushalt gekümmert. Natürlich war ihr Vater der Erhalter der Familie, und natürlich blieb die Mutter zu Hause, bis Gabis Bruder zehn Jahre alt war. Feminismus oder Emanzipation waren dem Mädchen aus Guntramsdorf wirkliche Fremdworte. Erst bei den Kinderfreunden habe sie gemerkt, dass ihr bisheriges Leben eigentlich von nicht "wahrgenommenen Diskriminierungen" geprägt war. Und so sei aus ihr eine "glühende Kämpferin für Frauenrechte" geworden, erzählt die heutige Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek. Seit Sonntag ist sie auch Vorsitzende der SPÖ-Bundesfrauen.

Mit realer frauenpolitischer Arbeit begann die ausgebildete Lehrerin als Gemeinderätin in ihrer Heimatgemeinde 1990. In diesem Jahr ist sie auch erst in die SPÖ eingetreten. Damals diskutierte sie mit dem Bürgermeister darüber, wie breit ein Gehsteig sein muss, damit auch ein Zwillingskinderwagen Platz hat, um so die Kinder der berufstätigen Mutter sicher zur Kinderkrippe schieben zu können. Heute, 18 Jahre später, würde Gabriele Heinisch-Hosek sagen: "Damit der Vater den Nachwuchs zur Krippe bringen kann." Eines ihrer Ziele ist es, den Anteil der Männer, die in Karenz gehen, auf 20 Prozent zu steigern. Außerdem soll jedes dritte Kind unter drei Jahren einen Betreuungsplatz haben, wiederholt sie ihre "Visionen für 2020".

Als Visionärin sieht sich die 47-jährige Niederösterreicherin aber nicht in erster Linie. Darin liege der Unterschied zu ihrer legendären Vorgängerin Johanna Dohnal. Selbst wenn Heinisch-Hosek vehement für die Rechte der Frauen kämpfe (so sahen es die Delegierten auf der Bundesfrauenkonferenz in Linz mehrheitlich), versuche sie dennoch den erfolgversprechenderen "Weg des Konsenses, des Gesprächs" zu gehen.

Eine Erfahrung, die sie in ihrer jahrelangen kommunalpolitischen Arbeit gemacht habe, bevor 1999 der Wechsel in den Nationalrat folgte. Eine Erfahrung, die sie aber auch im Privatleben gemacht habe. Vor 23 Jahren hat Heinisch-Hosek ihren Mann kennengelernt. "Die Gespräche und Diskussionen mit ihm daheim in unserem kleinen Haus sind meine Kraftquelle." Mit Kochen, Lesen und ein bisschen Sport verbringe sie ihre Freizeit, von der sie seit Sonntag noch weniger haben wird. Deshalb gelte daheim auch nicht mehr halbe-halbe, sondern 70:30. 70 Prozent der Hausarbeit für den Mann, 30 Prozent für sie. (Kerstin Scheller, DER STANDARD, Print, 22.6.2009)

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    Gabriele Heinisch-Hosek

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