Österreich kommt glimpflich davon

22. Juni 2009, 12:18
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2008 hat Spanien alle Rekorde gebrochen, 2009 dürften die Nieder­lande mit einem Plus von 75 Prozent die meisten Pleiten einfahren

Wien - Die Insolvenzwelle zieht immer weitere Kreise. Erst 2010 erwarten Experten, dass es auf der Pleitefront wieder zu einer Erholung kommt. Da zwischen Konjunktureinbruch und Insolvenzfällen immer eine gewisse Zeitverzögerung liegt, steht das Schlimmste noch bevor, geht aus einer Untersuchung der Prisma Kreditversicherung hervor. Wenn man die Insolvenzsteigerungen der wichtigsten Handelsnationen zusammenzählt und nach der Wirtschaftsleistung (BIP) gewichtet, ergibt sich für 2009 ein weltweiter Insolvenzanstieg von 35 Prozent.

Während 2008 der Finanzsektor und die Bauwirtschaft am stärksten vom Insolvenzanstieg betroffen waren, entfallen jetzt die meisten Unternehmenspleiten auf die Industriesektoren, kommentierte Ludwig Mertes, Vorstand der Prisma Kreditversicherung, die internationale Insolvenzprognose seines Unternehmens. Zudem nehme die Höhe der Passiva immer mehr zu.

Rekordanstieg in den Niederlanden

2008 hat Spanien alle Insolvenzrekorde gebrochen, 2009 dürften die Niederlande hochgerechnet auf Basis der Insolvenzdaten bis Mai die meisten Pleiten einfahren. Nachdem die Insolvenzfälle im Jahr 2008 dort um nur 0,7 Prozent zunahmen, sollen sie bis Ende 2009 um 75 Prozent steigen. Damit dürften die Niederländer europäischer Spitzenreiter werden.

Auch in Norwegen heißt es für viele Unternehmen zurück an den Start. Nach vier Jahren rückläufiger Insolvenzen stieg die Zahl im Jahr 2008 um 28 Prozent. Für 2009 gehen die Experten von einem Anstieg um 66 Prozent aus. Alleine im ersten Quartal stiegen die Insolvenzen in Norwegen um 88 Prozent. Auf Rang drei folgt Spanien: Im Jahr 2009 werden die Insolvenzen um weitere 58 Prozent ansteigen, nach einem Plus von 187 Prozent 2008.

Deutschland verzeichnet ebenfalls einen Abwärtstrend, den es seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr in dieser Deutlichkeit gegeben hat, so Mertes. Heuer werden den Schätzungen zufolge um 19 Prozent mehr Unternehmen bankrottgehen als letztes Jahr. Ein weiterer Anstieg wird für 2010 befürchtet.

Österreich kommt mit blauem Auge davon

"Im Vergleich dazu kommt Österreich bei einem voraussichtlichen Anstieg von 15 Prozent mit einem blauen Auge davon", weiß Mertes. Der Schein trüge allerdings, denn der Anstieg werde Österreich mit seinem ohnehin hohen Insolvenzniveau ein Rekordhoch von 7.262 Pleiten bescheren.

In den USA, der weltweit größten Volkswirtschaft, werden die Insolvenzen mit Ende 2009 auf über 63.000 ansteigen, das sind um 45 Prozent mehr gegenüber dem Vorjahr. Nach mehreren Jahren starker Expansion sollen 2009 insgesamt bis zu 5.000 Unternehmen in China für bankrott erklärt werden.

Die Prisma Kreditversicherungs-AG wurde 1989 gegründet und erzielte 2008 einen Umsatz von 56 Mio. Euro. Prisma ist zu 100 Prozent Tochter der OeKB EH Beteiligungs- und Management AG. Die Oesterreichische Kontrollbank AG hält 51 Prozent der Managementholding, 49 Prozent hält die Euler Hermes Kreditversicherung AG, Hamburg. Die Euler Hermes Gruppe ist Weltmarktführer in der Kreditversicherung und gehört zum Allianz-Konzern.

Internationale Insolvenzprognose 2009

(Veränderung zum Vorjahr in Zahl und Prozent)

2008 2008 2009 2009

Niederlande 4.635 0,7% 8.111 75%

Norwegen 3.637 28% 6.037 66%

Spanien 2.528 187% 3.994 58%

Lettland 1.226 21% 1.839 50%

USA 43.546 54% 63.142 45%

Litauen 928 53% 1.299 40%

Estland 429 112% 601 40%

Italien 8.800 45% 11.528 31%

Frankreich 57.659 15% 72.074 25%

Deutschland 29.291 0,4% 34.856 19%

Österreich 6.315 0,3% 7.262 15%

China 4.555 5% 5.011 10%

Quelle: Schätzung Euler Hermes; Stand: 05/2009 (APA)

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