Wechsel bei roten Frauen

22. Juni 2009, 12:08
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Heinisch-Hosek mit 95,7 Prozent ins neue Amt der Frauenvorsitzenden gewählt

Linz - Der Unterschied sticht sofort ins Auge. War es doch im Vorjahr unausgesprochener Dresscode, in Rot zum SPÖ-Bundesfrauenkonferenz im Linzer Design Center zu erscheinen, war dieses Mal bunt angesagt. "Wir sind eben eine bunte Gruppe", wie die neue Vorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek erklärt. Die Frauenministerin, sie verzichtete freilich nicht auf ein rotes Accessoire, wurde mit 95,7 Prozent an die Spitze gewählt.

Nach zwölf Jahren hat Nationalratspräsidentin Barbara Prammer am Sonntag diese Funktion abgegeben. Für sie jedoch kein Grund, Bilanz über ihre Frauenpolitik zu ziehen. Vielmehr präsentierte sie aufgrund der Niederlage bei den EU-Wahlen eine Analyse ihrer Partei. "Ja, es wurden Fehler gemacht. Wir werden uns neu ausrichten müssen, damit uns die Menschen wieder besser verstehen und sie uns wieder vertrauen", gab sie zu.

Minutenlanger Applaus, Standing Ovations und viele Blumensträuße erntete Prammer für ihre Abschlussrede. Auch Almut Zillner, eine von 313 Delegierten, die zum Abschlusskongress von Prammer nach Linz gekommen waren, geizte nicht mit Beifall. Wobei: "Ich sehe das mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Barbara hat sehr gute Arbeit geleistet. Mit ihr geht eine wirkliche Feministin, die Frauenpolitik in den Mittelpunkt gestellt hat", trauert sie der scheidenden Vorsitzenden nach. Aber mit dem Wechsel an der Spitze verbinde die Oberösterreicherin auch "die Chance für neue Perspektiven".

Diese Perspektiven biete sicherlich "ein neuer Kopf wie Heinisch-Hosek", meint Stefanie Vasold, Delegierte aus Wien-Josefstadt. Von ihr erwartet sich die junge Josefstädterin vor allem, dass sich die SPÖ-Frauen "mehr öffnen". Dies stellte Heinisch-Hosek dann auch in Aussicht: Sie wolle "neue Wege beschreiten, um für junge Frauen attraktiv zu bleiben". Dazu zähle sie etwa eine breite Diskussion über Umweltthemen. Am "ABC der Frauenpolitik" werde sie aber dennoch weiterhin festhalten. Dazu gehöre die Förderung junger Frauen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Väter. "Stark, selbstbewusst und entschlossen sollen die Frauen sein. Denn nur eine Frauenbewegung, die lästig ist, hat auch ihre Berechtigung", zitierte sie ihre legendäre Vorgängerin Johanna Dohnal. (Kerstin Scheller, DER STANDARD, Print, 22.6.2009)

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