Uni Salzburg fürchtet Ansturm deutscher Studierender

22. Juni 2009, 11:02
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Inskriptionsfrist wurde vorverlegt - Kommunikationswissenschaften und Psychologie sind besonders beliebt

Salzburg - An der Universität Salzburg können sich Studierende heuer erstmals schon ab 6. Juli für das nächste Semester inskribieren. Das ist eine Maßnahme, um für einen möglichen Ansturm deutscher Studierender besser gerüstet zu sein. "Wir können überhaupt nicht abschätzen, wie sich der Wegfall der Studiengebühren bei uns auswirken wird", sagte der für die Lehre zuständige Vizerektor Rudolf Mosler zur APA.

Zwölf Prozent aus Deutschland

Das kostenlose Studium in Österreich sowie das weitgehende Fehlen von Zugangsbeschränkungen könnte die grenznahe Universitätsstadt Salzburg für die deutschen Nachbarn noch attraktiver als bisher machen, glaubt Mosler. Schon jetzt kommen etwa zwölf Prozent der rund 13.000 Studierenden der Paris-Lodron-Universität aus Deutschland. In einzelnen Fächern - wie in der Psychologie - stammen rund drei Viertel der Erstsemestrigen aus Deutschland. Besonders beliebt sind bei den Nachbarn die Fächer Kommunikationswissenschaft, Psychologie, Politikwissenschaft, Erziehungswissenschaften oder Soziologie. Alles Fächer, die schon jetzt überlaufen sind.

Im früheren Inskriptionsbeginn sieht Mosler eine Möglichkeit, in letzter Minute noch Vorkehrungen zu treffen, damit bei einem wirklichen Ansturm nicht das völlige Chaos zu Beginn des Semesters ausbricht. So könnten kurzfristig noch zusätzliche Lehrveranstaltungen eingeschoben oder größere Räumlichkeiten organisiert werden.

Studieneingangsphase ohne Österreicher-Quote

An der Kommunikationswissenschaft ist - an Stelle der wieder abgeschafften Aufnahmeprüfung für bisher 280 verfügbare Plätze - eine Studieneingangsphase in Form von zwei geblockten Vorlesungen geplant. Nur wer diese Prüfungen schafft, kann das Studium fortsetzen. An der Psychologie gibt es die Aufnahmeprüfung weiterhin. Allerdings wird die ursprünglich vom Ministerium angedachte Österreicher-Quote für die 246 verfügbaren Plätze nicht kommen.

Zulassungskriterien für Kommunikationswissenschaft

Sollte sich herausstellen, dass dieses Fach überrannt werde, könnten sich alle Universitäten, die das Studium anbieten, zusammentun und an den Minister wenden.

Die Bundesregierung könnte dann die Kommunikationswissenschaft in die Reihe jener Fächer aufnehmen, für die Zulassungskriterien gelten. Eine solche Regelung könnte allerdings frühestens für das Wintersemester 2010/11 in Kraft treten.

Donig stellte auch klar, dass die Quotenregelung für Psychologie, die in der kurz vor den Nationalratswahlen im Herbst 2008 beschlossen worden war, nicht realisierbar gewesen sei, weil sie EU-Recht widerspreche. Eine solche Quote sei nur für Medizin möglich gewesen.

Mehrfach attraktiv

Das Fach Psychologie in Österreich ist für Deutsche mehrfach attraktiv: Es gibt keine Studiengebühren, keinen Numerus Clausus - in Deutschland liegt er bei 1,2 bis 1,3 - und die Zugangsbestimmungen für den Beruf sind zwischen den beiden Ländern abgestimmt. Ähnlich interessant ist es für die Deutschen, in Salzburg Kommunikationswissenschaft zu studieren. An den meisten deutschen Universitäten gilt für dieses Fach ein strenger Numerus Clausus, dazu kommen Studiengebühren - in Bayern beispielsweise 500 Euro pro Semester. Die schlechteste Betreuungsrelation gibt es in Salzburg derzeit bei den Erziehungswissenschaften. Auf 150 Studierende kommt eine Lehrperson, erklärte Mosler. "Da ist Null Spielraum. Sollten da noch viele ausländische Studierende zusätzlich kommen, wird es echt dramatisch." (APA)

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