Forschungsbedarf: Osteoporose beim Mann

22. Juni 2009, 10:17
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20 Prozent aller Osteoporosen entfallen auf Männer - Deutliche Unterschiede der Krankheits-Ausprägung zwischen Mann und Frau

Pörtschach - Kranke Männer, kranke Knochen? Die Osteoporose wird traditionell vor allem bei Frauen nach der Menopause als ein enormes gesundheitliches Problem angesehen. Inzwischen entfallen laut Statistik aber rund 20 Prozent aller diagnostizierten Osteoporosen auf Männer. Während die Therapie bei Frauen nach der Menopause sehr gut abgesichert ist, besteht für Männer "ein deutlicher Forschungsbedarf", so der Wiener Experte Peter Pietschmann auf der Sommertagung der Apothekerkammer in Pörtschach.

Jede zweite Frau über 50 betroffen

Durch Osteoporose nimmt die Knochendichte und -qualität ab. Sie werden spröde und brüchig. Die Knochenkrankheit sei "extrem häufig für postmenopausale Frauen, aber durchaus auch häufig bei Männern", verwies Pietschmann. 40 bis 50 Prozent der Frauen über 50 aber auch "jeder fünfte bis zehnte Mann über 50" könne damit rechnen, im Laufe seines weiteren Lebens einen Knochenbruch zu erleiden, der auf Osteoporose zurückzuführen ist. Schätzungen gehen für Österreich von rund 750.000 Patienten aus, schilderte Leiter der Arbeitsgruppe "Knochen, Gender und Altersforschung" des Instituts für Pathophysiologie der Universität Wien.

Schleichende Krankheit

Osteoporose-typische Bruchstellen sind die Wirbelsäule, Hüftbereich mit Oberschenkelhalsbrüchen und das Handgelenk. Osteoporose gilt als "stille Epidemie" weil sich die Erkrankung zunächst nicht durch besondere Symptome äußert und die Betroffenen lange Zeit nichts vom kontinuierlichen Abbau des Skeletts merken. Forschungen der letzten Jahre hätten gezeigt, dass die Osteporose sowohl hinsichtlich ihrer Funktionsweise als auch dem klinischen Bild deutliche Unterschiede zwischen Mann und Frau aufweist, so der Wiener Forscher.

Unterschiedliche Ausprägung zwischen Mann und Frau

Bei der Ausprägung der Osteoporose würden in der Mikrostruktur der Knochen deutliche Unterschiede zwischen Mann und Frau sichtbar werden, so Pietschmann: "Während es bei den Männern mit dem Alter zu einer Verdünnung der Kochentrabekel kommt, wird bei Frauen im höheren Alter ein zunehmender Verlust der Trabekel beobachtet".

Bei Frauen basiert die Osteoporose auf ein durch Hormon- und Vitamin-D-Mangel beeinflusstes Missverhältnis zwischen gesteigertem Knochenabbau (Osteoklastenaktivität) und zu geringer Knochenneubildung (Osteoblastenaktivität). Bei älteren Männern dürfte hingegen laut Pietschmann ein "Knochenformationsdefizit", d.h. eine niedrigere Knochenneubildung ausschlaggebend sein.

Die häufigste Ursache für Osteoporose bei Frauen nach den Wechseljahren ist ein Mangel an Östrogen. Die Hormone sind für die Einlagerung von stabilisierendem Kalzium und damit den Aufbau des Knochens verantwortlich. Bei Männern entstehe die Osteoporose zu mehr als der Hälfte aus einer anderen Grundkrankheit, betonte Pietschmann. In diesen Fällen ist der Knochenschwund häufig auf Alkoholabusus, eine Glukokortikoidbehandlung oder Hypogonadismus, also einer Unterfunktion der Keimdrüsen, zurückzuführen.

"Großer Forschungsbedarf" gegeben

bei  Während es für die betroffenen Frauen eine Reihe von Medikamenten zur Behandlung gebe, sei man bei Männern mit einer "deutlich dünneren Datenlage" konfrontiert. Obwohl bereits Fortschritte in der wissenschaftlichen Bearbeitung des Themas "Osteoporose beim Mann" erzielt worden seien, existiere auf diesem Gebiet nach wie vor "ein großer Forschungsbedarf", so Pietschmann. (APA)

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    Mit zunehmendem Alter sind viele Knochenbrüche auf Osteoporose zurückzuführen

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