Dichand: Wer nicht für ihn ist, kriegt eine drüber

22. Juni 2009, 09:49
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Der 88-Jährige will seinem Sohn Christoph und seiner Schwiegertochter Eva offenbar ein rein österreichisches Imperium hinterlassen

1987, als die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) bei der "Krone" eingestiegen ist, prägte Hans Dichand den seither unzählige Male zitierten Satz: "Kein Stein wird auf dem anderen bleiben." Tatsächlich hat sich die österreichische Medienlandschaft dramatisch verändert - glücklicherweise nicht nur in die Richtung einer Stärkung des Boulevards. Oscar Bronner hat den STANDARD gegründet und die "Presse" ging an den Styria-Verlag, um sie als Qualitätsblatt für die Wochentage zu retten.

Jetzt, nach mehr als 20 Jahren, ist Dichand mit der Entwicklung unzufrieden. Er will der WAZ deren Anteil an der "Krone" wieder abkaufen. Dazu braucht er viel, viel Geld. Das schüttelt selbst ein Krösus wie er nicht so einfach aus dem Handgelenk. Umso mehr, als ihm bei den Politikern und deren Anzeigenetats ein Konkurrent erwachsen ist: die Fellner-Gruppe mit "Österreich".

Dass der österreichische Schattenpräsident mit seinem Drei-Millionen-"Volk" keinen zweiten im Buhlen um die Moneten neben sich duldet, hat Bundeskanzler Werner Faymann offenbar unterschätzt. Er wollte auch Wolfgang Fellner, dem ebenso wie Dichand nie ein Qualitätsblatt gelungen ist, unter die Arme greifen.

Also zeigt der Alte aus der Steiermark, wer der Herr im Hause Österreich ist. Ohne ihn keine Kanzlerwahl, ohne ihn keine Hofburg-Abstimmung. Mit ihm eine Kür der politischen Nachfahren der Kuenringer. Da könnte es ja noch lustig werden, sollte der Wiener Kardinal und "Krone"-Kolumnist Christoph Schönborn doch einmal nach Rom wechseln. Der "Krone"-Herausgeber würde auch dem Vatikan unmissverständlich mitteilen, wen er für den geeigneten Nachfolger hält. Er würde es noch offensiver betreiben als es unter dem Habsburger Kaiser Franz Joseph üblich war. Dass für ihn etwas um Schuhnummern zu groß sein könnte, hat ihn nie gestört. In Österreich wird entweder unterspielt oder maßlos übertrieben.

Im Lichte der hier nach der EU-Wahl geschilderten (und jetzt auch von "Profil" bemerkten) Entwicklung einer Zeitung zu einer antieuropäischen Partei mit monarchistischen Zügen zeigen Dichands Vorstöße den Charakter eines dynastisch denkenden Populisten. Vor diesem Hintergrund ist auch die Zukunft des ORF zu sehen. Wann wird Dichand in Live auch dazu was sagen? Könnte er sich einen eigenen TV-Kanal überhaupt leisten? Kann Raiffeisen angesichts der Krise weiter wie bisher mitmischen?

Anders als in der Bankenwelt und am Himmel der Fluglinien nimmt in der österreichischen Medienwelt der ausländische Einfluss wieder ab. der STANDARD ohne den Süddeutschen Verlag, die Krone vielleicht ohne WAZ, die TT schon länger ohne Südtirol.

Der 88-Jährige will seinem Sohn Christoph und seiner Schwiegertochter Eva offenbar ein rein österreichisches Imperium hinterlassen. Als Realist weiß er, dass das Ende der Krise mit dem Ende seines Lebens zusammenfallen könnte.

Also muss er sich die Politik so herrichten, dass die Macht der "Kronen Zeitung" und ihres "Volkes" abgesichert ist. Wer da nicht voll auf seiner Seite ist, kriegt eine drüber. Die Steine sollen jetzt so geschlichtet werden, wie er es will. (Gerfried Sperl/DER STANDARD, Printausgabe, 22.6.2009)

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