Iranische Internet-Zensur: Powered by Nokia Siemens?

22. Juni 2009 10:14
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Umfassende Überwachungstech­nologie des Konzerns wurde 2008 installiert - Konzern schränkt ein

Die Installation von Internet-Überwachung und Filter-Technologien wird gerne damit gerechtfertigt, dass sie ja "nur" zum Schutz vor kriminellen Auswüchsen der Gesellschaft gedacht sei, die breite Masse entsprechend nichts zu befürchten habe. Eine Argumentation, die einen nicht zu unterschätzenden Haken hat: Die Definition der Frage, was "kriminell" ist, obliegt den jeweiligen MachthaberInnen, einmal installiert gibt sie auch autoritären Regimen massive Möglichkeiten zur Unterdrückung der demokratischen Opposition an die Hand.

Blockade

Eine Situation, wie sie sich aktuell anhand der Situation im Iran verdeutlicht, mit massivem Aufwand wird dort der Internetverkehr gefiltert, um die Koordination der Proteste und die Berichterstattung darüber zu verhindern. Und auch wenn dies noch nicht vollständig gelingt, so wird doch die Benutzung des Internets im Iran zumindest erheblich erschwert.

Support

All dies mit massiver Unterstützung westlicher Konzerne: So berichtet das Wall Street Journal, dass zumindest ein Teil der Überwachungstechnologie vom Nokia Siemens Network geliefert wurde. Das Joint Venture der beiden Telekommunikationskonzerne hat erst in der zweiten Hälfte 2008 die entsprechende Technologie an den Iran geliefert und installiert, wie ein Sprecher des Unternehmens bestätigt.

Argumenation

"Das Monitoring Center war Teil eines größeren Vertrags mit dem Iran, in dem es vor allem um Mobilfunktechnologie ging", so Ben Roome, Sprecher von Nokia Siemens. Der Problematik sei man sich zwar durchaus bewusst, aber wenn man Netzwerke verkaufe, bedeute dies automatisch auch, dass sich diese überwachen lassen, rechtfertigt sich Roome. Außerdem gebe es das international anerkannte Konzept der "rechtmäßigen Eingriffe", die etwa gegen Kinderpornographie, Terrorismus und Drogenhandel helfen sollen.

Inspektion

Die Methoden, die man den iranischen Machthabern dabei an die Hand gegeben hat, scheinen jedenfalls weit jenseits von dem zu sein, was ExpertInnen bisher angenommen haben. So beschränken sich die Möglichkeiten keineswegs nur auf die Blockade unerwünschter Webseiten oder die Einschränkung von einzelnen Internetverbindungen. Statt dessen ist es mit der Monitoring-Software von Nokia Siemens auch möglich eine sogenannte "Deep Packet Inspection" durchzuführen.

Manipulation

Mit deren Hilfe kann zumindest theoretisch der gesamten - unverschlüsselten - Datenverkehr abgehört und nach Stichwörtern oder anderen interessanten Materialien wie Bilder und Videos durchsucht werden. Theoretisch ließe sich das Ganze sogar einzusetzen um von den BenutzerInnen unbemerkt den Datenstrom zu manipulieren und so gezielt Falschinformationen zu verbreiten.

Filter

Eine Situation auf die sich der Iran schon vor Jahren vorbereitet hat, bereits seit 2001 hat man sämtliche Provider dazu gezwungen Filter-Software zu installieren. Zusätzlich wird der gesamte Internetverkehr des Landes über einen zentralen Punkt geleitet, die Infrastruktur der staatlichen Telecommunication Infrastructure Co. Dies erleichtert nicht nur die Blockade unerwünschter Seiten sondern ermöglicht natürlich auch eine umfassende Überwachung an dieser einen Stelle. "Reporter ohne Grenzen" geht davon aus, dass in den letzten Jahren rund 5 Millionen Webseiten von staatlicher Seite her blockiert wurden.

Verkauf

Das Geschäft mit den Überwachungs-Tools hat Nokia Siemens übrigen mittlerweile aufgegeben, freilich nicht aus grundlegend netzpolitischen Bedenken, sondern weil man es nicht mehr als Teil des eigenen Kerngeschäfts betrachtet. Seit Ende März ist die entsprechende Software im Besitz der Münchner Investmentgesellschaft Perusa Partners. Dies bedeutet allerdings nicht, dass die beiden Unternehmen ihre Zusammenarbeit im zugehörigen Hardwarebereich beendet haben, immerhin hat vor allem Siemens seit Jahrzehnten beste Geschäftsbeziehung in den Iran.

Update, 18:30

Mittlerweile hat Nokia Siemens eine Stellungnahme zu den Vorwürfen veröffentlicht, die dem zu widersprechen scheint, was Unternehmensprecher Ben Roome gegenüber dem Wall Street Journal verlautbart hat: Darin heißt es, dass im Rahmen des Auftrags keinerlei Software zur Überwachung des Internets installierte wurde. So sei mit dem was Nokia Siemens geliefert habe unter anderem keinerlei Deep Packet Inspection möglich. Man habe  lediglich eine abgespeckte Version des Monitoring Centers geliefert, die das Abhören von Mobilfunk- und Festnetztelefonie ermöglicht. Ein Deal mit dem man sich im im internationalen rechtlichen Rahmen sieht.

Offene Fragen

Eine Stellungnahme, die freilich noch einige Fragen offen lässt, so hatte Siemens schon im vergangenen Jahr gegenüber der ORF Futurezone bestätigt, dass man die eigenen "Intelligence Solutions" primär im Nahen Osten an Regierungen und Geheimdienste verkaufe. Auch ist nicht klar, welche Hardware Nokia Siemens hier verkauft hat, und ob der Iran sich nicht einfach die passende externe Software von einem anderen Partner - oder dem neuen Besitzer der Software, Perusa - zugekauft hat. (Andreas Proschofsky [@suka_hiroaki auf Twitter], derStandard.at, 22.06.2009)

Kommentar posten
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marcellux
26.06.2009 13:41
na und?

es sind die gleichen geräte mit denen wir auch überwachtet werden!

biggerbetterfastermore
24.06.2009 22:22
wir sind alles terroristen

"Man habe lediglich eine abgespeckte Version des Monitoring Centers geliefert, die das Abhören von Mobilfunk- und Festnetztelefonie ermöglicht. Ein Deal mit dem man sich im im internationalen rechtlichen Rahmen sieht."

bei uns im fortschrittlichen westen kommt daher die vollversion zum einsatz. so sieht's also aus. es lebe die freiheit. lol.

Sven Doleschal
24.06.2009 20:54
Für Geld

verkaufen die Kapitalisten ihre eigene Großmutter.

Eine Kreatur
24.06.2009 09:24
hmmm ..

der hirnbeFREYte ist da sicherlich anderer meinung .. der sieht durch technologie ja keine erleichterung für autoritäre systeme und überwachung ..

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
23.06.2009 19:48
Solche programme

beseitigen jede privatsphäre, letztlich zuviel von dem was ein individuum ausmacht.
Das wäre masse ohne menschenrechte statt klasse.

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
23.06.2009 19:38
manchmal

ist geschäftemacherei einfach nur noch widerlich.
change.

Ray Ban
23.06.2009 14:42
Nokia firewalls

also diesen artikel finde ich eher überflüssig.
was können die firmen dafür, wenn ihre geräte zum filtern von contend verwendet werden, dieses mal halt von den "bösen" jungs. es ist nicht in der verantwortung der firmen, dass ihre geräte so konfigurierbar sind, dass man auch contend wegfiltert, der für die masse interessant wäre.
interessant ist übrigens, dass checkpoint, die software auf den nokia ips, ursprünglich ANGEBLICH vom mossad kommt (so wie ANGEBLICH zone alarm. sehr interessant, was da alles übers netz gequatscht wird, wenn man dahinter sniffer dranhängt). ev sollte der israelische geheimdienst da mal seine backdoors aktivieren.......

Fritz Wunderlich
27.06.2009 13:27

in verteidigung von siemens-nokia, hehe
vielleicht kaufboycott

Eine Kreatur
24.06.2009 09:27
ähem .. checkpoint IST ein softwareunternehmen

dass sich im dunstkreis der geheimdienste bewegt .. gerade weil sie sehr gut sind und gewisse kreise immer nur das möglichst beste haben wollen ..

Gerwin Winter
23.06.2009 17:54
Ich finden den Artikel nicht

überflüssig, da ich jetzt weiss: ich kaufe nichts von Nokia Siemens solange sie Deals mit dem Regime machen. Und es gibt schon sowas wie Moral und Ethik. Auch für Firmen.

mehr differenzierung
24.06.2009 21:09
versteh ich

aber siemens war und ist ist ja schon lange im atom business.und hat beteiligungen an dubiosen staudammprojekten. sowieso ein grund diesen konzern zu meiden

http://www.markenfirmen.com/firmen/siemens.htm

toberfrau1
24.06.2009 00:18

Wenn es um Ethik und Moral geht, dürften Sie eine Menge Produkte nicht mehr kaufen. "Zuerst kommt das Fressen, dann kommt die Moral" - gilt für Produzenten und Konsumenten gleichermaßen.

Homo urbanus
 
24.06.2009 19:55
Leider ist es in manchen Staaten immer noch so...

Insbesondere Deutschland, Frankreich - (Waffenproduktion vor Russland! Dafuer aber zuviele Ausgaben!) und Italien.
Von China sicher gar nicht zu sprechen. Die kennen moeglicherweise eine angeblich demokratische Wahl gar nicht, wobei in vielen Laendern, die als demokratisch gelten, auch in Nordamerika, in der Nacht die Urnen getauscht, gestohlen oder sonst veraendert werden.

Eine Kreatur
24.06.2009 09:29
daran werde ich denken ..

wenn sie nächtens durch die einsamen gassen wandeln und sie überfallen werden - denn ihrer meinung nach kommt ja zuerst das fressen (schnell geld machen) und dann die moral ..

sie tun sich offensichtlich schwer, soetwas wie die menschliche zivilisation zu verstehen ..

Fra Diavolo
29.06.2009 20:25

Ich glaube, daß Sie dieses Post missverstanden haben. Die Frau beschreibt ja nur wie es ist, ohne zu werten. So würde ich das jedenfalls verstehen.

Chris Huber
23.06.2009 17:34
So ist es

technologieprovider immer zur Verantwortung zu ziehen, weil deren Software missbraucht werden kann, ist nicht korrekt. Einzige Ausnahme ist Technologie, die darauf abzielt, zerstörierisch / destruktiv zu wirken.

rekrow
23.06.2009 13:04
Was soll das

Die Software ist übliche Netzwerk - Software.
Wie ich Software einsetze und nutze und einrichte ist usersach und nicht des Entwicklers.
Ich kann mit word Liebesbriefe und Drohbriefe schreiben.
Ich kann jeden Rechner und router so configurieren das er zur überwachung und als schädling eingesetzt werden kann.
Es ist eben sache das in der it alles geloggt werden muss- Ohne loggs funktioniert auch nichts. Wie ich das verwende ist usersache.

Hans-Dieter Berretz
 
23.06.2009 13:38
Ich nehme Ihre Floskelen nicht wirklich ernst,

lesen kann aber bei Ihnen sicher nicht schaden.

Deshalb meine Empfehlung an Sie

http://futurezone.orf.at/stories/268868/

damit Sie Ihren Router auf den aktuellen Stand bringen können.

Chris Huber
23.06.2009 10:43
Leider ist der Artikel etwas Einseitig

Gerade im Computerbereich lassen sich Technologien zum Guten sowohl als auch zum schlechten benutzen. Man kann mit vorgeschalteten Linux Computern in einem Netzwerk auch zensieren, überprüfen usw, ohne dass dies Linux zum bösen Tool macht.

In Deutschland läuft zur Zeit der Feldversuch für Internetzensur unter dem Deckmantel der Verhinderung der Kinderpornografie, auch hier werden bereits vorhandene Technologien benutzt, um fragwürdige Strategien umzusetzen.

Listet man hier auch alles HW/SW hersteller auf, die daran beteiligt sind?

Ich denke man muß die Verantwortung bei den Betreibern, nicht bei den Technologieprovidern suchen!

Eine Kreatur
24.06.2009 09:32
erst denken, dann posten ..

dass sich die diversen regime SICH SELBST mit mehr oder weniger aufwand was basteln können, bestreitet ja kein mensch .. aber hier geht es darum, das KOMPLETTPAKETE FÜR ZENSUR UND ÜBERWACHUNG von "westlichen", angeblich demokratisch orientierten unternehmen angeboten werden ..

aber ist ja nichts neues, dass es sich mit diktaturen, massenmord und unterdrückung im "demokratischen westen" hervorragend leben und geld verdienen lässt ..

zb. vor längerer zeit störsender aus frankreich für china, damit ja keine unerwünschten medien aus dem ausland empfangen werden können ..

Gerwin Winter
23.06.2009 17:55
Einseitig?

und sonst geht es dir noch gut? Oder findest du zensur echt toll?

0Stoney0
23.06.2009 12:15
Man möchte Siemens nicht beschmutzen

Schmiergeldskandale reichen anscheinend aus.
--
Fakt ist, daß für mich Firma Siemens als KMU und privat Person bei keiner Neuanschaffung mehr inkludiert sein will. Ich fördere keine Firma die gegen die Bevölkerung arbeitet.
--
Revenue ja, aber nicht auf Kosten von Menschenleben.

Hans-Dieter Berretz
 
23.06.2009 11:59
Vati baut Kinderspielzeug

Nicht die geringste Ahnung wo Sie die Einseitigkeit festmachen wollen, eventuell zwischen den Zeilen?

Der Artikel ist hervorragend! Einseitigkeit ist nicht vorhanden, es fehlen Wertungen oder Vorwürfe. Es wird nur beschrieben wer was macht, wozu - und welche Gefahren systemimmanent sind.

Fühlen sie sich eventuell persönlich betroffen? So wie jemand, der Tretminen herstellt aber mit deren Verwendung doch bitteschön nicht in Zusammenhang gebracht werden möchte?

Ich stimme Ihnen in einem Punkt zu. Egal ob es um die Herstellung von Tretminen, Brandbomben, als Kinderspielzeug getarnte Sprengsätze, Giftgas oder von Unterdrückungsinstrumenten moderner Art geht, die Hersteller, zu denen ich alle an der Entwicklung, der Produktion und dem Vertrieb beteiligten zähle, handeln grundsätzlich verantwortungslos!

Chris Huber
23.06.2009 17:27
Ok dann vergleichen wir mal 2 Artikel

Von der Öbb wird ebenso zensuriert. Hier lautet die Überschrift: ÖBB sperrt kritische Internetseite für Mitarbeiter. Und nicht etwa: Öbb Zensur powered by Windows / Linux / Cisco.
Die Einseitigkeit ist dort zu finden, wo man Firmen in Verbindung mit verwerflichen Taten bringt.
Das Telekommunikationsnetzwerk, das von Nokia / Siemens gestellt wurde, wurde auch verwendet, um den Widerstand zu formieren. Darauf wird im Artikel auch nicht hingewiesen, eine weitere Einseitigkeit.

Generell ist es fragwürdig, Technologieprovider an den Pranger zu stellen, deren Technologie durchaus für Gutes verwendet werden kann aber zweckentfrendet wird, an den Pranger zu stellen, und dazu wollte ich und habe ich Stellung bezogen.

Hans-Dieter Berretz
 
23.06.2009 18:08
Auch noch feige!

"Die Einseitigkeit ist dort zu finden, wo man Firmen in Verbindung mit verwerflichen Taten bringt."

Eben, mitwirken bzw. die Instrumente schaffen und dann unter keinen Umständen damit in Zusammenhang gebracht werden wollen!

Einseitig wäre es, nur die Anwender des System zu benennen.

Ihr Einwand, ein Teil des Telekommunikationsnetzwerks sein ja von den Unterdrückten nutzbar, weil es nicht gelingt die Kommunikation komplett zu unterbinden, ist absurd!

Ich hoffe, die Opposition ist nicht auch noch einseitig und bedankt sich anonym, also ohne die Namen der Firmen zu nennen.

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