Maniküre mit Folgen

  • Warum das Phänomen vorzugsweise Kinder und so gut wie nie die
Zehennägel betrifft, erklärt sich aus der übertriebenen Maniküre
nicht
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    Warum das Phänomen vorzugsweise Kinder und so gut wie nie die Zehennägel betrifft, erklärt sich aus der übertriebenen Maniküre nicht

Leukonychia punctata - krankhafte Nagelverfärbung oder harmloser ästhetischer Makel?

Hände sind das Aushängeschild für Gepflegtheit, deshalb wird in Fingernägel viel Zeit und auch Geld investiert. Wer es mit der Maniküre jedoch übertreibt, der darf mit der Bildung unschöner weißer Flecken rechnen.

Dem Dermatologen gewähren Nagelveränderungen mitunter tiefe Einblicke in den Gesundheitszustand eines Patienten. Undurchsichtig weiße Nägel können Anzeichen einer chronischen Lebererkrankung sein, aufgewölbte Nägel (Uhrglasnägel) weisen auf eine insuffiziente Herz-Lungen-Funktion hin, und die Schuppenflechte geht ihrerseits mit ganz typischen Nagelveränderungen, wie den Tüpfelnägeln (zahlreich verteilten Grübchen) oder Ölflecken (kreisförmigen Arealen, die an kleine Öltropfen erinnern) einher. Warum sich manche Krankheiten in den keratinhältigen Anhangsgebilden der menschlichen Haut manifestieren, ist bis heute nicht bekannt. Möglicherweise spielen aber veränderte Durchblutungs- oder Stoffwechselverhältnisse eine Rolle.

Pathologisch wertlos

Nicht jede Veränderung der Nägel ist auch von pathologischem Wert, manch eine ist eher ein ästhetisches Problem. In diese Kategorie der harmlosen Nagelveränderungen fällt die Leukonchyia punctata. Mehr oder minder zahlreich zieren hier kleine weiße Flecken eine beziehungsweise mehrere Nagelplatten. Ursächlich wurde und wird hinter dem typischen Erscheinungsbild ein Eiweiß-, Magnesium-, Zink- oder Calciummangel vermutet. „Die Leukonchya punctata ist eine Verhornungsstörung in der Nagelplatte, die durch eine Traumatisierung der Nagelmatrix zustande kommt", korrigiert Eckart Haneke, Dermatologe aus Freiburg, die Mär von den folgenreichen Mangelzuständen und macht übereifriges und unsachgemäßes Maniküren für die weißen Stellen verantwortlich. Was das Calcium anbelangt: „Der Nagel braucht überhaupt kein Calcium", weiß der deutsche Nagelexperte. Was die wenigsten ahnen, im Nagel ist nämlich so gut wie überhaupt kein Calcium drin.

Fingernagel hin, Zehennagel her

Warum das Phänomen vorzugsweise Kinder und so gut wie nie die Zehennägel betrifft, erklärt sich aus der übertriebenen Maniküre allerdings nicht. Denn das Zurückschieben des Nagelhäutchens ist bei Kindern nicht üblich und bei der Pediküre wird keineswegs sanfter als an den Händen manipuliert.

Dass sich unprofessionelle Nagelpflege nicht lohnt, weiß indessen jeder Mediziner. Vielen schmerzhaften Nagelbettentzündungen liegen kleine Verletzungen im Bereich des Nagelwalls zugrunde. Mal angenommen, die Leukonychia punctata hat also gar nichts mit der Maniküre zu tun, dann macht sich die Sorgfalt bei der Pflege der eigenen Nägel trotzdem bezahlt. (Regina Philipp, derStandard.at, 16.07.2009)

 

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