Der Parthenon und sein Fries

21. Juni 2009, 19:06
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Nachdem die Athener (und ihre Verbündeten) die Gefahr einer Unterwerfung durch das persische Großreich endgültig abgewendet hatten, bekamen sie Lust, sich und ihre siegreiche politische Lebensform, die Demokratie, mit einem gewaltigen Programm sakraler Bauten zu feiern. Ab 450 v. Chr. wurde auf dem uralten Burgberg, der Akropolis, ein singuläres Gebäude-Ensemble errichtet, in dessen Zentrum der Parthenon stand.

Dieser Tempel der Stadtgöttin Pallas Athene gilt als das "perfekte Bauwerk" schlechthin. Die Säulen sind z. B. schwach nach innen geneigt, weil sonst ein plumper, gedrungener Eindruck des Bauwerks entstünde. "Wir lieben das Schöne in Einfachheit", hatte der "Bauherr", der Athener Politiker Perikles, erklärt. Im Inneren stand eine zehn Meter hohe Statue aus Gold und Elfenbein der Athene, deren Form man durch kleine Kopien kennt: ein Werk des Bildhauers Phidias, der auch die künstlerische Gesamtleitung für den Parthenon hatte.

Eine weitere entscheidende Rolle im "Bedeutungsprogramm" des Parthenons spielt der Fries, eine 159 Meter lange Abfolge von (etwa einen Meter hohen) Reliefplatten, die unter dem Dach um die gesamte Innenseite des Gebäudes lief. Dargestellt ist ein Prozessionszug von 360 Personen, Reitern, Wagenlenkern, älteren Männern und jungen Frauen. Die Wissenschaft geht davon aus, dass es sich um die Prozession anlässlich des großen athenischen Festes, der "Panathenäen", handelt: Das freie Volk feiert sich selbst und seine Lebensform.

In dieser Form programmatisch aufgeladen ist natürlich der ganze Parthenon selbst (der Name - "Jungfrauengemach" - bezieht sich auf die jungfräuliche Göttin Athene, wurde aber erst später verwendet). Die athenische Demokratie war mehr als unvollkommen (stimmberechtigt waren nur männliche Vollbürger), und sie war auch zu Angriffskriegen und Massakern fähig. Aber es gab in dieser Zeit eine einzigartige Form der Bürgerbeteiligung, die in totalem Gegensatz etwa zur absoluten Despotie der Perser stand.

Der heutige Parthenon ist stark eingerüstet und wird (mit EU-Geldern) einer Restaurierung unterzogen, die noch Jahre dauern wird. Die stärksten Schäden stammen aus dem 16. Jahrhundert, als ihn die Türken als Pulvermagazin benutzten und eine Granate der venezianischen Belagerer einschlug. Die heutige Restaurierung versucht auch einen neuen Oberflächenschutz gegen Smog. (rau/DER STANDARD, Printausgabe, 22. 6. 2009)

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