"Wir brauchen keine Parallelstrukturen"

21. Juni 2009, 18:21
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Stadtrat Christian Oxonitsch will im Mangel an österreichischen Meistern aus Wien kein grundsätzliches Problem des städtischen Sports erkennen

Standard: Wien stellt in den fünf großen Mannschaftssportarten von zehn möglichen nur zwei Meister. Ist das nur Zufall, oder weist es auch auf strukturelle Probleme hin?

Oxonitsch: Grundsätzlich gibt es im Sport ein ewiges Auf und Ab. Eine Stadt wie Wien mit ihrem vielfältigen Sportangebot unterscheidet sich immer von regionalen Erscheinungen mit speziell geförderten Vereinen. Wir sollten auch nicht die vielen Nachwuchsmeisterschaften vergessen, in denen Wiener Vereine erfolgreich sind.

Standard: Die sportliche Infrastruktur in Wien steht immer wieder in der Kritik. Die Stadthalle ist alt, es fehlt eine Mehrzweckhalle. Was gedenken Sie da zu tun?

Oxonitsch: Wir investieren ja in Absprache mit den Vienna Capitals 40 Millionen Euro in der Ausbau der Albert-Schultz-Halle. Die Stadthalle wurde modernisiert. Eine Studie hat zudem ergeben, dass es keine Nachfrage für eine neue Mehrzweckhalle gibt. Die Raumressourcen sind ausreichend, da brauchen wir keine Parallelstrukturen. Bezüglich der Breite des Angebots von Sportstätten müssen wir uns nicht verstecken. In den vergangenen zweieinhalb Jahren wurden schließlich 22 Millionen Euro in diesen Bereich investiert.

Standard: Die Sportdachverbände beklagen wiederum, dass Wien die geringste Sportförderung aller Bundesländer gewährt. Was werden Sie in diesem Bereich unternehmen?

Oxonitsch: Wir fördern stark über die Infrastruktur. Das wird ganz gerne vergessen. Wir bieten den Vereinen etwa Turnhallen sehr günstig an. In entsprechende Freiflächen wird investiert. Das darf man nicht außer Acht lassen.

Standard: Rapid und die Austria wurden aber sehr wohl zusätzlich gefördert und haben stadtnahe Betriebe als Sponsoren. Liegt das an ihren politische Fürsprechern?

Oxonitsch: Sponsoren, egal woher, richten sich nach dem Werbewert. Das sind Parameter, die nicht zu beeinflussen sind. Mit Politik hat das nur wenig zu tun.

Standard: Wo wollen Sie im Wiener Sport Schwerpunkte setzen?

Oxonitsch: Zunächst im Nachwuchssport. Die Fördermittel wurden von 300.000 auf 750.000 Euro mehr als verdoppelt. Das soll zum Beispiel sicherstellen, dass Wiener Meister am Bundessport teilnehmen können. Der Ausbau und die Sanierung von Sportstätten bleibt wichtig. Schließlich müssen wir die Kindergärten, die Schulen an den Sport heranführen. Da gibt es Initiativen wie ,Athletics light‘, einen Aktionstag für alle Wiener Volksschüler, die mehr ins Bewusstsein gerückt werden müssen. (Sigi Lützow, DER STANDARD, Montag, 22. Juni 2009)

ZUR PERSON: Christian Oxonitsch (47) ist seit 26. März amtsführender Stadtrat für Bildung, Jugend, Information und Sport. Er löste in dieser Funktion Grete Laska ab.

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    Stadtrat Oxonitsch: "Wir sollten auch nicht die vielen Nachwuchsmeisterschaften vergessen, in denen Wiener Vereine erfolgreich sind."

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