Putin und die Kunst

21. Juni 2009, 18:21
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Die Expertise des russischen Präsidenten: "Damit kann man höchstens Wurst schneiden"

Zu Besuch beim Maler Ilja Glasunow verweilte Premier Putin unlängst vor dem patriotischen Bild Die Prinzen Oleg und Igor, das dieser 1973 gemalt hatte. "Putins Augen fixierten das Schwert des Prinzen", berichtet dazu die russische Nachrichtenagentur RIA. Dann erklärte er: "Das Schwert ist ja viel zu kurz. Damit kann man höchstens Wurst schneiden."

Glasunow, immerhin Rektor der Russischen Akademie für Malerei, erfasste sofort, wie er zu reagieren hatte: "Sie haben tolle Augen", sagte der 79-Jährige, und: "Ich werde das Schwert noch einmal malen." Dazu Putin: "Ja. Mir entgeht kein Detail." Tatsächlich. Angesichts solcher Expertise scheint es fast schade, dass der Premier so spät geboren wurde. So kann man sich nur ausmalen, wie deutlich er etwa da Vinci wegen des unentschlossenen Lächelns der Mona Lisa zur Rede gestellt hätte. Oder Picasso: Diese Grundprobleme mit der Perspektive hätten auch einmal ungeschminkt angesprochen gehört.

Vielleicht ist es dennoch keine gute Idee, Putin bei kommenden West-Besuchen mit zeitgenössischen Künstlern zusammenzubringen - die glauben ja, sie könnten sich alles erlauben. (Severin Corti/DER STANDARD, Printausgabe, 22. 6. 2009)

 

 

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