Verordnete Modernisierung

21. Juni 2009, 17:43
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In alter russischer Tradition soll die Modernisierung von oben verordnet werden - Von Verena Diethelm

Es müsse endlich Schluss sein mit dem Geschwätz, forderte der russische Präsident Dmitri Medwedew anlässlich seines Besuchs beim Moskauer Vorzeigeunternehmen Kaspersky. Die russische Wirtschaft müsse endlich mit dem Energiesparen anfangen, ihre Abhängigkeit von teuren Importen reduzieren und überhaupt moderner und innovativer werden.

So richtig Medwedews Bestandsaufnahme war, so falsch ist jedoch sein Lösungsansatz. Denn anstatt das Problem bei der Wurzel zu packen und die Monopole in der russischen Wirtschaft zu entmachten sowie die Bürokratie, die Ressourcen in den Unternehmen bindet und Innovationen verhindert, radikal zusammenzustreichen und die Finanzierung von Start-ups sicherzustellen, wählte der Präsident einen wenig innovativen Ansatz. In der Kreml-Administration wurde eine Kommission zur Modernisierung und technologischen Entwicklung der Wirtschaft gegründet.

In alter russischer Tradition soll die Modernisierung von oben verordnet und von bürokratischen Strukturen verwaltet werden. Dass dies nicht funktioniert, hat schon das Beispiel der vom Kreml forcierten nationalen Champions gezeigt. Die Bildung von Staatskonzernen führte nicht zur gewünschten Katalysatorwirkung, sondern zur Stärkung der Monopole. In einem wettbewerbsfeindlichen Umfeld gedeihen auch keine Innovationen. Vor diesem Hintergrund sind Russlands Verzögerungstaktiken hinsichtlich eines Beitritts zur Welthandelsorganisation WTO kontraproduktiv. (Verena Diethelm, DER STANDARD, Printausgabe, 22.6.2009)

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