Tiroler Med-Uni

Kommission: Keine Diskriminierung

21. Juni 2009 17:35
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    Foto: med-uni innsbruck

    Abgewiesen: Hochleitner wird nicht Rektorin.

Ihre Emotionalität wurde Margarethe Hochleitner wohl zum Verhängnis: Sie bewarb sich vergeblich um den Rektorsposten

Innsbruck - "Abgewiesen" , steht in dicken Lettern auf einem brisanten Bescheid: Die Vizerektorin der Innsbrucker Medizinischen Universität, Margarethe Hochleitner, hat gegen ihre Nicht-Berufung zur Rektorin protestiert - und verloren. Der Spruch der Schiedskommission liegt dem Standard nun vor. Die österreichische Rektorenschaft bleibt weiterhin ein Männerverein.

Hochleitner, seit 2005 Vize-Rektorin, galt bei der Wahl im April dieses Jahres als Favoritin. Seit Clemens Sorg im August 2008 wegen "grober Pflichtverletzungen" als Rektor abberufen worden war, leitete sie die Uni mit. Schon unter Sorg war sie für die Personalagenden zuständig. Schließlich entschied der Uni-Rat aber mit sechs zu eins Stimmen zugunsten des 63-jährigen gebürtigen Innsbruckers Herbert Lochs, der bislang die Gastroenterologie der Charité in Berlin geleitet hatte. Auf den dritten Kandidaten Wolfram Knapp, Direktor der Medizinischen Hochschule für Nuklearmedizin in Hannover, entfiel keine Stimme.

Der Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen hatte nach der Rektorswahl Beschwerde eingelegt, weil nicht nachvollziehbar gewesen sei, aus welchen sachlichen Gründen der Universitätsrat entschieden hatte - der Verdacht der Diskriminierung aufgrund des Geschlechtes liege nahe. Die höhere Eignung Hochleitners, so der Arbeitskreis, habe sich bei den jeweils vorgelegten Konzepten zu Struktur und Aufgabenverteilung im Rektorat und zur Positionierung der Universität deutlich gezeigt.

Weiters, monierte die Gleichbehandlungsstelle, sei im Hearing Hochleitners ein gegenüber Frauen oft vorgebrachtes "Totschlag-Argument" vorgebracht worden, nämlich ihre mangelnde Belastbarkeit. Im Gegensatz zu ihren beiden Mitbewerbern sei Hochleitner mehrmals aufgefordert worden, über ihre Schwächen zu sprechen.

Tränen beim Hearing

Der von der Kommission zu einer Stellungnahme aufgeforderte Uni-Rat rechtfertigte seine Entscheidung: Gegen Hochleitner habe unter anderem ihre mangelnde Auslandserfahrung gesprochen, die im Universitätsgesetz 2002 ausdrücklich als Kriterium genannt ist.

Die Bewerberin habe außerdem während des Hearings mit den Tränen gekämpft - und zwar "ohne dass man sich ihr in Artikulation oder Gestik in inadäquater Weise angenähert hätte" , wie der Uni-Rat betont. Daraufhin habe das Entscheidungsgremium im Hearing Hochleitners Emotionalität thematisiert, schließlich kämen auf den neuen Rektor oder die neue Rektorin "anstrengende Verhandlungs- und andere Stresssituationen" zu.

Die Schiedskommission kommt zu dem Schluss, dass die Emotionen der Bewerberin - hervorgerufen "offenbar auch durch teilweise unpassende Fragestellung" - den Uni-Rat wohl dazu bewogen hätten, "eine ruhige, problemlose Person" zum Rektor zu küren. Ob das objektiv gerechtfertigt sei, sei nicht entscheidend. Die Kommission ortet jedenfalls "keine Tendenz einer Benachteiligung der Bewerberin aufgrund ihres Geschlechtes" . (Andrea Heigl, DER STANDARD, Printausgabe, 22.6.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 95
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Wolfkind
24.06.2009 22:58
Mittelbauerin als Rektorin???

Was soll das Ganze überhaupt? Hochleitner, selbst bei den meisten Frauen an der Med.-Uni unbeliebt wie nur was, gehört dem akademischen Mittelbau an. Was hat so eine - gerade in einer auf Hierarchie bauenden konservativen Universität - als Rektorin zu melden? Die Herrn Professoren würden dieser kleinkalibrigen Person schön auf der Nase rumtanzen und die Med-Uni kommt nie zur Ruhe (außer zur ewigen, was ihr Ansehen betrifft!).

schoensprech
23.06.2009 15:44
wie ein trotziges kind, dass vor wut heult, wenn es nicht kriegt was es will

dabei hat sie viel gekriegt in anbetracht ihrer akademischen leistung. eine eigene abteilung, ämter, pöstelchen. andere wurden mit so wenigen publikationen nicht einmal mehr verlängert.
als personalvertreterin und personalvizerektorin war sie stets bemüht, sich das wohlwollen der mächtigen zu erkaufen. böse stimmen in der ärztekammer behaupteten der betriebsrat sei der verlängerte arm des rektorates. warum erdreistet man(n) sich plötzlich nicht genehme fragen zu stellen?
ihre unterstützung inkriminierter prof's, die wegen privatgeschäfte erfolglos gegen die uni prozessieren, war sicher genausowenig empfehlung wie uneinsichtiges schwingen der "emanzenkeule".
thats life margarethe, wer sich mit hunden ins bett legt wacht mit flöhen auf ;-)

Alexandra Lusser
22.06.2009 19:46

Frau Hochleitner war mehr als 3 Jahre lang Vizerektorin an der Med. Uni Innsbruck. Sie hat dabei allem Anschein nach allen "anstrengenden Verhandlungs- und anderen Stresssituationen" bestens standgehalten - die Argumentation des Unirates ist schlichtweg beschämend!

greenIT
29.06.2009 14:06

deshalb hat die verwaltung der medizin-uni in den letzten 3 jahren auuch so hervorragend funktioniert

Quote statt Zote
22.06.2009 20:36
Nur bei den wirklich wichtigen Sachen ist sie zusammengebrochen

Spinndoktor
22.06.2009 16:54
Es gibt nichts, ohne einen biologischen Grund,

ohne einen kleinen Selektionsvorteil und heulen statt zu kämpfen geht vielleicht zu Hause oder beim Begräbnis, als Mittel knallharter Auseinandersetzungen ist es ungeeignet. Harte Jobs für harte Leute, Weicheierdinge für Weicheier. Na und? Beides muss es geben, nur halt nicht kreuzweise ausgetauscht. Weg mit Quotenregelungen, weg mit Gegendiskriminierung, heraus mit der offenen Auseinandersetzung, das stehen die ohnehin nicht durch.

Theano
23.06.2009 10:30
Gerne

Über Siege bei offenen und fairen Auseinandersetzungen, in denen nicht der Onkel für den Neffen hinterrücks die Spielregeln manipulieren kann, kann ich mich nicht beklagen. Nehme gerne weitere entgegen.

Theano
22.06.2009 16:06
Emotionalität?

Mag ja sein, dass die Bewerberin nicht die am besten geeignete Person war. Dafür hätte jedoch eine sachliche Rechtfertigung genügt. Zu emotional? Sowohl Tränen als auch Wutausbrüche sind der Ausdruck starker Emotionalität. Geht es also nicht vielmehr um die falschen Emotionen, nämlich um "weibliche", die einer Frau nur, wenn sie keine Machtansprüche stellt, zugestanden werden und einem Mann in der Öffentlichkeit nie (siehe Petzner). Tränen wie Wutausbrüche können eine vernünftige Reaktion sein.

David Mungo
22.06.2009 12:06
Also solche Bewerbungsgespräche sind wirklich das Letzte

Ob da jemand diskriminiert wurde, ist für mich nebensächlich. Es spricht jedenfalls für die Bewerberin, dass ihr das Hearing einfach zuwider war. Und genau dehalb sage ich ihr: Vergiss nie, dass Arbeit nicht glücklich macht.

hcl
22.06.2009 12:45

Im Prinzip ist der Rektorsjob eigentlich eh für jeden Wissenschaftler das Letzte. Wer will schon freiwillig eine Hure der Politik sein.

Lloyd Cole 1
22.06.2009 11:29

Nur gut, dass mindestens zwei der drei Universitätsrätinen ebenfalls gegen Hochleitner gestimmt haben. Wie schon unten jemand ganz richtig geschrieben hat: Allein die Voraussetzungen für die Bewerbung als RektorIn hatte sie eigentlich nicht erfüllt (Wissenschaft, Drittmittel, Auslandserfahrung: unter dem Durchschnitt bzw. Null!), deshalb war ihre Nominierung durch den Senat schon eigenartig genug. Ihre paar Tränen, die das Fass vielleicht zum Überlaufen gebracht haben, werden hier grundlos aufgebauscht.

alte frau
22.06.2009 10:19

hätte ein mann geweint, hätte er sich nicht mal getraut sich zu beschweren - so sehr hätte er sich geschämt - und das zurecht!

kelte
22.06.2009 14:21

weinen ist eine normale menschliche regung wenn sie das jemanden aberkennen dann haben sie wirklich probleme... ich rate ihnen einen psychiater aufzusuchen

Anna Gramm
22.06.2009 09:48
Glück gehabt

hat vielleicht Frau Dr.in Hochleitner. Denn wenn man ihr bereits beim Hearing mit Feindseligkeit begegnet, wäre es ihr später keinen Deut besser ergangen. Ihr bleibt vieles erspart. Es wäre wahrscheinlich nichts unversucht geblieben, sie wieder aus ihrer Position zu ekeln. Dass einer mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichneten Frau bei einem Hearing die Tränen kommen, spricht weniger für Depression als für fassungslose Wut, die einen überkommt, wenn man auf Borniertheit, Ignoranz und Häme stößt. Wie auch die Reaktionen mehrerer Poster zeigen, disqualifiziert Fr. Hochleitner schon ihr bloßes Aussehen. Oder doch eher ihr Engagement in Frauenfragen?

Marlon63
22.06.2009 12:48
waren sie dabei...?

Haben Sie die Fragestellunge verfolgt? Oder mutmassen Sie nur wie es wohl gewesen sein könnte? Scheint nämlich so. Borniertheit, Ignoranz und Häme? Wie genau ging das im Hearing von statten? Bitte erleuchten Sie uns mit Ihrem Detailwissen!!!

Ich brech' die Herzen der stolzesten Frau'n
22.06.2009 13:33
Die weibliche Op ferrolle macht hier vielen Damen das

Leben leichter - http://derstandard.at/124446112... id13298969

Quote statt Zote
22.06.2009 10:02
Engagement in Frauenfragen führt zum Absturu


Wie gerade die Grüninnen vortanzen. Genderstudies sind keinerlei Reputation, eher Ausschlusskriterium.

Spinndoktor
22.06.2009 16:59
D'accord

wer sich gegen die Natur wendet, wird durch die Natur gemassregelt werden. Alles wird gut, alles kracht zusammen, vom Übermut geschaffen, in völliger Ignoranz gegenüber den unabänderlichen Regeln. Sie werden sublimiert, verwässert, versteckt, geleugnet. Das Ergebnis ist Krankheit, Perversion, Unzufriedenheit, Krieg und Zerstörung. Zuerst in uns, dann draußen. Willkommen zum Absturz, der letzte scheinbare Triumph ist teuer erkauft!

voigt-kampff
22.06.2009 09:17
Wo ist das Problem?

Lochs war in jeder Hinsicht der bessere Kandidat (z.B. Publikationslistung). Dafür, dass er Sperma und nicht Eizellen produziert, kann er wohl wirklich nichts (obwohl, wenn ich mir den Tschänderwahnsinn an den heimischen Universitäten so anschaue...).

nina yankow
22.06.2009 14:26

die wissenschaftlichen publikationen sind für den rektorsposten nachrangig - es geht immerhin um leitung und positionierung einer UNI, und nicht um die leitung eines instituts oder einer forschungsabteilung.
die "vorgelegten Konzepte zu Struktur und Aufgabenverteilung im Rektorat" (vgl. artikel oben) ist für den erfolg der rektorsarbeit weitaus wichtiger als die bisherigen wissenschaftlichen papers im jeweiligen fachbereich.

Feindbild
22.06.2009 12:59
Niemand produziert seine eigenen Eizellen.


Die sind schon von Geburt an vorhanden.

Bodo Steinbrech
 
22.06.2009 13:43
da sie nicht von der Zeugung an vorhanden sind

müssen sie wohl irgendwann erzeugt worden sein.

Alles spricht dafür, dass sie von den weiblichen Embryos selbst erzeugt werden.

Wenn sie andere Informationen haben bin ich interessiert daran.

Feindbild
23.06.2009 08:51
"Dafür, dass er Sperma und nicht Eizellen produziert.."


Es ist also, streng genommen, davon auszugehen, dass Sie der Meinung sind, dass ein 63jähriger Herr Lochs Sperma produziert und als 63jährige Frau Loch Eizellen produzieren würde.

Eine 63jährige ist kein Embryo mehr!

glenkill
22.06.2009 10:27
Doktor.in

ich bin gespannt wann die ersten beginnen zu versuchen, aus dem künftigen Master für Frauen eine Master.in zu machen (wie bei Magister, Magistra usw)

Das zeigt schon einiges an Boerniertheit, weil um die Sache der Frauengleichheit kann es hier nicht gehen. Form schlägt auch hier Inhalt. Form ist ja auch leichter herzustellen.

PegasusNbW
22.06.2009 10:43
Nun ja

Wenn man es genau nimmt, ist die "Dr" eigentlich die Kurzform für das lateinische Doctor (nicht für das deutsche Doktor), was man ja an den "längeren" Abkürzungen wie Dr. rer. soc. oec., Dr. med. univ. usw. sieht.

Dann wäre aber die weibliche Form "Doctrix" (vgl. victor - der Sieger, victrix - die Siegerin) - ergo: die Abkürzung "Dr.in" ist eigentlich ein Blödsinn. Es müsste "Dr.ix" heißen.

Beim "Master" ist die Sache eigentlich klar, da - rein grammatikalisch - die weibliche Form von "Master" "Mistress" ist. Dieses Wort hat aber leider auch eine andere Bedeutung und ich bin mir nicht sicher, ob sich die Akadmeikerinnen gerne zur Mätresse der Kunst oder der Wissenschaft machen lassen. Evtl. können mir da Genderkundige Auskunft geben...

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