"Insgesamt geht es um Millionenbeträge"

21. Juni 2009, 17:15
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Islamische Glaubensgemeinschaft droht Streit über die Verwendung der Budgetmittel

Wien - In der Islamischen Glaubensgemeinschaft braut sich wenige Monate vor dem Abgang von Präsident Anas Schakfeh ein Streit zusammen. Der Anlass: Am kommenden Samstag soll der Schura-Rat, eine Art Parlament innerhalb der Gemeinde, unter anderen auch den finanziellen Abschlussbericht des sogenannten Obersten Rates absegnen, dessen Vorsitzender Schakfeh ist.

Schura-Rat-Mitglied Aly El Ghoubashy - übrigens jener Feldkircher Religionslehrer, der vor wenigen Monaten von der Glaubengemeinschaft als Pädagoge gefeuert worden ist, weil er die Führungsspitze um Schakfeh im Gespräch mit dem Standard heftig kritisiert hatte - argwöhnt, dass in den letzten acht Jahren, "viel Geld in schlechte Projekte" geflossen sei wie etwa in umstrittene Schulbücher. Ebenso, meint er, wurden völlig unqualifizierte Lehrer von der Gemeinde dennoch fortgebildet. "Insgesamt geht es hier um Millionenbeträge - und darüber will ich bei dieser Sitzung diskutieren."

Seiner Bitte, ihm Informationen zur Gebarung vorab zu übermitteln, wurde allerdings nicht nachgekommen. Konkret wollte das aufmüpfige Schura-Rat-Mitglied Auskunft darüber haben, wohin, auch in welche Bundesländer, Mitgliederbeiträge, Spenden und diverse Förderungen seit 2001 - also in der Ära Schakfeh - geflossen sind. Doch keine Chance: "Für die Kontrolle der Finanzen der Religionsgemeinden ist nach der gültigen Verfassung (Art. 38 § 6) der Oberste Rat zuständig" , wurde El Ghoubashy vom Vorsitzenden des Schura-Rates, Fuat Sanac, per E-Mail bloß beschieden.

Kritik an Absenzen

Schakfeh wiederum rechtfertigt die Verweigerung des Finanzberichts im Standard-Gespräch so: "El Ghoubashy weiß nicht, wie solche Sitzungen normalerweise vor sich gehen. In den letzten acht Jahren war er ja nur einmal anwesend." Nachsatz: "Wenn der Finanzminister das Parlament über sein Budget informiert, legt er dieses vorher ja auch nicht jedem Abgeordneten einzeln vor."

Zu seinen Absenzen bei den bisherigen Tagungen des Schura-Rates erklärt Ghoubashy: "Bitte, ich habe ja erst vor einem Jahr überhaupt erfahren, dass ich als Vorarlberger Mitglied des Schura-Rates bin!" Übers Internet, auf der Homepage der Gemeinde, sei er auf diese Information gestoßen, niemand hätte ihn vorher darauf aufmerksam gemacht.

Im Gegenzug legt Ghoubashy den Finger auf einen anderen wunden Punkt der Gemeinde: Die genaue Anzahl der Mitglieder des Schura-Rates sei bis heute nicht zu eruieren. Mal werden in den offiziellen Listen 32, mal 30, dann wieder 29 Mitglieder ausgewiesen. Schakfeh selbst ist übrigens auch keineswegs in der Lage, zu beziffern, wie viele Köpfe nun tatsächlich dem wichtigen Entscheidungsgremium angehören. Er sagt: "Ich glaube, es sind 32 - oder 33." (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, Printausgabe, 22.06.2009)

 

der Standard Webtipp: www.derislam.at

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    Anas Schakfeh, Präsident der islamischen Glaubensgemeinschaft, verteidigt die Finanzen.

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