Wie auf Schienen

21. Juni 2009, 16:52
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Im Blaufränkischland im Burgenland sind Fahrrad-Draisinen so alltäglich wie Weinberg-Traktoren

Die wahnsinnige Suche nach dem Fahrrad mit dem geringsten Gewicht hat im Mittelburgenland ihr Ende gefunden. Jedes Dorfradl ist leichter als eine Fahrrad-Draisine. Dafür macht letztere viel mehr Spaß. Fahrradfahren wie auf Schienen.

Am besten reist man nach Oberpullendorf natürlich mit dem Fahrrad an. Ist das aber zum Strampeln zu weit, kann man ganz themenbezogen auch mit dem Zug nach Horitschon kommen. Von dort gibt es ein Shuttle nach Oberpullendorf, und am Ende der Tour kommt man eh wieder nach Horitschon zurück. Verfahren kann man sich ja dazwischen nicht.

In Oberpullendorf wählt man aus acht Draisinen-Modellen aus. Die Standard-Draisine ist für vier Personen und hat zwei Antriebe. Die Familien-Draisine ist für fünf Personen ausgelegt, hat ebenfalls zwei Antriebe, aber für den Sprößling eine Sitzbank mit Sicherheitsgurten im Blickfeld der Fahrer. Die Geburtstagsdraisine hat drei aufmontierte Radln, mit denen die besten Freunde den auf glücklich machenden Befeierten, der auf einem Sofa sitzt, durch die Gegend führen. Aus dem verbauten CD-Player dröhnt dazu "Happy Birthday" oder "Es fährt ein Zug nach Nirgendwo" - je nachdem, was man halt mitgenommen hat. Sektkühler und Sektgläser sind auch an Board.

Für Gruppentherapien eignen sich die Modelle V7, V9 oder V10, wobei die Zahl nach dem V die Anzahl der Personen angibt, die auf der Draisine Platz finden. Treten müssen auf der V7 drei, auf der V9 und der V10 jeweils fünf Personen. Die anderen bedienen am V10 das Bierzapfgerät. Schlichter sind die Modelle V7 und V9: Hier gibt es nur eine Halterung für eine Bier- oder Weinkiste...

Eine Kiste ist auch auf der Railjet-Draisine, aber keine für Bier oder Wein, sondern eine Windschutzkiste, welche die Draisine wie einen zu heiß gewaschenen Railjet wirken lässt. Das ist dann umweltschonendes Zugfahren für zehn Erwachsene und zwei Kinder auf nicht elektrifizierten Eisenbahnabschnitten im Burgenland.

Es gibt auch ein Modell für Rollstuhlfahrer. Alle Draisinen können zusammengekuppelt werden und kosten von 50 Euro für die Standard-Draisine an einem Wochentag bis zu 174 Euro für die Railjet-Draisine an einem Samstag, Sonn- oder Feiertag.

Aber ganz egal, welcher Wochentag gerade ist, die Strecke führt zwischen Oberpullendorf und Horitschon auf der alten Bahnstrecke durch Stoob, Neutal, Markt St. Martin, Weppersdorf, Lackenbach, Unterfrauenhaid und Lackendorf Raiding. In den Ortschaften kann man die Draisine selbst vom Gleis nehmen und sich die Sehenswürdigkeiten anschauen, wie die Burgruine Landsee in Markt St. Martin, das Töpfermuseum in Stoob, das Schloss in Lackenbach, das Lisztmuseum in Raiding oder eine der vielen Kirchen und Kapellen am Weg.

Und eh klar, gibt es bei den Stationen auch Gastrobetriebe, die gerne mit einem kühlen Bier aufwarten. In fast jedem Ort gibt es eine Vinothek - eh logisch, mitten im Blaufränkischland ist man stolz auf seinen Wein. In Neckenmarkt gibt es neben der Ortsvinothek ein Museum mit Weinkeller, und in Horitschon befindet sich der erste burgenländische Rotweinlehrpfad.

Mit dem Bier und dem Wein auf der Draisine, den Weinverkostungen, Gastrobetrieben und vor allem einem degustativen Besuch von Horitschon kommen dann beim geneigten Schluckspecht schon ein paar Promille zusammen. Und: Wenn Sie jetzt auch noch wissen, dass nur an allen ungeraden Tagen die Tour in Oberpullendorf beginnt und im Weinort Horitschon endet und es an allen geraden Tagen in Horitschon losgeht, dann verstehen Sie auch, warum man hier die Radln auf Schienenfahrzeuge gebaut hat, die weder vom Weg abkommen, umfallen, noch sich verfahren können. (Guido Gluschitsch)

  • Bunt und lustig sind die Draisinen in Oberpullendorf. Aus der Geburtstagsdraisine erklingt sogar ein "Happy Birthday".
    foto: draisinentour

    Bunt und lustig sind die Draisinen in Oberpullendorf. Aus der Geburtstagsdraisine erklingt sogar ein "Happy Birthday".

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