Anleger suchen Hoffnung in Islamic Finance

21. Juni 2009, 17:22
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Die streng regulierte Veranlagungsform bleibt von der Krise aber nicht verschont

Wien - Das Verhalten der Anleger hat sich durch die Finanzkrise geändert. Einfach verständliche Produkte mit wenig Risiko sind wieder gefragt. Von dieser Strategie profitierte zuletzt vor allem der Bereich des Islamic Finance.

Und das, obwohl Islamic Finance eine Nische im Finanzmarkt darstellt, die so streng reguliert ist wie kaum ein Sektor der Geldbranche. Die Vorgaben für das Geschäftsmodell geben Interpretationen des Korans (die durch das Scharia-Board erfolgen), des heiligen Buches der Muslime. Zinsen dürfen etwa nicht erwirtschaftet werden. Beteiligungen an Unternehmen, die Kontakt mit Glücksspiel, Schweinefleisch, Alkohol, Tabak, Waffen und Prostitution haben, sind verboten. Auch mit Derivaten, Leerverkäufen, Termingeschäften oder Subprime-Krediten haben sich islamische Banken nie beschäftigt. Denn gehandelt werden darf nur, was einen realen Gegenwert hat.

Angesichts des ungebrochenen Zustroms an Anlegern könnte die Branche im kommenden Jahr sogar die Ein-Billion-Dollar-Grenze überschreiten. Laut der Beratungsgesellschaft Booz & Company wächst allein der Markt mit Fonds, die nach Regeln der Scharia anlegen, um bis zu 20 Prozent jährlich.

Laut dem aktuellen Ernst & Young Islamic Funds & Investments Report sind jene Assets, die Scharia-konform veranlagt wurden, im Vorjahr auf 736 Milliarden Dollar (528 Mrd. Euro) gestiegen - ein Jahr davor lag der Wert noch bei 267 Milliarden Dollar.

Weniger Angebot

Von der Finanzkrise ist Islamic Finance allerdings nicht verschont geblieben. Das macht sich vor allem im Produktangebot bemerkbar. Die Zahl der neu lancierten Fonds ist stark rückläufig, und auch die islamischen Aktienindizes wurden von den Turbulenzen an den Börsen mitgenommen.

Ausgewirkt hat sich das auch auf die Renditen Islam-konformer Produkte. 2008 erlitten die Fonds im Durchschnitt Verluste von minus 39 Prozent. Noch im Jahr davor verdienten Islamic Funds im Schnitt 23 Prozent, heißt es in der Ernst-&-Young-Studie. Die Folge: 25 Fonds wurden bis zum ersten Quartal 2009 geschlossen.

Schuld an der schlechten Performance war das verhältnismäßig große Engagement in Rohstoffwerten. Vor allem der Verfall des Rohölpreises hat die Performance vieler Produkte ins Minus gezogen.

Anleihefonds, die in Islamic Bonds investieren, verdienten zuletzt immerhin noch ein Prozent (nach drei Prozent im Vorjahr).

Mit einem momentanen Fondsanteil von 19 beziehungsweise 23 Prozent blieben Saudi-Arabien und Malaysia die Zentren der religiösen Fonds, so die Analysten von Ernst & Young. Beide Länder verwalten demnach Koran-konforme Fonds von in Summe 23,5 Milliarden Dollar. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Printausgabe, 22.6.2009)

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