Ein Ei und zwei Streithanseln

21. Juni 2009, 14:13
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"Ich bin der, dem das Ei gehört. Ich habe es als Erster gesehen", argumentiert Flip. "Es ist meins. Ich habe es als Erster berührt", kontert Flop. So geht das hin und her.

Kinder - Erwachsene im Übrigen leider auch - können praktisch über alles streiten. Der Lieblingssatz in der Kindergruppe, wenn wieder einmal Ärger angesagt war, ist: "Dann bin ich nicht mehr deine Freundin." Bei den Eltern wird das Ganze natürlich adaptiert: Das Kind will nie, nie wieder zusammen etwas spielen, zum Beispiel. Im Bilderbuch von Tad Hills wird auch gestritten. Flip und Flop, zwei Vogelkinder, ringen miteinander. Um ein Ei, also eigentlich für jedermann ersichtlicht um einen Ball, aber die zwei brauchen für diese Erkenntnis länger. So ein großes Ei ist daher auch der Titel des Buches. "Ich bin der, dem das Ei gehört. Ich habe es als Erster gesehen", argumentiert Flip. "Es ist meins. Ich habe es als Erster berührt", kontert Flop. So geht das hin und her. Die einzig Vernünftige ist ein blaues Vogelmädchen, das dazu stößt und mit dem bunten Ball spielen will. Das eigene Kind findet den Vogel-Streit lustig, meint sogar, er sei unnötig. Stimmt. Wie so viele Streite am Spielplatz, im Kindergarten usw ... Im besten Falle folgt auf den Ärger die Versöhnung.

Die darf natürlich im Buch (gedacht ist es für Kinder ab dem vierten, fünften Lebensjahr) nicht ausbleiben. Flip und Flop jagen am Ende der Geschichte gemeinsam dem Ball nach. Nein, durch das Buch wird kein dauerhafter Friede in der Kinderwelt eintreten. Es hat aber immerhin zum Nachdenken über Gezänke angeregt. Das ist viel. Und lustig ist die Geschichte obendrein. Was will man mehr? (Peter Mayr/DER STANDARD-Printausgabe, 6.6.2009)

Tad Hills
"So ein großes Ei"
13,30 Euro, 32 Seiten
Sauerländer Verlag, Düsseldorf 2009

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