Eine Landmaus besucht die Stadt

21. Juni 2009, 14:03
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"Liebe Landmaus, bitte komm doch eine Weile zu mir in die Stadt", schreibt die Stadtmaus ...

Kaum ist ein Kind da, verändern sich gewisse Positionen wie von selbst: Auf einmal wird etwa von einem eigenen Garten geträumt oder Ähnlichem. Am Motto "Beton ist auch ein schönes Stück Natur" wird innerlich weiter festgehalten - und dann ein Bauernhof besucht. Ein ganzes Wochenende lang. Das muss genügen. Papa wird zur Sicherheit ein paar Bücher einpacken. Der umgekehrte Fall ist Thema des hier besprochenen Bilderbuches: ein Stadtausflug. Die Einladung erging schriftlich: "Liebe Landmaus, bitte komm doch eine Weile zu mir in die Stadt", schreibt die Stadtmaus. Kleine Maus - Große Stadt heißt das Buch von Simon Prescott. Anfangs ist die Stadt unüberschaubar und gefährlich: "Da waren so viele Menschen, aber niemand hielt an, um ihr den Weg zu zeigen."

Erst als der Freund endlich auftaucht, zeigt sich die Stadt von einer anderen, schönen Seite. Prescott erzählt in großflächigen Bildern. Die Texte sind kurz, auf das Nötigste beschränkt. Das Buch ist ja auch für Kinder ab dem dritten Lebensjahr konzipiert. Wer sich also aufs Vorlesen beschränkt, braucht geschätzte zehn Minuten (nur erlaubt, wenn rasch geschlafen werden soll!). So versäumt man die großartigen Zeichnungen, den Blick beispielsweise über die Stadt. Einziger Wermutstropfen: Die Conclusio des Buches scheint eher als Credo des Provinzialismus zu taugen. Der Schlusssatz lautet nämlich: "Es gibt eben keinen besseren Ort, als das eigene Zuhause." Das wird zu Hause beim Vorlesen relativiert werden. (Peter Mayr/DER STANDARD-Printausgabe, 23.5.2009)

Simon Prescott
"Kleine Maus - große Stadt"
13,30 Euro, 28 Seiten
Edelkids, Hamburg 2009

 

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