Nimmersatte Raupe in Pop-up-Version

21. Juni 2009, 13:58
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Da kann die Leserschaft die Raupe übers Blatt wandern lassen und zuguterletzt den farbenfrohen Schmetterling bewundern

Hier wird nicht gespeist, hier wird gefressen. Torten, Wurst und Käse und so weiter - bis die Übelkeit kommt. Der Name ist Programm: Die Raupe Nimmersatt heißt das Buch von Eric Carle. In über dreißig Sprachen übersetzt und millionenfach verkauft, ist es auch heute noch ein Renner unter den Kinderbüchern. Die Geschichte klingt banal: Erzählt wird das Leben eines Schmetterlings vom Beginn an - also als kleines Ei auf einem Blatt. Dazwischen frisst dieses kleine grüne Etwas. Wer eine tiefgehende Moral sucht, könnte argumentieren, hier werde gezeigt, dass sinnloses Vollfressen nicht gut ist. Oder dass aus etwas Hässlichem eine Schönheit entstehen kann. Jetzt, zum Vierzig-Jahr-Jubiläum, hat der Verlag eine Pop-up-Version herausgebracht. Da kann die Leserschaft (ab drei Jahren) die Raupe übers Blatt wandern lassen, sieht, wie dick sie später ist, kann den Kokon begutachten und zuguterletzt den farbenfrohen Schmetterling bewundern.

Wie immer gilt für derartige Bücher: Nie aus der Hand geben! Das eigene Kind zerrt an den Schiebern, dass einem ganz schwummrig wird, biegt den Aufklappkarton in die falsche Richtung oder blättert überhastet, schlampig um. "Vorsichtig", "Niiicht!" und "Warte, ich mach das" sind die väterliche Begleitung beim Abenteuer Pop-up. Es gibt natürlich auch ganz andere Buchversionen, die für Kinderhände besser geeignet sind. Die Schönheit des Schmetterlings ist aber als Pop-up wohl unübertrefflich. (Peter Mayr/DER STANDARD-Printausgabe, 16.5.2009)

 

Eric Carle
"Die kleine Raupe Nimmersatt"
20,50 Euro, 26 Seiten
Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2009

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