Der Magnetismus der Bücher

21. Juni 2009, 13:42
posten

Heinz Janisch erhielt im Mai den Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2009. Der Schriftsteller ist davon überzeugt, dass sich Kinder auch in Zukunft nicht vom Lesen abhalten lassen.

Wien - In Finnland, erzählt der kleine Finn, schmeckt das Brot nach Erdbeeren, und die Bäume verbeugen sich, wenn ein Bär vorbeikommt. Das alles weiß Finn einfach so. "Nur Erwachsene müssen erst überall hin", heißt es in Finns Land von Autor Heinz Janisch und der Illustratorin Linda Wolfsgruber. Eines von fünf Büchern, für das der Burgenländer Janisch heute, Dienstag, in Gleisdorf den Österreichischen Kinder- und Jugendliteraturpreis 2009 verliehen bekommt.

Janisch erhält diesen Preis zum wiederholten Mal. Eine "Wertschätzung für Bücher, die in keine Schublade passen", sagt Janisch, denn "Kinderliteratur ist nicht nur für Kinder." Es habe sich in der Kinderliteratur, wo früher das Diktum "pädagogisch wertvoll" vorrangig war, in den letzten Jahren viel geöffnet. Bilderbücher wurden zu Kunst und Literatur, werden von Künstlern mit Werken illustriert, die gleichberechtigt neben den Texten stehen. Doch obwohl sie so vielfältig geworden sind, werden Kinderbücher immer noch wenig wahrgenommen, sagt Janisch. "Der genaue, kontinuierliche Blick findet leider nicht statt."

Er werde oft gefragt, weshalb er für Kinder schreibe. Eine absurde Frage - umgekehrt würde doch auch niemand einen Schriftsteller fragen, weshalb er für Erwachsene schreibe. Oder besser, weshalb er nicht für Kinder schreibt. "Ich glaube, viele Kollegen trauen sich das nicht. Man muss da sehr genau mit Sprache umgehen, sehr konzentriert sein. Man kann weniger schummeln. Kinder sind ja so ehrlich und gnadenlos kritisch ..."

Für Kinder verwendet Janisch gerne den Begriff des "Anfangens": "Kinder fangen an zu spüren, zu schauen, zu leben, sich zu ärgern - alles ist neu und groß, da reagieren sie sofort!" Heinz Janisch ist der Kontakt zu seinen jungen Lesern wichtig. Nach der heutigen Preisverleihung bleibt er noch einige Tage für Lesungen in Gleisdorf. Auch sonst besucht er regelmäßig Kindergruppen und Schulklassen.

Nächtlicher "Dauerkritzler"

Heinz Janisch, 1960 in Güssing geboren, gestaltet im Hauptberuf als Ö1-Redakteur die Reihe Menschenbilder. An den Kinderbüchern arbeitet der "Dauerkritzler" nachts und an Wochenenden. Zum Schreiben kam er übers Lesen: Als Schüler hat Janisch die Bücher aus der Bibliothek seines Vaters und aus der Schule verschlungen. "Es gab viele Bücher bei uns zu Hause, und ich merkte, wie schön es war, in die Geschichten hineinzugehen. Bücher sind wie Wundertüten!"

War eine Geschichte vorbei, schrieb er schon als Kind gerne Fortsetzungen. "Ich habe einen Zettel hinten ins Buch gelegt, wie es weitergehen könnte." Im Umfeld der Kinderzeitschrift Weite Welt hat Janisch dann als Student Autorinnen wie Mira Lobe, Renate Welsh und Käthe Recheis kennengelernt, die ihn zu Kinderbüchern ermutigt hätten.

Janisch bedauert lediglich den geringen Stellenwert, den Literatur und Kunst für Kinder hat. "Ein Gesellschaftsproblem!" In den Medien fände Kinderliteratur etwa nur anlassbezogen statt. Und in Buchhandlungen wären Kinderbücher eher wie Gebrauchsgegenstände sortiert: Ab drei, ab sieben, ab elf Jahren. Trotzdem legt Janisch großen Wert auf eine positive Einstellung zum Leseverhalten der Kinder. "Die Bücher holen einen magnetisch zurück." Und: "Ich kenne Kinder, die einen Gameboy haben und ein Lieblingsbuch." (Isabella Pohl/DER STANDARD-Printausgabe, 5.5.2009)

  • Der Schriftsteller Heinz Janisch über das Schreiben von Büchern für Kinder und Jugendliche: "Man kann weniger schummeln."
    foto: robert newald

    Der Schriftsteller Heinz Janisch über das Schreiben von Büchern für Kinder und Jugendliche: "Man kann weniger schummeln."

Share if you care.