Mahlzeit mit Nachtigallen

21. Juli 2009, 16:25
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Harald Fidler hat das Friaul längst noch nicht restlos ermundet: In der Trattoria Al Cjant dal Rusignul hat die Wildsau Saft und die Schoko prickelt

Herr Sodoma kann sehr bestimmt werden. Sag ich Friaul, sagt er: Al Giardinetto. Und: Schönen Gruß von mir. Bei Herrn Sodoma kann ich ja an sich nicht nein sagen. Aber dann kam der Herr Völker ins Spiel. Friaul, schreib ich ihm, der Ständigen Vertretung des STANDARD in Nordostitalien, quasi. Und der schreibt dann zurück. Ein Sodoma, ein Wort; der Völker, ein Wörterbuch zum Friaul. Dass man statt zwei Tagen zwei Wochen bleiben müsste. Gut, dass ich ein paar seiner nachdrücklicheren Tipps schon schmatzend abgearbeitet habe.

Völker begann so: "Giardinetto gilt als eines der besten lokale in der ganzen gegend, ein bisschen luxy, aber nicht sehr. Ich war drei mal dort und drei mal war es nicht gut. Vielleicht hab ich aber auch drei mal pech gehabt.ist sicher noch einen versuch wert." Dann, dachte ich, lass ich dem Völker den Vortritt mit dem vierten Versuch, und wenn der klappt, dann schau ich vorbei. Oder einfach das nächste Mal. Denn Völkers Liste ist lang und klingt streckenweise fast so verpflichtend wie der Herr Sodoma.

Also weiter in Völkers Tipp-Text: "In der gleichen kategorie ist übrigens das Al Cacciatore-della Subida, nur auf den berg rauf hinterm al poc, sicher gut, auch nicht billig." Das ist nicht nur sicher gut, sondern garantiert, jedenfalls bei meinem letzten Besuch war's das, und der ist so lang nun auch wieder nicht her. Meine Begeisterung können Sie hier nachlesen. Jene über Da Mario in Prepotto (Völker: "immer lustig, schweinsbraten mit fenchel) wiederum hier, ebenso die über die tollen Rohheiten im Campiello in San Giovanni al Natisone. Das hat mir der Herr Sodoma übrigens beim letzten Mal mit mindestens soviel Nachdruck ans Herz gelegt, und das völlig zurecht. Hätte ich doch ins Giardinetto gehen sollen, in Cormons? Wo wir doch eh dort übernachtet haben?

Hätti-wari: Der Völker hat noch geschrieben, "das mag ich besonders". Und zwar die Trattoria Al Cjant dal Rusignul in Mernico. Der ausgefranste Name - lokaler Dialekt, heißt zum Gesang der Nachtigall - spricht ebenfalls für einen Besuch. Und dass die Betreiber auch ein eigenes Weingut haben, Ferrucio Scubin, schadet auch nicht. Der Schluck Friulano zum Willkommen, Tocai dürfen sie ja nicht mehr draufschreiben, von wegen Ungarn und EU, vom Haus war sehr nett. Nach der langen Fahrt brauchten wir für den Kreislauf aber Kohlensäure. Ich hoffe, wir haben mit unserem Schaumweinwunschg die Wirtsleute nicht vergrämt. Sah aber nicht so aus.

Zum Einstieg kam an unseren Tisch, gleich am offenen Feuer, eine Kürbisnudel, ein Fagottino, um genau zu sein, relativ süß, aber auf der Basis kann man weiterarbeiten. Ein Spargelfllan (Sformatino) mit Salsa uovo, also auf relativ reichhaltiger Eierbasis, sie merken am Spargel, der Besuch ist auch schon ein paar Tage her. Zellersalat mit Kren und Schinken aus St. Marco (in der Nähe von Palmanova), feine Sache.

Der Rollgerste-Risotto mit Spargel freut die Fleischlosen, mich die Ravioli in Fasan-Sauce schon deutlich mehr. Kein Fall für drei begeisterte Rufzeichen in der Schmecks-Wertung, aber eineinhalb bis zwei kann ich da schon vergeben. Und das Filet vom Wildschwein bekommt definitiv ein zwei plus: saftig, zart, zählt jedenfalls zu den besten Wildsäuen meines Lebens.

Bis die regionaltypische Gubana auf den Tisch kommt, hier nicht mit Slibowitz, sondern Grappa getränkt und so gleitfähig gemacht, ein ohne Sprit relativ trockener Friulaner Germkuchen mit Rosinen und Nüssen, vertreibt man uns die Zeit mit kleinen, schokoladigen Bällchen, die im Mund prickeln sollen. Hat was mit Kohlensäure zu tun, hör ich heraus. Ich hätt die quasi molekulare Mini-Einlage ja nicht gebraucht, aber bei Festen und Feiern gibt's mit dem Zeug immer großes Bohei, versichert man uns. Wahrscheinlich kennt das eh jeder außer mir Süßigkeitenbanausen.

Was hat Völker noch empfohlen? Ungeprüft kann ich natürlich keine Empfehlungen weitergeben. Nur soviel: "Und absolute empfehlung, wenn du es noch nicht kennst: devetak im karst. Kleiner ausflug, liegt in san michele im karst, 20 minuten von cormons, nicht ganz leicht zu finden, aber echt toll." Mehr dazu demnächst an dieser Stelle. Bleiben Sie dran!

Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

  • Das Filet vom Wildschwein bekommt definitiv ein zwei plus
    foto: fidler

    Das Filet vom Wildschwein bekommt definitiv ein zwei plus

  • Ravioli in Fasan-Sauce
    foto: fidler

    Ravioli in Fasan-Sauce

  • Kleine, schokoladige, prickelige Bällchen
    foto: fidler

    Kleine, schokoladige, prickelige Bällchen

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