Friedliche Schmiss-Parade

21. Juni 2009, 17:27
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Dritter Nationalratspräsident ortete bei Festrede in Innsbruck "verdeckten Meinungskauf" bei der Presse

Innsbruck - Spektakulärer als die Demonstrationen gegen die Teilnehmer des Burschenschafter-Kommerses am Samstag in Innsbruck war der Polizeiaufmarsch. An die 1000 Polizisten mit Helm, Weste und Schlagstock bewachten am Wochenende die Tiroler Landeshauptstadt. Inklusive Hubschrauberüberwachung aus der Luft kostete der Einsatz rund 1,1 Millionen Euro. Wohl einer der Hauptgründe, warum die umstrittene Veranstaltung ohne Zwischenfälle über die Bühne ging.

Durch die Leopoldstraße pilgerten schwarz Vermummte mit Sonnenbrillen der "Autonomen Antifa" . Wehrhafte Burschenschafter, teilweise im "Chargen-Wichs" - in Uniform mit bunten Kapperln und Bändern, Schaftstiefeln und Schlägel - versuchten über andere Wege zum Festkommers zu gelangen.

Jedes Zusammentreffen mit den rund 2000 Demonstranten auf den zwei Demos sollte verhindert werden. In der Messehalle wurde dann vor allem das Treffen von Journalisten und Burschenschaften vereitelt. Nur von einer Empore durften Medienvertreter zusehen, wie sich die Biertische füllten. Nach reichlich Gesang ("Tirol isch lei oans" ) schritt dann Festredner Nationalratspräsident Martin Graf, mit lila Kappe der Wiener Burschenschaft Olympia am Haupt, zur Medienschelte.

Der Dritte Nationalratspräsident forderte "unabhängige Medien" und "echte Pressefreiheit" . Beim gegenwärtigen System ortete Graf "verdeckten Meinungskauf durch den Missbrauch öffentlicher Gelder" . Grund für die Erregung Grafs war die Berichterstattung über den Kommers der "wehrhaften Korporationen" , zu denen neben schlagenden Burschenschaften auch die Akademischen Sängerschaften und Turnverbände gehören. "Ich bin stolz, ein Aushängeschild des akademischen rechten Lagers zu sein" , sagte er. Graf prangerte die "unglaublichen Diffamierungen" und die "politische Hetze" der "politischen Linken" und einiger Tageszeitungen gegen die Veranstaltung an. (ver, DER STANDARD, Printausgabe, 22.6.2009)

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    Der Dritte Nationalratspräsident Martin Graf (am Rednerpult) sieht die Burschenschafter-Veranstaltung in Innsbruck "politische Hetze" ausgesetzt.

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    Gegendemonstration der Plattform gegen Rechtsextremismus in der Innsbrucker Altstadt vor dem Goldenen Dachl.

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