Tag Zwei mit mehr stilistischer Vielfalt

21. Juni 2009, 12:38
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Apokalyptische Szenen nach Regen - Placebo, Kaiser Chiefs, Chickenfoot, In Extremo, Killswitch Engage, Staind und Dredg

Nickelsdorf - Nach den überwiegend von Heavy Metal geprägten Klängen zum Start hat der zweite Tag des Nova Rock in Nickelsdorf (Burgenland) stilistische Vielfalt gebracht. Neben der alles überstrahlenden Performance von Placebo enttäuschten am Samstag auch u.a. die Kaiser Chiefs, Chickenfoot, In Extremo, Killswitch Engage, Staind und Dredg das Publikum nicht. Chris Cornell, Ex-Soundgarden und Ex-Audioslave, präsentierte sich solo einmal mehr als eine der besten Rockstimmen, seinen makellosen Songs fehlte es für eine wirklich große Darbietung allerdings an Ecken und Kanten.

Chris Cornell machte sich bei einem Pressegespräch über die zahlreichen Wiedervereinigungen Gedanken. Am Vortag hatten Faith No More mit viel Ironie ihr "second coming" (wie es auf den Tour-Shirts hieß) gefeiert, beobachtet u.a. von Metallica-Kollegen. "Wenn man das nicht so ernst nimmt, ist das schon ok", meinte der Sänger. "Wenn Reunions aber ausschließlich aus nostalgischen Gründen passieren, finde ich das traurig." Er selbst möchte sich verändern, nicht in der Vergangenheit haften bleiben. Darum klingt das neue Album "Scream" (Universal) auch mehr nach Dance als nach Rock. Kritiker-Schelte habe er erwartet. Nachvollziehen kann er sie allerdings nicht. "Es ist ja nicht so, dass ich bei AC/DC gewesen wäre und die Welt jetzt mit 'Scream' überrascht hätte. Ich habe immer schon Sachen veröffentlicht, die sich stark unterschieden haben."

80er-Protz-Metal

Mit einem unterhaltsamen Gig konnten die Kaiser Chiefs das müde und von Wetterkapriolen geplagte Publikum aufmuntern. Die Briten feuerten Hits wie "Angry Mob" (eine perfekte Festival-Hymne) und "Never Miss A Beat" ab, Sänger Ricky Wilson schüttelte nicht nur Hände, sondern joggte - begleitet von zwei Securitys - am Ende durch die Menge. Zu dieser Zeit ließen Chickenfoot auf dem zweiten Schauplatz, der "Red Stage", den 80er-Protz-Metal wieder aufleben. Die "Supergroup" mit den Van-Halen-Musikern Sammy Hager (toll bei Stimme) und Michael Anthony (Bass) sowie Red-Hot-Chili-Peppers-Drummer Chad Smith und "Gitarrengott" Joe Satriani begeisterten die Menge mit Posen und Soli. Anschließend sorgten In Extremo für einen ganz anderen Ton: Schließlich verbinden die Deutschen Schwermetallklänge mit Mittelalter-Flair.

Mit einem gediegenen Einblick in ihr bisheriges Schaffen mögen Dredg neue Fans gewonnen haben. Wobei sich der Stil der amerikanischen Progressiv-Rocker schwer einordnen lässt. "Eine unserer Platten wird auf einer bekannten Download-Seite als Metal, eine andere unter Alternative und eine dritte unter Rock eingeordnet", sagte Sänger/Gitarrist Gavin Hayes nicht ohne Stolz. "Über die aktuelle Platte 'The Pariah, The Parrot, The Delusion" meinen manche, sie sei poppig. Für uns ist es einfach ein gutes Album, auf dem die Stücke gut zusammenpassen und ein Ganzes ergeben. Wo man es zuordnet, ist uns egal." Dass man mittlerweile aus dem Geheimtipp-Schatten hervortreten konnte, freut den Amerikaner: "Wir waren lange und gerne eine Indie-Band, aber natürlich schätzt man ein breites Publikum."

"Das ist wie ein Karneval. Ein Karneval der Kulturen." Das sagte Michael Robert Rhein alias "Das letzte Einhorn", Sänger von In Extremo.

Weniger Polizei-Einsätze als im Vorjahr

"Im Schnitt waren es bis Sonntag weniger Amtshandlungen als im vergangenen Jahr", zog Bezirkspolizeikommandant Andreas Kohs am dritten Tag des Nova Rock eine zufriedenstellende Bilanz. Als erfreulich merkte im APA-Gespräch an, dass einige Körperverletzungen, Sachbeschädigungen und Diebstähle der vergangenen Tage geklärt werden konnten. Generell sei die Zahl der Einsätze für eine Veranstaltung dieser Größe nicht in besorgniserregendem Ausmaß, meinte er.

Auch das Rote Kreuz freute sich über einen reibungslosen Ablauf. Kleinere Blessuren, sonst gebe es wenig zu tun, meinte Sprecher Thomas Horvath. Nachdem die Rettung angesichts der Schlammmassen am Samstag ihre Fahrzeugflotte um einen Pinzgauer des Bundesheers erweiterte, hat auch der ÖAMTC einen "Pannen"-Traktor zum Einsatz gebracht. (APA)

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    Am zweiten Tag des größten Rock-Open-Airs in Österreich mit erwarteten 150.000 bis 160.000 Besuchern ...

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    ... prägte Schlamm nach Regenfällen in der Nacht das Bild.

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