Handy als mobile Krankenschwester

20. Juni 2009, 18:06
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Das Handy kann als bequeme Brücke zwischen Patient und Ärztin oder Arzt dienen, Orange und Alcatel probieren es aus

Auf Basis eines kanadischen Versuchs probieren jetzt Arbeiter-Samariter-Bund, der Mobilfunker Orange und Netzwerklieferant Alcatel-Lucent das Handy als eine Art mobile Krankenschwester einzusetzen. Überhöhter Blutdruck und Diabetes sind Probleme, die bereits rund eineinhalb Millionen Österreicher betreffen, sagt der Internist und "TV-Doktor" Siegfried Meryn. Da sie ständiger Kontrolle und Medikation bedürfen, bietet sich das Handy hier als Vermittler an.

Einfaches Grundprinzip

Das Grundprinzip ist einfach: Patienten ermitteln Blutzucker bzw. Blutdruck mit kleinen, mobilen Messgeräten. Diese senden ihre Daten automatisch an das Handy, sobald sie Kontakt über Bluetooth haben; das Handy schickt die Daten an einen "Gesundheitsmanager", eine Plattform in der Internet-Wolke, zur Auswertung. Ärztin oder Arzt haben vom PC aus Zugang zu den Daten, um Patientinnen oder Patienten auch ohne Besuch in der Praxis laufend betreuen zu können. Auch Eltern können z. B. ihre Kinder mit Diabetes damit monitoren. Dazu kommt, dass das Handy als Instruktor agieren kann. "Beim Gespräch mit dem Arzt bekommen Menschen viele Informationen auf einmal, später wissen sie nicht mehr, was zu tun ist", beschreibt Meryn. Das Handy kann helfen, die Dosierung zu bestimmen oder per SMS oder E-Mail an die Einnahme von Medikamenten zu erinnern. Und falls Werte besorgniserregend sind, kann es Alarm schlagen: direkt bei den betreuenden Medizinern oder bei einem Gesundheitsdienstleister wie dem Arbeiter-Samariter-Bund.

Technik und Dienstleistung

"Wir können diese Technik mit unseren Dienstleistungen kombinieren", sagt Franz Schnabl vom Samariter-Bund. Weitere Funktionen, wie ein "Lifestyle-Coach" am Handy sind später möglich, etwa Hilfe bei der richtigen Diät. Allerdings will man damit zuwarten, bis der Versuch ausgewertet ist. 30 Personen testen das System derzeit, Anfang 2010 soll daraus ein kommerzielles Angebot entstehen, "zu einer wahrscheinlich einstelligen monatlichen Eurosumme", sagt Orange-Chef Michael Krammer. Dann muss es "nur" noch von Ärzten angeboten werden, Meryn hofft bei der Verbreitung auf individuelles Servicedenken. Denn "die Ärztekammer ist bei allem, was E-Health betrifft, sehr konservativ".(spu/DER STANDARD, Printausgabe vom 20.6.2009)

  • Die Blutprobe vom Messgerät über das Handy an den Online-Gesundheitsmanager: laufende Betreuung auch außerhalb der Praxis.
    foto: orange

    Die Blutprobe vom Messgerät über das Handy an den Online-Gesundheitsmanager: laufende Betreuung auch außerhalb der Praxis.

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