Angehörige von Franco-Opfer klagen erstmals in Straßburg

20. Juni 2009, 13:46
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Verstoß gegen Menschenrechtskonvention soll festgestellt werden

Madrid - Erstmals haben Angehörige eines Opfers der Franco-Diktatur vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gegen den spanischen Staat geklagt. Nachdem die Familie des von Franco-Anhängern ermordeten sozialistischen Abgeordneten Luis Dorado Luque in Spanien alle Rechtsmittel ausgeschöpft habe, sei der Weg nach Straßburg der nächste Schritt gewesen, erklärte der Präsident der Vereinigung für die Bewahrung des historischen Gedächtnisses, Emilio Silva, am Samstag.

"Das ist die erste Klage dieser Art vor dem Europäischen Gerichtshof, aber es werden sicher andere kommen", hieß es in der Erklärung weiter. Vor spanischen Gerichten seien noch tausende ähnlicher Klagen anhängig. Die Familie des 1936 ermordeten Luque wolle erstreiten, dass die Tat als Verletzung der Europäischen Menschenrechtskonvention anerkannt werde. Über den Verbleib des Leichnams herrsche bis heute Ungewissheit. Wahrscheinlich sei er mit bis zu 500 anderen Toten in einem Massengrab auf einem Friedhof in Cordoba verscharrt worden.

Ein Enkel Luques beklagte sich in der Zeitung "Publico" (Freitagsausgabe), dass die Familie von den spanischen Behörden keine Unterstützung erhalten habe. Schon vor 30 Jahren habe die Familie erste Anfragen zum Schicksal und dem Ort des Grabes gestellt. Die spanische Gesellschaft tue so, als habe es keine Diktatur gegeben, erklärte Silva. Francisco Franco regierte Spanien von 1939 bis zu seinem Tod im Jahr 1975. Während des Bürgerkriegs (1936-1939) und der Diktatur (1939-1975) waren mehr als 114.000 Menschen verschwunden. (APA/AFP)

 

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